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Kampf gegen Masern und Röteln : Beschämende Impfmüdigkeit

  • -Aktualisiert am

Impfmüde? Masern und Röteln befinden sich noch immer unter den verbreiteten Infektionskrankheiten. Bild: dpa

Der hessische Gesundheitsminister Stefan Grüttner (CDU) möchte mit der angekündigten Impfstrategie gegen die Skepsis von Impfgegnern ankämpfen. Das kommt zur rechten Zeit. Ein Kommentar.

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          Es ist schon länger her, dass Ärzte während einer Diphterie-Epidemie täglich tote Kinder aus dem Krankenhaus tragen mussten. Seit Einführung der Impfung in den sechziger Jahren ist die Zahl der Erkrankungen zurückgegangen. Viele Infektionskrankheiten konnten in diesem Jahrhundert dank wirksamer Impfungen zurückgedrängt werden. Neben Diphterie sind das auch die von Polioviren verursachte Kinderlähmung und vor allem die Pocken. Seit 1980 gilt die Welt als pockenfrei.

          Dem Ziel, auch Polio auszurotten, haben sich die Rotarier verschrieben. Die letzten größeren Impflücken in der Weltbevölkerung zu schließen, die es vor allem in Krisengebieten und sehr armen Ländern gibt, ist jedoch besonders aufwendig.

          Nutzen nicht mehr so präsent

          Umso beschämender ist es, dass die Ausrottung von Masern und Röteln an der Impfmüdigkeit in Industrienationen scheitert. Geplant war von der Weltgesundheitsorganisation, dass die Krankheiten bis 2010 ausgerottet sind. Seither ist es jedoch auch in Deutschland zu Ausbrüchen gekommen. Obwohl immer wieder Infizierte unter langfristigen Gesundheitsschäden leiden oder gar sterben, haben die Krankheiten ihren Schrecken verloren, ist der Nutzen von Impfungen nicht mehr so präsent wie noch in den sechziger Jahren.

          Schuld daran ist auch eine verbreitete Skepsis gegen Impfungen, verbunden mit Angst vor Nebenwirkungen. Das gilt besonders für die noch relativ neue Impfung gegen Humane Papillomviren, die nicht nur vor Genitalwarzen, sondern auch vor einigen Krebsarten schützen soll. Weil nach negativen Medienberichten die Impfrate eingebrochen war, hatten sich zahlreiche Initiativen gegründet, um sie stärker zu bewerben. Ein Bericht von „Report Mainz“ in der vergangenen Woche, in dem kritisiert wurde, dass schwere Nebenwirkungen der Impfung verschwiegen würden, wird Eltern vermutlich wieder verunsichern. Denn mit einer Impfung wollen sie ihre Kinder schützen und nicht zusätzlich gefährden.

          Da kommt die hessische Impfstrategie, die der scheidende hessische Gesundheitsminister Stefan Grüttner (CDU) gestern angekündigt hat, gerade zur rechten Zeit. Auf Elternabenden, in Arztpraxen, von Betriebsärzten, im Internet und auf anderen Wegen will das Ministerium aufklären und informieren. Dann kann jeder für sich entscheiden, ob der Nutzen einer Impfung nicht doch überwiegt.

          Ingrid Karb

          Blattmacherin in der Rhein-Main-Zeitung.

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