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Immobilien : Stadt und Land über Maklergebühren uneins

Bestellerprinzip: Wer den Auftrag gibt, soll auch die Maklerprovision zahlen. Bild: dapd

Wer den Makler beauftragt, soll für seine Dienste künftig auch bezahlen: Die Maklergebühren sollen neu geregelt werden. Das Land Hessen ist dagegen, die Stadt Frankfurt dafür.

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          Wer den Makler beauftragt, soll für seine Dienste auch bezahlen: Nach diesem sogenannten Bestellerprinzip wollen einige Bundesländer die Maklergebühren neu regeln. Das Land Hessen spricht sich allerdings gegen diesen Vorstoß aus: Wer die Maklerkosten zum Vermieter oder Verkäufer verlagere, erhöhe damit indirekt die Mieten und die Preise, sagt Justizminister Jörg-Uwe Hahn (FDP). Auch sein Parteifreund Wirtschaftsminister Florian Rentsch sieht keinen Anlass für „einen solch tiefen Eingriff in die verfassungsrechtliche Privatautonomie“. Jeder Mieter könne immerhin frei entscheiden, ob er einen Makler beauftragt oder nicht, meint Rentsch.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Mieterschützer sehen das anders: Gerade in den Ballungszentren, wo das Wohnungsangebot knapp ist, hätten die Mieter oft keine andere Wahl, als die Gebühr zu begleichen, wenn der Vermieter auf einen Makler besteht. „Die Mieter müssen sich auf praktisch alles einlassen, um an eine Wohnung zu kommen. Wegen des angespannten Wohnungsmarkts beißen viele in den sauren Apfel und zahlen die Courtage“, meint Rolf Janßen, Geschäftsführer des DMB Mieterschutzvereins Frankfurt.

          Steigende Mieten, steigende Provisionen

          Bisher ist nicht eindeutig gesetzlich geregelt, wer den Makler bezahlt. In ländlichen Regionen mit hohem Leerstand übernehmen meist die Vermieter die Kosten. In den Ballungszentren ist es umgekehrt: Selbst wenn der Vermieter den Makler bestellt, zahlt der Mieter die Courtage, die gesetzlich geregelt zwei Monatsmieten nicht überschreiten darf. In der Regel liegt sie aber auch nicht darunter.

          Mehr als 50000 Mietverträge werden in Frankfurt jedes Jahr unterzeichnet. Janßen schätzt, dass 60 bis 70 Prozent der Wohnungen nur mit Vermittlung durch einen Makler vermietet werden. „Wir haben einen vom Vermieter diktierten Markt. Es kostet ihn nichts, andere für ihn nach Mietern suchen zu lassen.“ Weil in Frankfurt die Mieten zuletzt stark gestiegen sind, wachse auch proportional die Provision an. „Für viele ist das ein immenser Kostenfaktor“, sagt der Mieterschützer. Eine Umstellung auf das Bestellerprinzip sei deshalb ein Schritt in die richtige Richtung. Sieghard Pawlik vom Mieterverein Hoechster Wohnen hält die Auswirkungen auf den Wohnungsmarkt für gering. „Aber die unmittelbar betroffenen, die händeringend eine Wohnung suchen, werden entlastet.“

          Eigentümerverband: „Die Leistung des Maklers bedarf einer Überprüfung“

          Der Frankfurter Vorsitzende des Eigentümerverbands Haus&Grund, Jürgen Conzelman, sieht die mit den Mieten steigenden Provisionen kritisch: „Die Leistung des Maklers bedarf einer Überprüfung. Vielleicht ist sie mitunter nur eine Monatsmiete wert.“ Auch sei eine fairere Lastenverteilung nötig: „Für einen Gutverdiener ist es einfacher, die Provision zu zahlen, als für einen Studenten.“ Für viele Eigentümer sei es aber wegen der ohnehin schon hohen Belastungen schwierig, weitere Kosten zu übernehmen.

          Die Stadt Frankfurt würde es begrüßen, wenn die Höhe der Provision für die Vermittlung einer Wohnung und der Mietpreis entkoppelt würden. „Der Makler sollte nach Aufwand bezahlt werden“, sagt der Sprecher des Planungsdezernats. Auch eine Umstellung auf das Bestellerprinzip hält er für sinnvoll: „Es wird am Wohnungsbestand nichts ändern, aber die Mieter finanziell entlasten.“

          Wer den Auftrag gibt, soll auch zahlen

          Der Immobilienverband IVD Mitte, die Interessenvertretung der Makler in Hessen und Thüringen, steht der Diskussion um die Regulierung der Maklerprovision offen gegenüber. „Allerdings nur, wenn es sich um ein echtes Bestellerprinzip handelt. Wer den Makler beauftragt, zahlt auch“, sagt der Vorsitzende Alexander Alter. Es müsse also auch weiterhin möglich sein, dass der Mietsuchende den Makler mit der Wohnungssuche beauftragt und die Provision bezahlt.

          Alter sieht auch eine „ideologische Seite“ der Initiative: „Die Vorschläge der Länder lenken von ihrer eigenen wohnungspolitischen Verantwortung ab.“ Sie sollten eher für verbesserte Rahmenbedingungen für den Wohnungsbau sorgen und beispielsweise vermehrt landeseigene Grundstücke für den Mietwohnungsneubau vergeben. „Damit wäre Mietsuchenden besser gedient als mit einer Regulierung der Maklerprovision.“

          Ein Sprecher des IVD Mitte, hält die Diskussion für „eine rein populistische Geschichte“ und für „Preistreiberei“. Der Vermieter hebe unter Umständen einfach die Miete an, um sich für die Provision schadlos zu halten. „Langfristig ist der Mieter der Leidtragende.“ Würden private Hauseigentümer zu sehr belastet, verkauften sie ihre Wohnhäuser. „Verlieren wir die Kleininvestoren, tut es dem Markt furchtbar weh.“

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