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Taschengeld aufstocken : Abschied vom Ferienjob

So war’s einmal: Kartoffellese als Ferienjob in Südhessen zu Beginn der achtziger Jahre Bild: Karl-Heinz Bärtl

Jobben neben der Schule? Wer heutzutage zwischen 13 und 18 Jahre alt ist, verschanzt sich lieber hinter Smartphones und Computerbildschirmen. F.A.Z.-Redakteure dagegen kennen noch ganz andere Zeiten.

          Generation Z kennt das gar nicht mehr: Arbeit für Geld in den Ferien. Das war bei ihren Vorgängern noch anders. Angehörige der Generation Y, das sind diejenigen, die heute älter als 23 Jahre sind und bevorzugt sinnstiftender Arbeit nachgehen, waren sich zu Schulzeiten noch nicht zu fein, das Taschengeld in den Ferien ein wenig aufzubessern. Als Pizzaboten fuhren sie dem Italiener Beulen in den Fiat, sie drückten in einer Produktionsstraße Spreiznieten in Karosserien und sagten den Gästen des Cafés am Rathausplatz mit einem freundlichen Lächeln, dass es draußen leider nur Kännchen gebe. Und was macht die Nachfolge-Generation in den sechs langen Sommerferienwochen? Nichts.

          Folgt man dem amerikanischen Magazin „Forbes“, sind die 13 bis 18 Jahre alten Schüler von heute Vertreter ebenjener Generation Z, weil sie zwischen 1996 und 2010 das Licht der Arbeitswelt erblickt haben. Verschanzt hinter Smartphones, verharren sie in Untätigkeit. Das beklagt nach einem Bericht des Deutschlandfunks auch der Präsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes in Hessen. Tenor des Beitrags: Die Eltern verhätscheln ihre Kleinen und wollen ihnen die Strapazen eines Ferienjobs in der Branche nicht zumuten.

          Gleichwohl zeichnen sich anderswo ganz andere Gründe für die vermeintliche Lethargie ab. Man dürfe Minderjährige bei sich gar nicht beschäftigen, lässt eine Frankfurter Brauereigruppe wissen. Bier im Akkord ist in der Tat nicht zu empfehlen. Auch der nüchterne Finanzplatz hat den Schülern im Rhein-Main-Gebiet wenig zu bieten. Man beschäftige keine Schüler, teilt eine Großbank mit.

          Faule Generation Z?

          Was Main und Rhein nicht bringen, macht die Automobilindustrie am Neckar weiter südlich wett. Dort greift die Jugend nach den Sternen und schafft in schwäbischer Manier. Gleichwohl kommen auch dort nur die Volljährigen zum Produktionszug.

          In Zeiten wie diesen, in denen Wissenschaft nur noch zu sein scheint, was sich in und mit Zahlen ausdrücken lässt, würde man die faule Generation Z am liebsten von den Bildschirmen zerren und mit harten Fakten konfrontieren. Doch die Statistiker geben sich bedeckt. Niemand zählt mit, wenn sich ein schulpflichtiger Jugendlicher doch einmal in einen Betrieb verirrt, um für wenig Geld Hand anzulegen. Nicht die Industrie- und Handelskammer, nicht der Spitzenverband des deutschen Einzelhandels und auch nicht der Spitzenverband der Gastronomen.

          Bundesagentur für Arbeit führt keine Statistik

          Nicht einmal die Bundesagentur für Arbeit führt eine Statistik. Es sei nicht ihre Aufgabe, ausgerechnet Jugendliche in Lohn und Brot zu bringen. Das ist verständlich. Denn wenn die Digitalisierung erst so richtig über uns hereingebrochen ist, gibt es für Generation-Z-Vertreter ohnehin keine Arbeit mehr. Denn vermutlich wird in Zukunft auch die letzte Spreizniete von intelligenten und vernetzten Roboterarmen irgendwo hineingepresst.

          Die Jugend des Deutschen Gewerkschaftsbundes findet allerdings gegen Schüler- oder Ferienjobs nichts einzuwenden, wie es auf der Internetseite des DGB heißt. Solche Jobs seien gut gegen Langeweile, brächten Geld und machten unter Umständen mehr Spaß als ein Urlaub mit den Eltern.

          Ob die wiederum ihr Lebensglück darin sehen, sich im All-inclusive-Familienurlaub grüne Armbändchen umbinden zu lassen, Schlauchboote aufzupusten und nach einem wundervollen Tag am Meer puterrot im Hotel anzukommen, sei dahingestellt. Am besten arbeiten die Mütter und Väter einfach weiter – und lassen die unverstandenen Emporkömmlinge der Generation Z in Ruhe.

          Popcorn, aber mach ma' zackig

          Sie nannten mich Mandelmäuschen oder Zuckerpuppe. Und meist waren sie betrunken. Mein erster Ferienjob war zugleich mein härtester. Aber auch mein schönster. Ich habe auf der Kirmes gearbeitet. Mandeln brennen, Zuckerwatte drehen, Weingummi verkaufen. Was ich gelernt habe? Im Winter ist es kalt, im Sommer ist es heiß, von 22 Uhr an kaufen Männer ihren Frauen die größten Lebkuchenherzen – und zu viel Lakritz macht Bauchschmerzen. Was ich außerdem mitgenommen habe fürs Leben? Brandnarben verblassen nur sehr langsam, und Geld verdienen ist auch in einem Mandelwagen kein Zuckerschlecken.

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