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Frankfurt : Hockeytraining ohne Halle

Obdach auf Zeit: Flüchtlinge vor der Fechenheimer Fabriksporthalle, einer von fünf für diesen Zweck genutzten Hallen Bild: Niklas Grapatin

Weil die Stadt Platz für Flüchtlinge braucht, sind fünf Sporthallen belegt. Fünf weitere könnten hinzukommen. Das trifft Sportler und Schüler. Noch ist das Verständnis groß.

          Clubmanager Erik Koppenhöfer klingt ratlos. Die 1.000 Mitglieder zählende Hockey-Abteilung des SC Frankfurt 1880 steht vor einer unsicheren Zeit. Denn die Mannschaften trainieren und spielen in gleich drei der fünf Sporthallen, in denen die Stadt zurzeit etwa 1.200 Flüchtlinge unterbringt. „Natürlich haben wir großes Verständnis dafür“, sagt Koppenhöfer. „Aber wir haben auch ein Problem.“

          Tobias Rösmann

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Matthias Trautsch

          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

          Bisher haben die fünf Herren-, drei Damen- und die Jugendteams zusammen 50 Trainingseinheiten in der Woche in städtischen Hallen gebucht. Doch davon sind wegen der Flüchtlinge laut Koppenhöfer nur noch sieben Zeiten übrig geblieben. Training oder Spielbetrieb ist in den belegten Turnhallen der Franz-Böhm- und der Philipp-Holzmann-Schule ebenso wenig möglich wie in der Fabriksporthalle, die dem Sportamt gehört. Außerdem leben Flüchtlinge derzeit in der Halle des städtischen Sport- und Freizeitzentrums Kalbach und in den Sporthallen der Goethe-Universität in Bockenheim.

          Dem Verein entgehen Zuschauereinnahmen

          Spätestens Mitte Oktober müssten die Teams des SC 1880 mit dem Training für die Hallenhockey-Saison beginnen, die ersten Punktspiele sind im November, erläutert Koppenhöfer und fügt hinzu: „Ich weiß noch nicht, wie wir das lösen sollen.“ Die größte Ungewissheit herrscht um das beste Team, die Erste Herren-Mannschaft, die in Kürze in der Bundesliga antreten soll. Heimspiele kann der Verein nicht, wie gewohnt, in der Halle der Franz-Böhm-Schule ausrichten, eine Ausweichmöglichkeit ist nach den Worten des Clubmanagers, der die Bundesliga-Truppe selbst trainiert, nicht in Sicht. „Ich weiß nicht, ob wir dann nur Auswärtsspiele machen sollen oder ob uns ein Zwangsabstieg droht. So etwas gab es ja noch nie in der Bundesliga.“

          Koppenhöfer hofft nun, dass ihm wenigstens die sieben Trainingszeiten bleiben. „Wir geben unser Bestes, um das alles zu organisieren“, sagt er. Auf absehbare Zeit rechne er aber nicht damit, die Hallen wieder nutzen zu können. Und nachdem die Flüchtlinge anderswo einquartiert worden seien, müssten die Hallen erst einmal „wieder fit gemacht werden“. Koppenhöfer hat das Ganze schon einmal hochgerechnet: Fallen die Bundesliga-Heimspiele in dieser Hallensaison komplett weg, entgehen dem Verein Zuschauereinnahmen von zirka 20.000 Euro. „Die werden uns fehlen.“

          Auch Schulhallen werden umfunktioniert

          Auch der Schulsport muss vorerst zurückstehen, damit die Stadt die Flüchtlinge unterbringen kann. In der aktuellen Lage sei es hinzunehmen, dass wegen belegter Hallen der Sportunterricht eingeschränkt oder gar nicht stattfinde, hat Bildungsdezernentin Sarah Sorge im Bildungsausschuss der Stadtverordneten gesagt. Auch könnten Schulkantinen genutzt werden, um Asylbewerber zu verpflegen, kündigt die Grünen-Politikerin an.

          Nach Angaben ihres Dezernats sind über die zwei schon mit Flüchtlingen belegten Schulturnhallen hinaus noch fünf weitere für denselben Zweck vorgesehen. Mit den Schulleitern sei vereinbart worden, die Hallen bei Bedarf kurzfristig zu nutzen. Entscheidend für die Auswahl sei die bauliche Eignung gewesen. Es werde aber auch darauf geachtet, dass die Konsequenzen für den Unterricht nicht zu schwerwiegend seien, zum Beispiel werde keine Halle in einer Schule belegt, die ein Sport-Abitur anbiete. Welche Hallen ausgeguckt wurden, teilte das Dezernat nicht mit, um Unruhe in die Schulgemeinden zu vermeiden.

          Die Unterbringung der Asylsuchenden sei für jede Schule auf wenige Wochen beschränkt, sicherte Sorges Sprecher zu. Danach könnten die Schulen den regulären Sportunterricht wiederaufnehmen. Er gehe nicht davon aus, dass die Hallen unter der Nutzung als Notunterkunft litten oder sogar renoviert werden müssten.

          Ohne Zustimmung der Eigentümer

          Roland Frischkorn kennt die Schwierigkeiten der Vereine. Der Vorsitzende des Sportkreises Frankfurt, der die rund 430 Sportvereine mit 190.000 Mitgliedern als Dachverband vertritt, sagt: „Es ist nicht einfach, es wird enger, wir müssen zusammenrücken.“ Der SC 1880, der insgesamt etwa 2.500 Mitglieder hat, ist für ihn ein Härtefall: „Denen sind im Hockey jegliche Möglichkeiten in der Halle genommen worden.“ Anderen Vereinen gelinge es aber, sich mit großer Solidarität gegenseitig auszuhelfen. „Und solange nicht alle Sporthallen belegt sind, werden wir auch Möglichkeiten finden“, meint Frischkorn und fügt hinzu: „Es ist eine Ausnahmesituation, und der muss man gerecht werden.“

          Im Vorteil sind nun all die Vereine, die eigene Hallen haben. Von ihnen gibt es nach Frischkorns Angaben zwischen 60 und 70 in der Stadt. In den teils recht kleinen Gebäuden kann die Stadt ohne Zustimmung der Eigentümer keine Flüchtlinge unterbringen. Anders ist das mit den Schulturnhallen, den Räumen der Saalbau und in den Hallen, die dem Sportamt gehören. Das Amt verwaltet nach eigenen Angaben etwa 180 Schulturnhallen, 28 Saalbau-Hallen und sechs eigene Hallen, die auch von Vereinen genutzt werden.

          Die Jugendlichen des SC1880 werden den Winter vermutlich draußen ihr Hockeytraining absolvieren müssen, wie Clubmanager Koppenhöfer sagt. Bei wichtigen Hallenturnieren hätten sie so natürlich keine Chance. Noch murre aber niemand im Verein über die neue Lage. Manche Mitglieder erkundigten sich zwar nach dem Stand der Dinge, den Beitrag habe aber noch niemand zurückverlangt. Allerdings wüssten die meisten Eltern auch noch nicht, dass für ihre Kinder praktisch keine Hallenzeiten zur Verfügung stehen. Mit Spannung wartet Koppenhöfer deshalb auf den 28.September. Dann ist Elternabend.

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