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Siedlung am Bügel : Imagepflege für 17 Millionen Euro

Farbtupfer im Grau: Viel attraktiver sind die Häuser der Siedlung am Bügel durch die Verschönerungsaktion im vergangenen Jahr nicht geworden. Bild: Wolfgang Eilmes

Das Quartier am Ben-Gurion-Ring galt lange als sozialer Brennpunkt. Jetzt soll sich in dem Viertel vieles ändern – auch durch das Engagement der Anwohner.

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          Es klang nach einer guten Idee – ein Quartier, in dem es große Freiflächen und Parks gibt und in dem viel bezahlbarer Wohnraum geschaffen wird. In den siebziger Jahren entstand rund um den Ben-Gurion-Ring in Bonames und Nieder-Eschbach eine neue Großsiedlung. Doch das Quartier blühte nicht auf. Drogen und Gewalt brachten es in Verruf. Außerdem fehlten dem Viertel, das die Anwohner den „Bügel“ nennen, Kindertagesstätten, Geschäfte und eine gute Verkehrsanbindung. Wer es sich leisten konnte, zog weg. Wer bleiben musste, zog sich zurück.

          Theresa Weiß
          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Vor zwei Jahren geriet der Ben-Gurion-Ring wieder einmal mit einer schlimmen Nachricht in die Schlagzeilen: In einem Park wurde ein Mitglied einer Rockergruppe von einem Konkurrenten nach einem misslungenen Drogendeal mit mehreren Schüssen regelrecht hingerichtet; zwei Begleiter des Opfers verletzte der Täter schwer. Nicht nur die Anwohner waren schockiert.

          Vieles besser, aber noch nicht wohnlich

          Planungsdezernent Mike Josef (SPD) will, dass das Viertel seinen schlechten Ruf endlich loswird. Am Mittwoch stellte er im Stadtteilbüro „Wir am Bügel“ ein Konzept für Verbesserungen vor. Die Bürger sollen sich aktiv in ihrer Nachbarschaft beteiligen, die Sicherheit soll verbessert werden, und es soll mehr kulturelle und sportliche Angebote geben. Das alles soll es auch Zugezogenen leichter machen, Anschluss zu finden, wie Josef erläuterte.

          Für das Vorhaben hat Frankfurt rund 17 Millionen Euro aus Mitteln des Bund-Länder-Programms „Soziale Stadt“ beantragt. Der Bügel ist in das Programm aufgenommen worden, jetzt müssen die Projekte für die nächsten zehn Jahre beschlossen werden. In der Aktion „Mach deinen Bügel“ werden daher alle Anwohner aufgefordert, ihre Ideen für das Quartier einzubringen.

          Josef ist der Ansicht, dass sich im Vergleich zu den siebziger Jahren am Ben-Gurion-Ring schon viel geändert habe. Die soziale Infrastruktur sei gewachsen, aber sie reiche noch immer nicht aus, um den 4400 Bewohnern der Siedlung eine wirklich wohnliche Heimat zu geben. Auch baulich könne sich das Quartier noch weiterentwickeln.

          Anregungen zur Diskussion

          Das ist offensichtlich: Ziemlich grau und eintönig stehen die großen Wohnhäuser am Ben-Gurion-Ring nebeneinander. Zwar gab es im vergangenen Jahr schon eine Aktion, bei der die Wohnblöcke etwas bunter gestaltet wurden. Doch um den Eindruck wirklich zu verbessern, reicht das nicht. Bis September wird jetzt ein Aktionsplan erarbeitet, wobei vor allem die Bürger gefragt sind. Sie sollen klarmachen, was ihnen im Bügel fehlt und was sie sich wünschen – zum Beispiel Sportplätze, Spielplätze oder Veränderungen an den Hauseingängen. Das Besondere: Die Bürger werden in den Prozess von Anfang an eingebunden sein und sollen selbst entscheiden, wofür das Geld ausgegeben wird.

          Die Anwohner können ihre Ideen auf einer Internetseite, aber auch persönlich äußern. Dabei unterstützt sie das Hamburger Planungsbüro Urbanista: Mitarbeiter verteilen Karten, auf die Bewohner ihre Wünsche schreiben können, sie stellen konkrete Fragen und geben Anregungen zur Diskussion. Bis zum Herbst wird es noch mehrere Veranstaltungen und Workshops geben, in denen die Anwohner überlegen, wie sie ihr Quartier gestalten wollen.

          Potential, beliebt zu werden

          Mit der Gründung des Stadtteilbeirats Anfang März ist schon ein erster Schritt getan, um die Bewohner des Viertels in den Dialog einzubinden. Auch wenn die Anwohner laut Josef wissen, dass ihr Quartier viel liebenswerter ist, als viele denken, sei es ihnen wichtig, die Außenwirkung des Bügels zu verbessern. „Die lokale Ökonomie leidet unter dem Image“, meint der Dezernent.

          „Natürlich gibt es hier eine auffällige Sozialstruktur“, sagt Martin Hunscher vom Stadtplanungsamt. Doch der Bügel habe mit seinem großen Park das Potential, ein beliebteres Quartier zu werden. Im Norden des Ben-Gurion-Rings entstehen außerdem 380 neue Wohnungen, von denen 30 Prozent gefördert werden.

          Einladung zum „Auftaktfest“

          Damit die Veränderung gelinge, setze die Stadt nicht auf den „klassischen Weg“, bei dem Pläne nur von oben beschlossen würden, erklärt Josef. Alle sollten ein Mitspracherecht haben und sich in Zukunft richtig wohl im Bügel fühlen.

          Für Samstag sind alle Bewohner des Quartiers zum „Auftaktfest“ eingeladen. Es beginnt um 12 Uhr am Haus Ben-Gurion-Ring 56. Dort wird ein Festzelt aufgebaut, es gibt ein Kinderprogramm und eine Dialogrunde. Weitere Informationen unter www.dein-buegel.de.

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