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„Pulse of Europe“ : Zeichen der Verbundenheit mit Großbritannien

Teil von Europa: Junge mit Union Jack bei Pulse of Europe in Frankfurt Bild: Marcus Kaufhold

Frankfurt sieht eine „Pulse of Europe“-Demonstration mit 1600 Teilnehmern. Appelle an junge Wähler auch in Deutschland inklusive.

          Der Zehnjährige, der mit seinen Eltern am Pfingstsonntag zur „Pulse of Europe“-Kundgebung auf den Frankfurter Goetheplatz gekommen ist, hatte vorher gefragt, ob die Islamisten denn wüssten, dass das eine friedliche Demonstration sei. Die Familie hatte darüber gesprochen und beschlossen, sich von den Nachrichten des Morgens über den jüngsten Anschlag in London nicht davon abhalten zu lassen, in Frankfurt für ein friedliches und vereintes Europa auf die Straße zu gehen. Der Anschlag in der britischen Hauptstadt prägte die Demonstration in der Innenstadt. Statt der Aufforderung an die Briten, durch ihre Wahl am Donnerstag den Brexit noch zu verhindern, standen Anteilnahme und Solidaritätsbekundungen an erster Stelle. Mit rund 1600 Teilnehmern war die Demonstration am Pfingstsonntag aber deutlich kleiner als frühere.

          Patricia Andreae

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Der Wald der Flaggen über den Köpfen der Europa-Freunde war jedoch dicht, und es wehte manch ein Union Jack. Nick Jefcoat von der Deutsch-Britischen Gesellschaft Rhein-Main zeigte sich bestürzt über die Vorgänge in seiner Heimat. Hinsichtlich der politischen Entwicklung dort aber sei er froh, demnächst auch einen deutschen Pass zu haben. Denn er sei sich sicher, dass nichts mehr den Brexit aufhalten und es wieder eine Grenze zwischen Europa und Großbritannien durch Irland geben werde. Er empfinde Mitleid für die Briten, sagte Jefcoat. Sie bekämen die Folgen des Brexits schon jetzt zu spüren, sinkende Hauspreise seien nur ein Zeichen dafür.

          Eine junge Französin berichtete, sie habe schon am Morgen in Frankfurt für die Parlamentswahl am 11. Juni abgestimmt und hoffe, dass viele es ihr gleichtun würden, damit der neue Präsident Emmanuel Macron eine Mehrheit bekomme. Denn scheitere Macron, so hob „Pulse of Europe“-Mitinitiator Daniel Röder einmal mehr hervor, dann sei ein Siegeszug der Rechten bei der nächsten Wahl in Frankreich nicht mehr zu aufzuhalten.

          Grenzen zwischen europäischen Ländern?

          Das aber, meinte Eintracht-Präsident Peter Fischer, müsse verhindert werden. Man müsse den „braunen Müll“ erkennen, damit es einem nicht ergehe wie 1933, sagte Fischer auf der Bühne. Es sei schon schlimm, wenn rechte Parteien auch nur ein Prozent der Stimmen bekämen, rief er und setzte hinzu, es dürfe keine Religion ausgegrenzt werden. Er sei stolz auf Frankfurt als Stadt der Stolpersteine, die an die ermordeten jüdischen Mitbürger erinnerten, stolz auf das europäische Frankfurt. Und Röder zitierte die Eintracht-Hymne. Sie beginne schließlich mit den Worten: „Im Herzen von Europa liegt mein Frankfurt am Main.“ Vielleicht laufe ja die Frankfurter Elf demnächst einmal mit Europa-Flaggen ins Stadion ein, schlug daraufhin eine Zuhörerin vor.

          Auf der Bühne meldeten sich einige Jüngere zu Wort. Eine gerade volljährig gewordene Abiturientin rief ihre Altersgenossen auf, die Bundestagswahl im September zu nutzen, um sich für ein freies und vereintes Europa einzusetzen. Wie die Union weiterentwickelt werden kann, darüber diskutieren heute Abend auf Einladung von „Pulse of Europe“ im Frankfurter Lessing-Gymnasium, Fürstenbergerstraße 166, Schüler und Eltern mit „Pulse of Europe“-Initiator Daniel Röder sowie den Wissenschaftlern Thomas Apolte, Michael Hüther, Louis Klein und Andreas Wirsching. Die Diskussion beginnt um 18.30 Uhr. Die Abiturientin, die am Sonntag sprach, sagte jedenfalls, es sei für sie unvorstellbar, dass es wieder Grenzen zwischen europäischen Ländern geben könne. Man dürfe eine solche Entscheidung nicht „vergangenheitsbesessenen Egomanen“ überlassen.

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