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Ein Jahr nach Eröffnung : Im Skyline Plaza hofft man weiter auf bessere Zeiten

Stabile Zahlen: Im Durchschnitt verzeichnet das Skyline Plaza 20.000 Besucher am Tag. Bild: Wolfgang Eilmes

Vieles funktioniert inzwischen. Doch ein Jahr nach der Eröffnung hat das Einkaufszentrum im Europaviertel immer noch nicht richtig Fahrt aufgenommen.

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          Vom „Herzschlag im Europaviertel“ war beim Festakt zur Eröffnung des Skyline Plaza viel die Rede. Selbst Bürgermeister Olaf Cunitz (Die Grünen) kam, während die für eine Gesprächsrunde engagierte Fernsehmoderatorin Judith Rakers die Beine übereinanderschlug, nicht umhin, sich dem Bild anzuschließen, wonach mit der Eröffnung des Einkaufszentrums das Herz des neuen Stadtteils zu schlagen beginne. Das ist jetzt ein Jahr her. Heute vor zwölf Monaten war der erste Verkaufstag im Skyline Plaza, das 170 Geschäfte und Restaurants auf 35.000 Quadratmeter Verkaufsfläche versammelt und als Besonderheit einen Dachgarten mit Restaurant, Bäumen und Boulebahn aufweist.

          Petra Kirchhoff
          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          An den Erfolg der ersten Tage, in denen viele Neugierige kamen, konnte das Einkaufszentrum der Hamburger ECE-Gruppe später aber nicht anknüpfen. Schnell wurde es ruhig hinter der bunt gefächerten Fassade. Dafür lärmen die Bagger vor dem Haupteingang jetzt umso lauter. Was vielen Mietern offenbar nicht klar war: Das Skyline Plaza sitzt auf lange Sicht auf einer großen Baustelle. Im Moment sind es die Bauarbeiten für den Anschluss der U-Bahn, deretwegen Straßen gesperrt sind und Autofahrer und Fußgänger umgeleitet werden müssen. Bis die ersten Bahnen rollen, wird es 2021 werden. Zudem sollen in unmittelbarer Nachbarschaft mehrere Büro- und Wohntürme entstehen. Sie werden dem Einkaufszentrum eines Tages guttun, weil sie Kunden bringen. Bis dahin ist jedoch noch eine lange Durststrecke zu überwinden.

          Streitfrage Parkgebühren

          Das gilt vor allem für die Modegeschäfte, bei denen es sich weitgehend um den üblichen Filialisten-Mix deutscher Einkaufsstraßen handelt. Bis heute gilt das Skyline Plaza als Geheimtipp für alle, die freundlich bedient werden und in Ruhe einkaufen wollen. Das Gastronomie-Geschäft ebenso wie das der Nahversorger dm und Rewe lief hingegen von Anfang an besser. „Die Umsätze erfüllen voll und ganz unsere Erwartungen“, sagt eine Rewe-Sprecherin.

          Ein Stunde Parken gratis: So sollen Besucher ins Einkaufszentrum gelockt werden.
          Ein Stunde Parken gratis: So sollen Besucher ins Einkaufszentrum gelockt werden. : Bild: Wolfgang Eilmes

          An dem schleppenden Start war das Center-Management nicht unschuldig. Zu wenig Werbung, zu wenige Wegweiser in der Stadt, zu wenige Aktionen, die Toiletten zu abgelegen, so lauteten die Vorwürfe der Händler. Vor Weihnachten machten sie ihrem Unmut in einem Protestschreiben Luft. 60 von 170 Mietern unterschrieben. „Es sind deutliche und für einen professionellen Betreiber, wie die ECE einer ist, ungewöhnliche Fehler gemacht worden“, stellte Thomas Dielmann, Darmstädter Schuh-Unternehmer und Mieter im Einkaufszentrum, im Februar in einem Gespräch mit dieser Zeitung fest. Viele kleinere Mieter, die anders als große Filialisten Verluste nicht mit Gewinnen anderer Niederlassungen ausgleichen können, stünden mit dem Rücken zur Wand.

          Ein Dorn im Auge waren den Einzelhändlern von Anfang an die Parkgebühren, die von der ersten Stunde an entrichtet werden mussten. Erst auf den Protest der Mieter hin wurden die Tarife geändert. Die erste Stunde ist jetzt gratis, die zweite Stunde kostet 1,50 Euro, die dritte zwei Euro.

          Zwei Geschäfte stehen leer

          Überhaupt ist die Kritik aus Frankfurt bei ECE in Hamburg angekommen. Der Betreiber, nicht zuletzt der neu eingewechselte Center-Manager Daniel Quaas, hat seine Hausaufgaben gemacht. Das Skyline Plaza ist gut in Schuss. Bei der Beschilderung und der Werbung wurde deutlich nachgebessert, der Dachgarten wird intensiv für Veranstaltungen genutzt. Unter anderem dort wird das einjährige Bestehen vom 26. September an gefeiert.

          „Es sieht gut aus“, sagt Center-Manager Quaas. Als positiv stellt er heraus, dass die Besucherzahlen trotz der Sommerferien stabil und im August sogar leicht gestiegen seien. Auf einen Tagesdurchschnitt von 20.000 Besuchern sei das Skyline Plaza in den ersten Monaten dieses Jahres gekommen. Nach der Eröffnung im vergangenen Jahr bis einschließlich Weihnachten waren es 25 000 Besucher am Tag gewesen.

          Drei Ausfälle hat es Quaas zufolge bisher gegeben. Zwei inhabergeführte Geschäfte, Skyline Flowers und ein Juwelier-Geschäft, haben geschlossen. Die Fläche des Damen-Labels Soccx übernimmt der Sneaker-Händler Snipes. Gegenwärtig stehen nur zwei von 170 Geschäften leer.

          Hoffen auf Wohnungsbau

          Auch die Mieter sind inzwischen besser gestimmt. „Die Umsätze werden besser und stabiler“, sagt Heinrich Riethmüller, Geschäftsführer der Buchhandlung Osiander. Er sei zwar mit anderen Erwartungen gestartet und von daher etwas enttäuscht, bereue aber die Eröffnung des Geschäfts nicht. „Ich bin sicher, dass das Skyline Plaza noch Schwung bekommen wird.“

          Drei Jahre - so lange brauche ein Einkaufszentrum in der Lage des Skyline Plaza in der Regel, bis es in seine Umgebung integriert sei, sagt Joachim Stoll, Vorsitzender des Frankfurter Handelsverbandes. „Das Center ist noch nicht optimal angelaufen.“ Aber die Perspektiven seien angesichts der Wohnbebauung, die im Europaviertel noch folge, sehr interessant. Die Zeil habe unter der neuen Konkurrenz am Innenstadtrand jedenfalls nicht gelitten. Dafür passiere zu viel Neues in der Stadt. Schon eher seien es Mittelzentren wie Bad Homburg, die Kunden verlieren könnten.

          „Es ist besser geworden“, so lautet mehrheitlich das Urteil auch unter Verkäufern, mit denen man spricht. Doch es gibt nach wie vor auch kritische Stimmen. „Es ist absolut nichts los. Wir stehen uns hier die Beine in den Bauch“, heißt es in einem Telefonladen. Ein Verkäufer bei einem Herrenausstatter gibt zu bedenken: „Frequenz ist nicht alles, die Leute müssen auch kaufen.“ Am vergangenen Samstag etwa sei die Zahl der Besucher hoch gewesen, doch hätten sie wenig gekauft. Eine Stunde freies Parken reicht nach seiner Meinung noch nicht aus. „Das ist zu wenig, wir brauchen zwei Stunden.“

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