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Im Porträt: Thomas Reiter (ESA) : Überflieger mit Sinn für Romantik

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Hat manchmal noch ein wenig Sternenstaub im Haar: Thomas Reiter. Bild: Röth, Frank

Dass er Astronaut werden wollte, wusste Thomas Reiter mit elf Jahren, im All hat er später Pink Floyd gespielt. Heute träumt er vom Weltraum.

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          Dunkler Anzug, weißes Hemd, blaue Krawatte. Wäre man sechs Jahre alt, Thomas Reiter böte gerade eine Enttäuschung: Da hat man es einmal mit einem echten Astronauten zu tun, und der steckt nicht in einem Weltraum-Overall. Oder trägt wenigstens einen dieser großen Helme, wie man sie von Neil Armstrong und Edward „Buzz“ Aldrin kennt - als erste Menschen betraten sie den Mond, und in den Visieren ihrer Kopfbedeckungen spiegelte sich das Panorama des größten Abenteuers unserer Zeit.

          Ja, sagt Thomas Reiter, diese Art von Ernüchterung kenne er gut. Früher hat er im Kindergarten und später in den Schulen seiner beiden mittlerweile erwachsenen Söhne gelegentlich einen Vortrag gehalten. Die Freundinnen und Freunde seiner Kinder, sagt er, hätten wohl erwartet, dass er „mindestens mit einer Rakete“ vorbeikomme. Tat er nicht, hatte auch keinen Sternenstaub auf den Schultern. Das Publikum war trotzdem fasziniert; ganz schnell mucksmäuschenstill, wenn Reiter zu erzählen anfing, immer fast eine Stunde lang. Er denkt gerne an solche Auftritte zurück, daran, was Kinder von ihm wissen wollten bei solchen Gelegenheiten: „Wie das Essen im Weltraum schmeckt; ob man Engel sehen kann oder Außerirdische getroffen hat. Warum man schwerelos ist. Das war toll.“

          Wie schmeckt das Essen im Weltall?

          Im Grunde treffen solche Fragen - die der Astronaut gar nicht mal so kindisch fände, wenn ein Erwachsener sie ihm stellte - sehr genau das Wesen der Raumfahrt. Jedenfalls, wie Thomas Reiter es vermittelt. Dann ist nämlich alles drin: milliardenschwere Technologien, faszinierende Wissenschaft, Wirtschaft, ein bisschen Politik. Aber eben auch die Magie des Universums, überraschend viel Poesie, eine Menge Leidenschaft, und Romantik auch.

          Der Werdegang des heute Vierundfünfzigjährigen hat etwas Märchenhaftes, er könnte auch mit „Es war einmal...“ beginnen. Tatsächlich beginnt die Geschichte des späteren Raumfahrers am 21. Juli 1969. In Neu-Isenburg darf der damals elf Jahre alte Thomas Reiter an diesem Abend länger aufbleiben, um bei Nachbarn - „die hatten damals schon einen Farbfernseher“ - die Mondlandung zu schauen. Klar, er will Astronaut werden. Unbedingt. Warum auch nicht. Elf ist schließlich das perfekte Alter für Berufswünsche jenseits aller Wahrscheinlichkeit.

          „Meine Mutter hat noch hochschwanger ihre Segelflugausbildung gemacht“

          Aber der Junge meint es ernst und wird ernst genommen, von Eltern, die selbst begeisterte Segelflieger sind. „Meine Mutter hat noch hochschwanger ihre Segelflugausbildung gemacht, danach aber aufgehört. Trotzdem waren wir fast jedes Wochenende in Egelsbach auf dem Flugplatz, später in Aschaffenburg oder in Langenselbold.“ Als er 14 Jahre alt ist, darf Thomas Reiter abheben. Nach dem Abitur geht er zur Luftwaffe. Er studiert an der Bundeswehr-Universität in Neubiberg Luft- und Raumfahrttechnik, absolviert eine Ausbildung zum Jet-Piloten in den Vereinigten Staaten von Amerika, wird im Jagdbombergeschwader 43 in Oldenburg stationiert, steuert Alpha-Jets und Tornados mit bis zu 2337 Kilometern je Stunde in mehr als 10.000 Metern Höhe. 1986 bewirbt er sich bei der European Space Agency (ESA) als Astronaut. So wie 22.000 andere auch.

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