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Im Porträt: Michael Hauck : „Manchmal bin ich schon etwas geizig“

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Verbindet mit jedem seiner Bilder eine Geschichte, wie sein Leben sie schrieb: Michael Hauck, Privatbankier. Bild: Eilmes, Wolfgang

Man kennt den Privatbankier Michael Hauck als freundlichen Mann. Aber er kann auch energisch werden. Heute wird er 85. Und blickt auf ein interessantes Leben.

          Michael Hauck beginnt mit einem Geständnis: „Ich bin eitel“, sagt er und bittet den Fotografen, das kleine Bild oberhalb seines Sessels aufzunehmen: „Das habe ich selbst gemalt, eine Phantasie von Frankfurt, darauf bin ich sehr stolz.“ Die Sache mit der Eitelkeit wird der Bankier im Ruhestand noch öfter während des Gesprächs wiederholen. Aber was er dann erzählt, hat mit Angeberei wenig zu tun. Hier in seinem schönen Haus in Sachsenhausen - die Breuers und Metzlers und Anne-Marie Steigenberger wohnen nur einen Steinwurf entfernt - gibt sich Michael Hauck, wie man ihn auch sonst in der Frankfurter Gesellschaft erlebt: freundlich, höflich, gut gelaunt und auch im hohen Alter wissbegierig.

          Sein Leben verlief dabei nicht immer so, dass es Anlass für gute Laune liefern konnte. Eine schwere Operation vor Jahren überstand er, die Folgen eines Schlaganfalls beeinträchtigen heute die Lebensqualität, er geht am Rollator. Hauck hört nicht mehr gut, die Augen werden müde, wenn er die tägliche Zeitungslektüre hinter sich hat. Aber er kämpft und ist geistig auf der Höhe. Regelmäßig trainiert er mit den Physiotherapeuten, „die so freundlich sind, ins Haus zu kommen“. Eine polnische Pflegerin kümmert sich um ihn, damit seine Frau Doraline, geborene Gräfin Grote, nicht dauernd ans Haus gebunden ist. Als er die Pflegerin bittet, ihm ein Buch zu holen, fügt er hinzu: „Wenn Sie so gut sind.“

          Hegel und Hölderlin waren nur einen Steinwurf weit entfernt

          Hauck macht auf ein anderes Bild im Wohnraum aufmerksam. Die zu Geld gekommene Familie des Weinhändlers Johann Noe Gogel hat sich darauf porträtieren lassen, in einem Gepränge wie bei einer königlichen Familie. Es handelt sich um Verwandtschaft: Eine Tochter des Hauses heiratete den Gründer und Namensgeber der Bank, Georg Hauck. Übrigens beschäftigten die Gogels einen Hauslehrer. Er hieß Hegel. Den Empfehlungsbrief schrieb Hölderlin.

          Solche Geschichten erzählt Michael Hauck ganz beiläufig, aber mit der Befriedigung eines Mannes, der seine Vorfahren lückenlos bis ins Jahr 1530 zurückverfolgen kann - bis auf eine Berliner Großmutter ausnahmslos Frankfurter. Frankfurts Ehrenbürger Friedrich von Metzler ist ein Vetter zweiten Grades: Eine Metzler heiratete Michael Haucks Großvater Otto, den langjährigen Frankfurter IHK-Präsidenten, der einen Aufruf gegen den Antisemitismus unterzeichnet hatte und 1933 bei der Kammer aus dem Amt gedrängt wurde.

          „Die Menschen sind äußerst niedergedrückt, nervös, tierisch“

          NS-Zeit und Krieg haben auch Spuren im Leben Michael Haucks hinterlassen: Mit 15 Flakhelfer, mit 17 Soldat, den Krieg überlebt, doch in Gefangenschaft an offener TBC erkrankt. Im französischen Lager ging es ihm nicht gut. Am 4. Juli 1945 notiert er in sein Tagebuch: „Die Menschen sind äußerst niedergedrückt, nervös, tierisch.“ Und im Oktober: „Ich werde langsam stumpfsinnig, vormittags liege ich rum, man redet immer dasselbe.“ Wenig gibt es zu essen, Michael Hauck führt seine ausgeprägte Sparsamkeit auch auf diese Zeit zurück, als er aus einem Nagel ein Messer formte, sich aus Fetzen eine Kopfbedeckung bastelte. Auf die Frage, ob seine Sparsamkeit die Grenze zum Geiz gelegentlich überschreite, sagt er zunächst: „Ich habe es sehr ungern, wenn etwas weggeworfen wird, das noch zu brauchen ist, ich mag einfach keine Verschwendung.“ Um dann nachzulegen: „Also, in manchen Dingen bin ich schon geizig. Meine Frau hat mich letzte Woche gezwungen, eine neue Hose zu kaufen, das war ein bitterer Spaziergang.“

          Sparsamkeit oder Geiz haben den ehemaligen Jäger (Geweihe werden im Hause aber nicht geduldet) freilich nicht davon abgehalten, eine große Sammlung kleiner Tierskulpturen vor allem aus Bronze zusammenzutragen, antike Miniaturen aus 4.000 Jahren, lauter Hirsche, Esel, Hasen, Affen, Fische, Frösche und anderes Getier. Uneitel nennt er sich als Sammler einen Amateur. Seinen Tierchen hat er einen Bildband gewidmet, der im Jahr 2000 bei Stroemfeld herauskam.

          „Wohin mit dem anlagewilligen Geld?“

          Überhaupt hat Michael Hauck sein ganzes Leben lang immer gern geschrieben. Aufsätze von ihm tragen so schöne Titel wie „Wohin mit dem anlagewilligen Geld?“ oder „Anlegerinteressen werden zu schwach vertreten“. Zahllose Artikel und Vorträge handeln in unambitionierter, aber verständlicher Sprache von Vermögensbildung, betrieblichen Pensionsrückstellungen, Aktienbewertung, Aktienanalyse und immer wieder von der Börse im Allgemeinen und der Frankfurter Wertpapierbörse im Besonderen, deren Vorstand er 31 Jahre lang angehörte und deren Präsident er dreieinhalb Jahre lang war (sein Nachfolger: Vetter Fritz von Metzler).

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