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Im Porträt: Holger Weinert : Sein Erfolgsgeheimnis ist der Plauderton

  • -Aktualisiert am

Er stellt seinen Gesprächspartnern keine unangenehmen Fragen, die er nicht selbst beantworten würde: Holger Weinert. Bild: Röth, Frank

Holger Weinert ist einer jener Interviewer, dem die Menschen sich öffnen. Vielleicht, weil er nicht aufdringlich wird. Er zählt zu den Journalisten, die dem Hessischen Rundfunk ein Gesicht geben.

          5 Min.

          Montag, 19. März, Komödie in der Steinstraße in Düsseldorf. Alfred Biolek, genesen von den Folgen eines schlimmen Sturzes, macht hier auf der Bühne des Boulevardtheaters eine Talkshow. Holger Weinert ist von Frankfurt an den Rhein gekommen, weil er für die samstägliche ARD-Reihe „Höchstpersönlich“ ein halbstündiges Porträt über den Mann drehen will, der einst mit „Kölner Treff“, „Bios Bahnhof“, „Boulevard Bio“ oder der Koch-Show „alfredissimo“ Fernsehgeschichte geschrieben hat. Hier auf der Bühne vor lachbereitem rheinischen Publikum hat Biolek unter anderen Dirk Bach zu Gast, der im wirklichen Leben gar keine Knallcharge ist, sondern nett und intelligent. Biolek fragt ihn, ob Bach eigentlich Angst vor dem Tod habe.

          Das ist nach der Show das Stichwort für Holger Weinert. Mit Kameramann und Tontechniker ist er Alfred Biolek in die Garderobe gefolgt und spricht im Plauderton in sein Mikro: „Was mich überrascht hat, ist, dass Sie den Dirk nach der Angst vor dem Tod gefragt haben.“ Biolek meint, man müsse einen so lustigen Mann doch auch einmal etwas Ernstes fragen. Weinert setzt nach: „Ich hab mich nicht getraut, Sie danach zu fragen.“ Biolek antwortet: „Ob ich mich vor dem Tod fürchte? Eigentlich nicht. Je älter ich werde, desto näher komme ich dem Tod. Und denke eigentlich, wenn er morgen käme, wär’s auch nicht so schlecht.“ Wieder einmal hat sich in dieser Szene gezeigt: Guten Journalisten erzählen die Menschen alles, selbst sehr Persönliches, vor allem, wenn die Frage en passant gestellt wird und nicht schon durch Gespreize beim Gegenüber Hemmungen aufkommen lässt.

          Professionell und natürlich zugleich

          Jetzt, am Dienstag, 3. April, beim Hessischen Rundfunk, Schneideraum 23, einem dieser lieblosen Funktionsräume, aus denen der halbe Sender besteht, haben Holger Weinert und Cutterin Babett Hick diese Szene an den Schluss des Films gesetzt, es handelt sich um die stärkste Stelle des ganzen Porträts. Ähnlich bewegend nur noch die Passage, in der Weinert Biolek fragt, ob er mit seinem privaten Leben so zufrieden sei wie mit seinem beruflichen. „Nein“, lautet die Antwort. Weinert belässt es dabei, auch Journalisten können Takt aufbringen. Außerdem weiß er, dass in den Augenblicken, in denen bei so heiklen Fragen die Kamera ein Gesicht einfängt, den inneren Schmerz zeigt, beim Zuschauer das Kopfkino einsetzt: Man muss nicht alles sagen, man muss nicht alles wissen wollen. Journalisten, die es ernst mit ihrem beruflichen Ethos nehmen, handeln wahrscheinlich am besten nach der Devise: Stelle im Persönlichen niemand Fragen, die auch dir unangenehm wären.

          Das gilt jedenfalls für solche Porträts, die immer auch ins Private zielen. Doch Holger Weinert ist ein vielseitiger Journalist, der auch das Aktuelle kann, das Nachfragen, geboren aus natürlicher Neugierde, etwa in der „Hessenschau“. Und die große Form beherrscht er auch, wie er in der Dokumentation „Ulis letzter Sommer - das lange Sterben mit Aids“ oder mit Porträts von Günter Schabowski oder Ignatz Bubis unter Beweis gestellt hat.

          Nach der Theologie folgte der Journalismus

          Das Fernsehhandwerk gelernt hat der gebürtige Berliner bei Radio Bremen, beim abendlichen Magazin „Buten & Binnen“, einst gerühmt für innovatives, schnelles und witziges Regional-TV. Er war vom gedruckten Wort, dem „Weser-Kurier“, zu den bewegten Bildern gestoßen und ging anfangs in eine harte Lehre. Er war in seinen ersten zwei Fernsehjahren sehr langsam und umständlich, sagt er selbst, aber Erfahrung ist alles: Heute dürfte er einer der Schnellsten sein, er ist in seinem Fach ganz einfach auch ein perfekter Handwerker, seine Beiträge haben immer Tempo. „Das wird vom Schnitt her sehr, sehr schwierig“, hatte er für das Biolek-Projekt vorausgesagt. Aber mit Cutterin Babett Hick, mit der er schon bei der „vipshow“ zusammenarbeitete, hat er das Porträt in Rekordzeit fertiggestellt - „im Blindflug“.

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