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Im Porträt: Bamba Anderson : Ein schlanker Rückkehrer

  • -Aktualisiert am

Zieht mit Frau und Kind in eine vertraute Umgebung zurück: Bamba Anderson. Bild: Heiko Rhode

In Rio de Janeiro ist Bamba Anderson zu Hause, Portugiesisch ist seine Muttersprache. Und er spielt bei der Eintracht.

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          In Rio de Janeiro ist Bamba Anderson zu Hause, Portugiesisch ist seine Muttersprache. Seiner Arbeit aber geht der Fußballprofi am liebsten in Frankfurt nach. Und Interviews führt er inzwischen in passablem Deutsch. Anderson Soares de Oliveira hat viel Geduld aufbringen müssen, ehe er in seine Wahlheimat zurückkehren durfte, aber am Donnerstag hat er im Trainingslager der Eintracht in Feldkirchen an der Donau zunächst einen neuen Dreijahresvertrag unterschrieben - und dann seine erste Trainingseinheit mit Rehatrainer Michael Fabacher bestritten. Schwer sei ihm dieser Lauf bei großer Hitze gefallen, gab er später zu, aber nicht halb so schwer wie das Warten in den vergangenen Wochen.

          Mit dreißig Einsätzen war Anderson in der Aufstiegssaison fester Bestandteil der Frankfurter Mannschaft. Und musste doch bangen, ob dies auch in der neuen Saison so sein würde. Denn Sportdirektor Bruno Hübner hatte eine Kaufoption für 1,5 Millionen Euro gegenüber Borussia Mönchengladbach verstreichen lassen, der bis 2014 laufende Vertrag mit der Borussia war damit wieder in Kraft getreten. Das Pokerspiel danach dauerte lange. Jeden Tag habe er im Urlaub in Brasilien auf den erlösenden Anruf gewartet, „dass ich nach Frankfurt zurück darf“. Doch er kam nicht, Anderson hat nicht nur vor vier Wochen das Training in Mönchengladbach aufnehmen müssen, er war in einem Privatspiel auch wieder für die Borussia am Ball. „Das war eine schwere Zeit für mich“, sagt er, „denn ich wusste, dass ich dort keine Chance hatte.“ Als vermeintlicher Ersatzspieler habe auch der internationale Fußball mit dem alten Arbeitgeber keinen Reiz ausgeübt. „Champions League ist gut für die Borussia, aber was wäre es für mich gewesen?“

          „Ich weiß nicht, ob ich fit bin bis zum Saisonstart“

          Beim Poker um Anderson ging es ums Geld und ums Knie des Spielers, das seit einer Meniskusoperation im Winter vorgeschädigt ist. Die Eintracht scheute nach diversen schlechten Erfahrungen bei anderen Spielern eine Millionen-Ablöse. Sie wollte den Vierundzwanzigjährigen zwar unbedingt weiter an sich binden, aber am liebsten auf Basis einer überschaubaren und deshalb risikoärmeren Leihgebühr. Diesem Vertragsmodell aber hatte sich Mönchengladbachs Sportdirektor Max Eberl bis zum Schluss widersetzt. Nun sollen sich die Klubs auf eine Ablösesumme von 800.000 Euro geeinigt haben, was für die Frankfurter immerhin eine Ersparnis von 700.000 Euro gegenüber der Ausgangssumme bedeuten würde. Die Borussia wiederum darf mit einem finanziellen Nachschlag rechnen, wenn Anderson eine bestimmte Anzahl von Bundesligaspielen für die Eintracht bestritten hat. So waren am Ende alle zufrieden. Vor allem der Spieler. Er hatte viel Vertrauen in Sportchef Hübner gesetzt, der ihm immer wieder versicherte, „dass es klappt“. Anderson hatte seine Wohnung in Neu-Isenburg nicht gekündigt und kann nun mit Frau und Kind in eine vertraute Umgebung zurückkehren.

          Sportlich hat sich freilich einiges geändert. In Gordon Schildenfeld und Caio haben zwei für ihn wichtige Kollegen den Klub verlassen. Schildenfeld wird ihm als Partner in der Innenverteidigung fehlen, sein Landsmann Caio als Freund und Gesprächspartner. „Aber mit Demi kann ich bestimmt spanisch sprechen“, sagte er in Feldkirchen - gemeint war Vadim Demidov, der neue Innenverteidiger der Eintracht. Kommunikations- und Integrationsschwierigkeiten wird es mit Anderson also nicht geben. Vielmehr werden die Trainer mit dem Spieler daran arbeiten müssen, im Schnellkurs fit für die Bundesliga zu werden. Denn Anderson hat zuletzt wegen einer schweren Mandelentzündung drei Wochen nicht trainieren können. „Drei bis vier Kilo“ habe er abgenommen, sagte er. Deshalb werde er in den nächsten Tagen viele Nudeln essen, um Gewicht zuzulegen, vor allem aber „hart trainieren“. Die Radtour der Mannschaft am Nachmittag hat er ausgelassen, dafür an der Seite des Rehatrainers wieder Runden gedreht. Nächste Woche will er dann im Kreis der Kollegen endlich wieder gegen den Ball treten. „Ich weiß nicht, ob ich fit bin bis zum Saisonstart“, sagte er. Diese Zweifel teilt er mit dem Trainer. Er könne „nicht einschätzen“, wie lange der Spieler brauche, um in Form zu kommen, sagte Armin Veh. „Aber ich bin froh, dass er wieder da ist.“

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