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Im Gespräch: Verkehrsdezernent Stefan Majer : „Neue Wohngebiete nur dort, wo öffentliche Verkehrsmittel sind“

  • Aktualisiert am

Stadtrat Stefan Majer. Bild: von Siebenthal, Jakob

In einer wachsenden Stadt nimmt auch der Verkehr zu. Darum muss Frankfurt seine Netze ausbauen. Die große Frage für den Verkehrsdezernenten lautet, wie die Stadt diese Investitionen bezahlen kann. Allein schon der Betrieb des heutigen Nahverkehrs ist nicht leicht zu finanzieren.

          Wird über das beherrschende Thema Wohnungsbau vergessen, dass eine wachsende Stadt wie Frankfurt auch mehr Verkehrsinfrastruktur braucht?

          Eine wachsende Stadt bedeutet immer auch wachsender Verkehr. Dieses Thema kommt höchstens in der öffentlichen Diskussion manchmal zu kurz. Bürgermeister Olaf Cunitz und ich sind uns einig, dass die beiden Themen Wohnungsbau und Verkehrsinfrastruktur elementar zusammengehören. Wie beim Wohnen ist aber auch hier das Wie entscheidend: Noch mehr Straße oder noch mehr Umweltverbund, also Mobilität per Schiene, Bus, Fahrrad und zu Fuß.

          Bedeutet das nicht auch doppelten Finanzbedarf, also Geld für Wohnungen und gleichzeitig für Busse und Bahnen, welche die wachsende Bevölkerung ans Ziel bringt?

          Wohnungsbau und Verkehrsinfrastruktur bedeuten enorme Finanzanstrengungen. Die Politik kann und sie muss diese Entwicklung lenken. Sie kann zum Beispiel und sollte in meinen Augen auch entscheiden, neue Wohngebiete nur dort auszuweisen, wo bereits öffentliche Verkehrsmittel vorhanden sind, die dann gegebenenfalls noch erweitert werden müssen

          Was wäre die Alternative?

          Das Aufwärmen der alten Philosophie mit Retortenstädten auf der grünen Weise. Dorthin müssten aber dann für noch mehr Geld ganz neue Verkehrswege geschaffen werden. Meiner Ansicht nach ist es besser und insgesamt gesehen auch finanziell nachhaltiger, bestehende Wohnviertel zu verdichten und die vorhandene Verkehrsinfrastruktur zu ertüchtigen und zu erweitern.

          Oberbürgermeister Peter Feldmann und seine SPD haben den Bau eines neuen Stadtteils auf der grünen Wiese im Norden Frankfurts vorgeschlagen. Können Sie dieser Idee etwas abgewinnen?

          Ich halte das für keine gute Idee und ich bin mir da mit dem gesamten Magistrat - außer Herrn Feldmann - einig. Einen Retorten-Stadtteil aus dem Boden zu stampfen, ist Stadt- und Verkehrsplanung von gestern. Für einen solchen Stadtteil bräuchte man eine völlig neue U-Bahn- oder S-Bahn-Verbindung. Und natürlich auch neue Straßen ohne Ende. Das wäre nicht nur ökologisch Wahnsinn, sondern würde auch noch viel teurer als jede Ergänzung des Bestehenden.

          Die SPD schlägt einfach eine Abzweigung von der U2 bis nach Nieder-Eschbach vor und einen Anschluss an die Autobahnen A661 und A5. Ist das realistisch?

          Nein, das ist blauäugig. Die A-Strecke der U-Bahn unter der Eschersheimer Landstraße ist an der Grenze ihrer Leistungsfähigkeit angekommen. Wir stehen mit der Stadt Bad Homburg kurz vor dem Abschluss der Planungen zu einer Verlängerung der U2 bis zum Bahnhof Bad Homburg. Es ist illusorisch, von der U2 dann noch eine zusätzliche Strecke abzweigen zu lassen.

          Weil auf der A-Strecke keine zusätzlichen Züge mehr fahren können?

          Die einzig denkbare Lösung wäre ein zusätzlicher U-Bahn-Ast. Dafür müsste die Lücke zwischen Bockenheim und Ginnheim geschlossen werden. Zwar untersuchen wir bereits mögliche Trassenkorridore, aber ein solches Projekt würde unglaublich viel Geld kosten und wäre in der konkreten Planung und Ausführung sehr langwierig. Vor allem müssten dafür äußerst schwierige planerische Probleme zum Beispiel im Bereich Rosa-Luxemburg-Straße und Platen-Siedlung gelöst werden. Die SPD hat sich einst scharf gegen genau diese Pläne des früheren Planungsdezernenten Edwin Schwarz gestellt. Deshalb kommen mir die Vorschläge der Sozialdemokraten für eine Verkehrsanbindung eines neuen Stadtteils zwischen Nieder-Eschbach und Nieder-Erlenbach weder durchdacht noch konsequent vor.

          Hat zumindest der Vorschlag einer Anbindung eines solchen neuen Stadtteils an die A661 und A5 Hand und Fuß?

          Das Autobahn-System rund um das Bad Homburger Kreuz hat schon jetzt die Grenze seiner Leistungsfähigkeit erreicht. Auch die Stadt Bad Vilbel hat das im Zusammenhang mit der gescheiterten Ansiedlung des Möbelhauses Segmüller zur Kenntnis nehmen müssen.

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