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Im Gespräch: Verena David : „Es wäre das falsche Signal“

  • Aktualisiert am

Gegen Cannabis-Modellversuch: die CDU-Stadtverordnete Verena David. Die Juristin, die gerade an ihrer Doktorarbeit schreibt, sitzt seit 2006 im Rathaus. 2011 wurde sie gesundheitspolitische Sprecherin ihrer Fraktion. Bild: Max Kesberger

Die CDU ist gegen einen Modellversuch zur legalen Abgabe von Cannabis. Verena David will trotzdem weiter diskutieren – aber nicht über den Drogenkonsum ihrer Parteifreunde.

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          Wie viel Prozent der knapp 3000 Frankfurter CDU-Mitglieder haben schon einmal gekifft?

          Woher soll ich das wissen? Ich habe neulich mit ein paar JU-lern gesprochen, die hatten alle noch nie gekifft.

          Sagen sie.

          Ja, sagen sie. Mir hat aber noch kein CDU-Mitglied gesagt, dass es gekifft hat.

          Man könnte auf die Idee kommen, dass es doch ein paar sind, sofern man die CDU für einen repräsentativen Querschnitt der Bevölkerung hält. Immerhin haben 40 Prozent der Frankfurter Jugendlichen angegeben, mindestens einmal Cannabis konsumiert zu haben.

          Es ist nicht auszuschließen, dass es auch in der Frankfurter CDU Mitglieder gibt, die schon mal gekifft haben. Aber das weiß ich nicht.

          Angesichts des 40-Prozent-Ergebnisses allein unter Jugendlichen stellt sich die Frage, wie sinnvoll das derzeitige Verbot von Cannabis ist.

          Ich finde es bedauerlich, dass 40 Prozent der Jugendlichen angegeben haben, das im Alter zwischen 15 und 18 Jahren schon einmal gemacht zu haben. 20 Prozent der Befragten haben sogar angegeben, im letzten Monat Cannabis konsumiert zu haben. Und drei Prozent haben gesagt, dass sie täglich rauchen, wahrscheinlich dann sogar härtere Joints. Das ist sehr, sehr bedenklich. Für uns in der CDU-Fraktion stellen sich zwei Fragen: Wie gefährlich ist Cannabis? Und wie kann man Jugendliche besser schützen? Das Thema bereitet uns große Sorge. Die meisten Fraktionsmitglieder, etwa 90 Prozent, befürchten, dass die Zahlen ohne ein Verbot noch wesentlich höher lägen.

          Wieso glauben sie das?

          Weil es dann für Erwachsene über kontrollierte Abgabestellen noch leichter zugänglich wäre, und dann leicht auch für Jugendliche. Alkohol zum Beispiel ist frei zugänglich, und dort funktioniert der Jugendschutz nicht sehr gut. Experten schätzen, dass 95 Prozent der Erwachsenen schon einmal Alkohol getrunken haben. Cannabis dagegen ist verboten, und Fachleute gehen davon aus, dass drei bis vier Millionen Erwachsene in Deutschland die Droge mindestens einmal konsumiert haben. Es hat also schon eine gewisse abschreckende Wirkung, dass Cannabis nicht erlaubt ist.

          Warum tut sich gerade die CDU in Frankfurt mit dem Thema so schwer? Immerhin war der Kreisverband doch einst der Vorreiter für die kontrollierte Heroin- und Methadonabgabe.

          Dabei ging es um eine ganz andere Gruppe von Menschen. Es ging um die Schwerstabhängigen, Schwerstkranken, denen man irgendwie helfen musste. Die Leute, die Cannabis konsumieren, sind dagegen in der Regel nicht schwer krank. Sie tun das als Teil ihres Freizeitverhaltens, und wir möchten gerade nicht, dass sie süchtig werden. Insbesondere machen wir uns um Heranwachsende Sorgen, die sich noch stärker zum Cannabiskonsum motiviert fühlen könnten. Man weiß, dass sich der Konsum von Cannabis auf die altersgerechte Entwicklung in der Jugend nachteilig auswirken und zu neurokognitiven Beeinträchtigungen führen kann.

          Kritiker glauben, dass das Verbot des Cannabis-Handels viele Risiken mit sich bringt. Zum Beispiel wissen Käufer an der Konstablerwache und anderswo nicht, was sie da eigentlich genau bekommen. Böte eine staatlich kontrollierte Abgabe nicht mehr Sicherheit?

          Es stimmt, auch Cannabis wird teils wahnsinnig gestreckt und verunreinigt. Wir machen uns unter anderem deshalb die Diskussion in der Fraktion wirklich sehr, sehr schwer. Wenn es eine zweite Fachtagung gibt, über die ich sehr bald mit Gesundheitsdezernentin Rosemarie Heilig sprechen werde, müssen dabei wirklich alle kontroversen Standpunkte zu Wort kommen. Und wir müssen vor allem die Jugendlichen immer wieder und weiter aufklären.

          Könnten Sie mit einer staatlichen Abgabe nicht viel mehr Konsumenten gezielt ansprechen und über Risiken aufklären?

          Die Stadt bemüht sich schon jetzt sehr darum aufzuklären. Es gab vor einiger Zeit sogar Kinospots dazu. Die meisten bei uns glauben, dass man keine Abgabestellen braucht, um Jugendliche aufzuklären.

          Und warum will die CDU-Fraktion dies über mögliche Abgabestellen nicht noch mehr tun?

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