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Im Gespräch: Uwe Becker und Petra Roth über Energiepolitik : „Uwe, das solltest Du zur Chefsache machen!“

  • Aktualisiert am

Nach dem Wechsel: Der Frankfurter Stadtkämmerer Uwe Becker (CDU) ist seit Anfang des Monats oberster Kontrolleur des Versorgungsunternehmens Mainova. Die frühere Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) hat diesen Posten 18 Jahre lang bekleidet und einige Tipps für ihren Nachfolger. Bild: Eilmes, Wolfgang

Die Energiewende wollte die Mainova für sich nutzen. Doch das ist schwerer als gedacht. Der neue Aufsichtsratschef und seine Vorgängerin über Ärger mit der Flugsicherung, Kooperationen mit anderen Versorgern und steigende Wasserpreise.

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          Die Strompreise steigen und steigen. Können Sie als neuer Aufsichtsratsvorsitzender der Mainova den Anstieg begrenzen, Herr Becker?

          Becker: Ich denke, die Mainova hat auch in der Vergangenheit immer versucht, die Preise niedrig zu halten. Wir sind zwar nicht die Billigsten, aber immer bei den Günstigen dabei.

          Roth: Die Energiewende ist teurer geworden als von allen geplant. Die große Aufgabe ist jetzt, den Strom weiterhin nicht nur zuverlässig, sondern auch bezahlbar anzubieten.

          Wie wollen Sie das machen?

          Becker: Wir haben frühzeitig in Erneuerbare Energien investiert. Davon profitieren wir heute schon. Aber die Mainova muss sich natürlich auch selbst effizient aufstellen, wobei auch die Mitarbeiterschaft mitziehen muss, was sie auch engagiert tut.

          Investitionen in Energieprojekte sind nicht immer einfach. In Nieder-Erlenbach stellt sich die Deutsche Flugsicherung gegen einen von der Mainova geplanten Windpark.

          Becker: Also, einsehen kann ich nicht, dass nur wenige hundert Meter von einem bestehenden Windpark in Karben ein neuer Windpark die Flugsicherheit beeinträchtigen soll.

          Roth: Die Flugsicherung zeigt sich sehr störrisch. Dabei ist die derzeit eingesetzte Technik des Drehfunkfeuers, das durch die Windräder angeblich gestört wird, veraltet. Uwe, ich schlage vor, dass Du das zur Chefsache machst! Wenn Du dich persönlich an Herrn Schulte wendest und Dich dafür einsetzt, dass Fraport und die Flugsicherung ihre Technik modernisieren, dann bringt das mehr, als wenn er nur ein akademisches Papier von einem Sachbearbeiter bekommt.

          In Bergen-Enkheim sind es auch die Bürger, die den Bau eines neuen Windparks verhindern wollen.

          Roth: Da wünschte ich mir, dass der Ortsbeirat mutiger voranginge. In Nieder-Erlenbach haben wir gesagt: Wir wollen das. Die Windräder, die die Mainova dort aufstellen will, decken zweimal den Jahresbedarf von Nieder-Erlenbach ab. Ich bin mir sicher, dass sich auch die Bergen-Enkheimer am Ende nicht den sachlichen Argumenten verschließen werden.

          Becker: Wenn man den Menschen erklärt, dass sie einen Nutzen von erneuerbaren Energien haben, und wenn man sie an den Entscheidungen beteiligt, dann steigt die Akzeptanz.

          Die Mainova ist auch an einem Windpark im Havelland beteiligt. Sollte sich ein kommunales Unternehmen nicht auf sein eigenes Versorgungsgebiet konzentrieren?

          Roth: Wir sind ja nicht nur ein kommunales Unternehmen, sondern auch ein Wirtschaftsunternehmen, das regelmäßig ihren Mehrwert erwirtschaften muss. Wenn die Mainova in Erneuerbare Energien investiert und zusätzlichen Strom weiterverkauft, erhöht sie dadurch auch ihre Wirtschaftskraft.

          Becker: Wenn man nicht von den vier großen Stromkonzernen abhängig sein will, muss man selbst eine gewisse Größe und Marktmacht erreichen. Um in dem Konzert mitspielen zu können, muss man auch außerhalb der Stadtgrenzen investieren. Da kommen Kooperationen mit anderen Energieversorgern in der Region ins Spiel.

          An wen denken Sie da?

          Becker: Ich weiß, dass der Offenbacher Oberbürgermeister Schneider Interesse hat, mit Frankfurt zusammenzuarbeiten. Aus Wiesbaden gab es auch immer schon einmal Signale. Auch die Süwag schauen wir uns weiter an, da hat es ja schon gute Gespräche gegeben.

          Sollen solche Kooperationen Kosten sparen oder die Marktmacht stärken?

          Becker: Am Ende würden sich solche Kooperationen natürlich auch durch Synergien auf das Finanzielle auswirken, weil man Verwaltungsaufgaben wie die Abrechnung gemeinsam bündeln könnte. Im Vordergrund steht aber, dass man dadurch größere Markt- und Wettbewerbschancen erreicht. Bei der Süwag hatten wir ja schon ein konkretes Konzept auf dem Tisch, das uns erlaubt hätte, vom Strom und Gas bis zur Dienstleistung alles in der gesamten Region Frankfurt/Rhein-Main anzubieten. Letztlich ist diese Kooperation allerdings an unterschiedlichen Preisvorstellungen gescheitert.

          2015 läuft die Konzession für die Wasserversorgung in Frankfurt aus, nach dem Kartellverfahren musste die Mainova die Preise so weit senken, dass sie angeblich Verluste mit der Wasserversorgung macht. Wie geht es da weiter?

          Becker: Ich glaube, es ist allen Beteiligten klar, dass zu den jetzigen Preisen die Wasserversorgung nicht weiter betrieben werden kann.

          Außer den Wasserverbrauchern.

          Becker: Die Ergebnisbelastung beträgt allein im Jahr 2012 14 Millionen Euro. Auch der Verbraucher hat am Ende nichts davon, wenn die Versorgungssicherheit nicht gewährleistet ist oder wenn es zu Qualitätseinbußen kommt. Immerhin reden wir hier von dem Lebensmittel Nummer eins. Es geht ja nicht darum, große Gewinne zu machen, sondern auskömmlich zu arbeiten. Der letzte Ausweg ist die Rekommunalisierung der Wasserversorgung. Das kann nicht im Interesse der Kartellrechtler sein.

          Das heißt: Am Ende werden die Wasserpreise in jedem Fall steigen?

          Becker: Die Preise müssen zumindest die Kosten decken, dazu wären wir auch gebührenrechtlich verpflichtet.

          Die Fragen stellte Tim Kanning.

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