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Im Gespräch: Thorsten Schäfer-Gümbel : „Die SPD demonstriert Einigkeit“

  • Aktualisiert am

Thorsten Schäfer-Gümbel. Bild: Röth, Frank

Gut zwei Jahre vor der Landtagswahl will sich SPD-Parteichef Schäfer-Gümbel zum Ministerpräsidenten-Kandidaten küren lassen. „Ich bin ein Teamspieler“, sagt er im Interview.

          Am Samstag wollen Sie sich von einem Landesparteitag in Kassel zum SPD-Spitzenkandidat für das Amt des Ministerpräsidenten küren lassen - mehr als zwei Jahre vor der Landtagswahl. Warum so eilig?

          Weil wir uns unserer Sache sicher sind, wir Klarheit schaffen und den Blick auf die Themen schärfen wollen.

          Ist Ihre Eile nicht auch der Hoffnung geschuldet, mit einer frühen Entscheidung Personaldebatten in Ihrer Partei und ein Wiederaufbrechen der Gräben zwischen rechtem und linkem Flügel zu verhindern?

          Es gibt keine Querelen. Wir beantworten ganz einfach die Frage nach dem Spitzenkandidaten. Der lange Anlauf bietet die Chance, unsere Themen im Bewusstsein der Bürger zu verankern, klar zu machen, wofür die hessische SPD steht: gute Arbeit, Bildungs- und Chancengerechtigkeit und die Energiewende.

          Keine Angst, dass Sie Ihr Pulver zu früh verschießen?

          Nein. Es geht uns nicht um Show-Effekte. Wir wollen zeigen, dass es in der SPD in Personal- und Sachfragen Einigkeit gibt.

          Thorsten Schäfer-Gümbel als Landesvorsitzender - denn als solcher wollen Sie am Samstag ja auch bestätigt werden - und Spitzenkandidat. Heißt das, die Partei wird in den nächsten zwei Jahren stromlinienförmig auf Sie zugeschnitten?

          Im Gegenteil. Ich werde mich künftig nicht mehr in jede Auseinandersetzung im Landtag einmischen, damit sich auch andere profilieren. Aber ich werde ganz sicher deutlich Position beziehen, wenn die Stunde der Opposition schlägt: bei der zweiten Lesung des Haushaltsentwurfs für 2012 im November beispielsweise.

          In den vergangenen zwei Jahren hatte man den Eindruck: Die SPD in Hessen, das ist TSG - Ihr Namenskürzel.

          Der Eindruck täuscht. Ich bin ein Teamspieler, und um mich herum gibt es eine ehrgeizige und vielversprechende Mannschaft.

          Wen haben Sie auf der Rechnung?

          Da gibt es viele, in der Landtagsfraktion, im Landesvorstand und in anderen Bereichen. Aber ich werde jetzt keine Namen nennen, weil ich will, dass sich einige in den nächsten Monaten noch mehr einbringen. Das Zukunftsteam wird sich noch früh genug herauskristallisieren.

          Könnte auch Andrea Ypsilanti zu Ihrem Team gehören?

          Wie gesagt: Ich werde mich zu Namen nicht äußern.

          Im Dezember 2008, kurz nach dem Scheitern von Frau Ypsilanti, wurden Sie mit 97 Prozent zum Spitzenkandidaten der SPD für die Landtagswahl Anfang 2009 gekürt. Besser geht es kaum noch, oder?

          Nein. Das war ein Vertrauensvorschuss in einer extrem schwierigen Situation. Die Partei hat damals viel Solidarität bewiesen.

          Welches Maß an Zustimmung erwarten Sie sich am Samstag mindestens?

          An Zahlenspielen beteilige ich mich nicht.

          Die Landtagswahl Anfang 2009 endete mit einem Allzeit-Tief für die hessischen Sozialdemokraten: 23,7 Prozent. Der Weg zurück an die Macht werde ein Langstreckenlauf sein, prophezeiten Sie damals. Wo steht die SPD heute?

          Die SPD agiert geschlossen, und sie ist inhaltlich auf der Höhe der Zeit. Was kann ein Partei- und Fraktionsvorsitzender eigentlich mehr wollen? Um im Bild des Marathonlaufs zu bleiben: Die ersten 21 Kilometer haben wir hinter uns, und den anderen geht schon die Luft aus - zumindest inhaltlich. In unserer Mannschaft stecken dagegen noch erhebliche Reserven.

          Was die Suche nach einem möglichen Koalitionspartner betrifft, gilt das Motto: Die Hessen-SPD ist grundsätzlich in alle Richtungen bündnisfähig - Grüne, FDP, CDU, Linke?

          Formal sind wir mit allen koalitionsfähig. Aber es gibt für mich eine klare Orientierung, die heißt Rot-Grün, weil diese Konstellation für einen Politikwechsel in Hessen steht. Dafür werde ich werben, und ich bin sehr zuversichtlich, dass wir davon auch eine Mehrheit der hessischen Bürgerinnen und Bürger überzeugen können.

          Aber auch eine Regierung mit der Linkspartei können Sie sich vorstellen?

          Die SPD ist mit dem Ziel angetreten, das Fünf-Parteien-System zu überwinden. Ob dem Landtag 2014 drei oder vier Fraktionen angehören werden, weiß ich angesichts der derzeitigen Lage der FDP und der Linkspartei nicht.

          Die Fragen stellte Ralf Euler.

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