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Im Gespräch: Steffen Seibert : „Im Zug des Lebens in Fahrtrichtung“

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Herr Staatssekretär: Inzwischen zuckt Steffen Seibert nicht mehr zusammen, wenn er so angesprochen wird. Bild: Julia Zimmermann

Als Regierungssprecher sitzt der frühere ZDF-Journalist Steffen Seibert dabei, wenn die Herren Obama, Putin oder Hollande zu Besuch kommen. Wen das kalt lasse, der lüge, sagt er.

          Sie leben jetzt in Berlin. Fehlt Ihnen das schöne, beschauliche Wiesbaden nicht?

          Ich wohne schon seit Sommer 2010 hier, meine Familie ist ein Jahr später nachgekommen. Vielleicht sollte ich das nicht sagen, aber: Mir fehlt hier eigentlich gar nichts, und wenn dann eher Frankfurt als Wiesbaden. Wir leben sehr gerne in Berlin, wir waren ja in den neunziger Jahren schon einmal hier. Aber wie gesagt: Als ich neulich wieder in Frankfurt war, hat mir das schon einen kleinen Stich gegeben - ich mag die Stadt sehr, und ein paar Menschen dort auch. Andererseits ist es ein Vorteil Berlins, dass alle hier immer mal wieder vorbeikommen. Es gibt Frankfurter Freunde, die sehe ich hier fast genauso oft wie früher.

          Sie sind Regierungssprecher seit August 2010, Frau Merkel ist schon viel länger in der Politik. Bewundern Sie sie für ihre Kondition?

          Ich habe vor allen Spitzenpolitikern einen Riesenrespekt, die diese physische und psychische Belastung jahraus, jahrein durchstehen und dabei nicht hart oder zynisch werden.

          War Ihnen als Journalist die Innenansicht des politischen Betriebs fremd?

          Die Politik war auch früher schon mein Arbeitsgebiet, aber der Hauptstadtbetrieb war mir völlig fremd. Als ich in Berlin arbeitete, war die Bundesregierung noch in Bonn, ich moderierte damals das ZDF-Morgenmagazin, war also nicht Teil der Hauptstadtpresse.

          Was hat Sie überrascht?

          Es gibt die beliebte Vorstellung der Hauptstadtjournalisten als „Meute“, als Jäger. Gut, der Druck, die Story zu liefern, ist sehr groß, das Tempo hat durch die neuen Medien noch mal gewaltig angezogen - trotzdem: So homogen ist diese Gruppe nicht. Ich sehe lauter einzelne und in ihrer Arbeitsweise, in ihren Skrupeln und ihrem journalistischen Vorwärtsdrang sehr unterschiedliche Menschen, und mit den allermeisten komme ich gut zurecht. Ich stelle fest, dass die Journalisten einen als Regierungssprecher akzeptieren, wenn er sich bemüht, seine Arbeit gut zu machen, wenn er kein Trickser ist und wenn er vor allem seine Themen kennt. Das merken sie ganz schnell, ob man schwach auf der Brust ist oder einigermaßen gut im Thema. Also versuche ich, mich gut vorzubereiten, weil ich ihnen das auch schuldig bin. Wer das als Regierungssprecher liefert, hat ein professionelles und eigentlich ordentliches Verhältnis mit den Journalisten

          Wie viele Journalisten haben Ihre Handynummer?

          Kann ich nur schätzen. Siebzig vielleicht oder doch eher hundert?

          Wie viele kennen Sie mit Namen?

          Ich kenne sie alle mit Namen, aber manchmal kommt es vor, dass der mir nicht gleich einfällt.

          Halten Sie Fragen, die Ihnen gestellt werden, gelegentlich für dämlich?

          Nein. Vielleicht habe ich es vorher noch nicht gut genug erklärt, manche Sachverhalte sind ja auch extrem kompliziert. Außerdem ist ein Regierungssprecher dafür da, dass er Fragen geduldig beantwortet. Natürlich denke ich manchmal: „Wir haben die Fakten doch auf den Tisch gelegt, wie kommen die jetzt zu so einem Urteil?“, aber das ist normal in der Demokratie.

          Als Sie 2003 die Moderation der „Heute“-Sendung übernahmen, sagten Sie, Sie freuten sich darauf, dem Publikum mitzuteilen, was an diesem Tag wichtig war. Jetzt müssen Sie mitteilen, was Frau Merkel wichtig ist. Ist das nicht schrecklich?

          Nein, weil schon die Prämisse Ihrer Frage nicht stimmt. Der Regierungssprecher versucht zu informieren und zu erklären, was die Regierung tut, warum sie es tut und wie es sich in die großen Zusammenhänge einordnet. Wenn ich daran etwas schrecklich fände, hätte ich es ja nicht machen müssen.

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