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Im Gespräch: Ralf Dedermann von der AfD : „Ich frage mich, was an uns rechtspopulistisch sein soll“

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Guter Dinge: Nach den überraschenden Wahlerfolgen in Ostdeutschland spricht Ralf Dedermann, Kreissprecher der Frankfurter AfD, von Aufbruchstimmung. Bild: Helmut Fricke

Die AfD ist nach den Erfolgen in drei Landtagswahlen in aller Munde. In Frankfurt gibt es einen Kreisverband mit zirka 300 Mitgliedern. Von dem ist allerdings noch nicht viel zu hören.

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          Welches kommunalpolitische Thema ist für Sie das wichtigste?

          Wir haben den Anspruch, nicht nur die Bürger, sondern auch unsere Mitglieder so stark wie möglich zu beteiligen. Deshalb befragen wir zurzeit unsere Basis, um herauszufinden, welche Themen ihr für die Kommunalwahl 2016 am wichtigsten sind. Der Kreisvorstand hat sich parallel dazu auch schon Gedanken über Themen gemacht.

          Können Sie zwei, drei nennen?

          Wir orientieren uns an der aktuellen Bürgerumfrage der Stadt. Danach ist den Frankfurtern das Thema Wohnen am wichtigsten, dann das Thema Verkehr und dann, mit einigem Abstand, das Thema Kriminalität, das ich etwas breiter mit Sicherheit und Sicherheitsgefühl benennen möchte.

          Sie hatten vor einiger Zeit auch die Finanzpolitik als wichtig bezeichnet.

          Ja, genau. Die bundesweiten Parteithemen wie den soliden Umgang mit dem Geld der Bürger wollen wir natürlich auf die kommunale Ebene projizieren. Wir wollen nirgendwo überbordende Schuldenmacherei. Gleichzeitig halten wir Zukunftsinvestitionen für richtig, zum Beispiel in die Straßen. In Frankfurt lohnt es sich wegen der holprigen Straßen ja allmählich, einen Geländewagen zu haben.

          Haben Sie einen?

          Nein, leider nicht.

          Wie sieht der Zeitplan für das Programm aus?

          Wir planen, Anfang Oktober den ersten kommunalen Arbeitskreis für unser Programm zu starten.

          Ein Vorwurf an die AfD lautet, sie sei rechtspopulistisch. Was ist für Sie rechtspopulistisch?

          Das frage ich mich auch. Wenn ich mir die Wählerwanderung bei der Landtagswahl in Thüringen ansehe, stelle ich fest, dass von der SPD und Linken mehr Wähler zu uns gekommen sind als von der CDU. Was also soll der Vorwurf? Aber natürlich ist Zuwanderung für uns ein wichtiges Thema. Wir fordern das kanadische Modell. Um zu zeigen, was in diesem Land rechtspopulistisch sein soll, verweise ich auf ein Zitat von SPD-Generalsekretärin Yasmin Fahimi. Sie hat Anfang Juni in der „Rheinischen Post“ gesagt: „Deutschland braucht ein Zuwanderungsgesetz, das den Zustrom ordnet. Ein Punktesystem könnte helfen, Einwanderungswillige nach Ausbildung, Alter und Sprachfähigkeit auszuwählen.“ Das entspricht exakt unserem Vorschlag, den die SPD jetzt nachgequatscht hat.

          Sie können dann ja im Römer eine rot-blaue Koalition eingehen.

          Na ja. Schwer vorstellbar. Denn dazu müsste sich die SPD in unserem Kernthema der Haushaltskonsolidierung sowie der echten Bürgerbeteiligung sehr bewegen. Aber es zeigt, dass eine Einordnung in rechts oder links keinen Sinn mehr hat.

          Wie bewerten Sie die Integrationspolitik in Frankfurt?

          Auch dazu haben wir kommunalpolitisch noch keine Beschlüsse gefasst. Aber zu der Schließung des Jugendhauses im Gallus nach islamistischen Pöbeleien gegen Mitarbeiter hatten wir mitgeteilt, dass es nicht reicht, einfach nur Räume für Jugendliche anzubieten. Was nutzen Räume, wenn keine Betreuung da ist?

          Sie wollen mehr Betreuer?

          Nicht nur mehr Betreuer, sondern richtige Betreuer beziehungsweise richtige Betreuung. Hierzu gehört meiner Meinung nach auch die Vermittlung von Werten.

          Die Freien Wähler in Frankfurt sind etabliert. Sehen Sie Schnittmengen?

          Eine Lücke in unserer Satzung erlaubt zurzeit leider noch Doppelmitgliedschaften. Als die AfD als Wahlalternative begann und noch keine Partei war, gab es mancherorts eine Zusammenarbeit, die aber nicht funktioniert hat.

          Warum nicht?

          Manche Menschen provozieren, egal, wo sie auftreten, immer gleich Streit.

          Gibt es denn hin und wieder Gespräche, zum Beispiel mit dem Fraktionsvorsitzenden der Freien Wähler im Römer, Wolfgang Hübner?

          Ich bin immer da, wo gearbeitet wird. Vielleicht liegt es daran, dass ich Herrn Hübner noch nicht persönlich kennengelernt habe.

          Was ist Ihr Ziel für die Kommunalwahl im Frühjahr 2016?

          Wir wollen die Bürger besser im Rathaus vertreten. Es muss wieder möglich sein, seine Meinung zu sagen, ohne dass man Angst haben muss, mit der Politische-Korrektheits-Keule eins übergezogen zu bekommen. Wir wollen außerdem die Achtung der Bürger vor öffentlichen Institutionen wie der Polizei stärken. Da brauchen wir einen Wertewandel.

          Welches Ergebnis erhoffen Sie sich?

          Wir wollen in den Römer, ganz klar. Am liebsten mindestens in Fraktionsstärke, das bedeutet in Frankfurt: drei Sitze. Bei der Europawahl im Mai hatten wir übrigens acht Prozent.

          Die Fragen stellte Tobias Rösmann.

          Zur Person

          Ralf Dedermann stammt aus Baden-Württemberg, was unschwer zu hören ist. Vor elf Jahren kam er nach Frankfurt, er wohnt im Bahnhofsviertel. Der 43 Jahre alte Volkswirt, der als selbständiger Unternehmensberater sein Geld verdient, war nie zuvor Mitglied einer Partei. Nun aber engagiert er sich seit dem Frühjahr als Kreissprecher der AfD, der Alternative für Deutschland. Der Verband liegt seit Monaten stabil bei 300 Mitgliedern. Um im Frühjahr 2016 in den Römer zu kommen, will Dedermann jetzt ein Kommunalwahlprogramm erarbeiten lassen. Auf die Frage nach seiner Familie antwortet er: „Ich bin verliebt und habe zwei Patenkinder.“ (trö.)

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