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Im Gespräch: Petra Roth (CDU) : „Ich werde nicht als Stadtmutter auftreten“

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Liebesbekenntnis: „Alles, was ich bin, hat Frankfurt aus mir gemacht.“
          6 Min.

          Seit Sie Ihren Beschluss öffentlich gemacht haben, vorzeitig aus dem Amt zu scheiden, sind einige Tage vergangen. Bereuen Sie Ihre Entscheidung schon wieder?

          Da hätte ich mein Leben ja ganz schlecht geplant. Nein, ich bereue nichts.

          Aber Sie scheiden doch nicht gerne aus Ihrem Amt aus, oder?

          Ich habe mich entschieden, ein Jahr früher aufzuhören. Meine Überlegung war: Ich muss etwas geben, um eine gewisse Lethargie hier in Frankfurt zu durchbrechen. Es sollte kein Überdruck entstehen, der zu einer Explosion hätte führen können.

          Was für eine Explosion haben Sie befürchtet?

          Eine in der CDU. Wir haben in meiner Partei eine wunderbare Ressource, gleichsam ein noch zu entdeckendes Ölfeld: die jungen Leute. Es darf aber nicht dazu kommen, dass ein solches Ölfeld unter Druck wie ein Geysir hochkommt und eine ungewollte Eigendynamik entwickelt. Ich wollte das kontrolliert „anzapfen“.

          Sie wollten also mit Ihrem Vorstoß einen Kampf unter den CDU-Aspiranten um ihre Nachfolge verhindern?

          Ja. Denn ich glaube, dass meine Partei keine Kampfkandidaturen verträgt. Ich habe bei meinem Entschluss aber nicht nur an die Oberbürgermeisterwahl gedacht, sondern auch an die Kommunalwahl im Jahr 2016. Die gute CDU-Großstadtpolitik, die stark mit meinem Namen verbunden ist, muss auch nach dieser Wahl fortgesetzt werden können. Unser Kandidat Boris Rhein kann auf diese Politik zurückgreifen.

          Sie haben sich als Oberbürgermeisterin doch in den letzten Jahren immer stärker von der CDU distanziert...

          Nein, nicht distanziert. Es gibt wenige Politiker im Amt, die so in der CDU-Politik zu Hause sind wie ich. Aber es ist selbstverständlich, dass eine direkt gewählte Oberbürgermeisterin nicht die Vollstreckerin eines Parteiprogramms sein kann. Es geht stets darum, selbst Impulse zu geben, für neue Ideen zu werben.

          Hatte die Partei nicht manchmal Schwierigkeiten, Ihnen zu folgen?

          Sie ist immer gefolgt. Ich habe alles durchbekommen, alles. Jetzt erweise ich der CDU mit meinem Rücktritt einen Dienst. Das Öl aus der Quelle platzt nicht in einer großen Blase, sondern wird in geordnete Bahnen gelenkt. Und unser Kandidat kann die Wahl vorbereiten und sie mit meiner Politik kolorieren.

          Wie ist denn die Entscheidung für Boris Rhein zustande gekommen?

          Ich habe ihn gefragt: „Bist du bereit, diese Kandidatur für Frankfurt zu übernehmen?“ Er hat ja gesagt. Weil Rhein mit seiner Kandidatur voll ausgefüllt ist und später hoffentlich mit dem Oberbürgermeisteramt, habe ich vorgeschlagen, Uwe Becker mit dem Amt des Parteivorsitzenden zu betrauen. Damit schütze ich die Partei. Sie wäre sonst in zwei Gruppen gespalten worden, die nicht mehr bis zur nächsten Kommunalwahl im Jahr 2016 zusammengewachsen wären.

          Sie haben einen Nachfolgekandidaten freihändig bestimmt, den Parteivorsitz gleich mit vergeben und die Öffentlichkeit darüber informiert, bevor die Parteigremien sich damit beschäftigen konnten. Wäre ein solches autoritäres Verfahren in einer anderen Partei als der CDU noch möglich?

          Ich habe meiner Partei Vorschläge gemacht und freue mich, dass der Vorstand meine Ideen aufgreift. Das letzte Wort aber kommt dem Parteitag im Dezember zu.

          Anders als diesmal gab es vor Ihrer ersten Wahl in der CDU kein Gedränge um die Kandidatur.

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