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Im Gespräch: Peter Franke : „In Frankfurt gehen die Lichter nicht aus“

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Licht an in Frankfurt: Das Kernkraftwerk Grafenrheinfeld bei Schweinfurt ist derzeit unentbehrlich für die Stromversorgung des Ballungsraums. Bild: Fiechter, Fabian

Trotz der Absage an eine Wiederinbetriebnahme des Kohlekraftwerks Staudinger1 ist die Stromversorgung im Ballungsraum Frankfurt gesichert, sagt Peter Franke, Vizepräsident der Bundesnetzagentur.

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          Müssen die Bewohner des Rhein-Main-Gebiets im bevorstehenden Winter Angst vor Stromausfällen haben, weil in Deutschland die Energie zunehmend im Norden produziert wird und es an Leitungen hierher fehlt?

          Nach menschlichen Ermessen ist Vorsorge getroffen, dass im Rhein-Main-Gebiet die Lichter nicht ausgehen. Das gilt auch für die folgenden Jahre.

          Es hatte in den vergangenen Monaten eine Diskussion darum gegeben, ob der Kohleblock Staudinger1 in Großkrotzenburg, der schon stillgelegt ist, für kalte Wintertage vorgehalten werden soll. Dabei war der Eindruck entstanden, ohne dieses Kraftwerk gehe es nicht. Nun werden die Anlagen abgerissen, und die Versorgung ist trotzdem nicht gefährdet?

          Wir hätten es begrüßt, wenn Staudinger1 in Betrieb geblieben wäre. Aber uns ist klar: Ein Weiterbetrieb muss sowohl technisch als auch rechtlich möglich sein, und darüber konnte keine Einigung erzielt werden. Darum haben die Netzbetreiber und die Bundesnetzagentur alternative Maßnahmen ergriffen, um die Versorgung zu sichern. Es gab ja schon Verträge über Reservekraftwerke. Wir haben die Kraftwerksbetreiber im Rahmen eines Interessenbekundungsverfahrens gefragt, ob sie weitere Kapazitäten für die Wintermonate bereitstellen können. Dabei hat es eine Reihe von Meldungen gegeben.

          Welche Rolle spielt dabei das neue Gaskraftwerk des Darmstädter Versorgers HSE auf seinem Betriebsgelände?

          Die Kraftwerke der HSE sind in den Berechnungen der Übertragungsnetzbetreiber für den Reservekraftwerksbedarf für den kommenden Winter bereits berücksichtigt.

          In zwei Jahren geht das Atomkraftwerk Grafenrheinfeld bei Schweinfurt vom Netz. Steigt dann die Gefahr von Stromausfällen im Ballungsraum Frankfurt, weil wieder ein Großkraftwerk in der Nähe fehlen wird, nachdem schon Biblis stillgelegt ist und bei Staudinger nur noch ein einziger Block arbeitet?

          Grafenrheinfeld ist tatsächlich gegenwärtig für das Rhein-Main-Gebiet unentbehrlich, um das Stromnetz stabil zu halten. Für die Zeit nach 2015, wenn das Atomkraftwerk stillgelegt ist, gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder wird eine neue Höchstspannungsleitung durch den Thüringer Wald fertiggestellt, die den Strom der vielen Windräder in Nordostdeutschland nach Süden leitet. Die Aussichten haben sich verbessert, dass diese Leitung bis 2015 fertig wird. Oder wir haben abermals zusätzlichen Reservebedarf in Süddeutschland. Für diesen Fall sind wir jedoch optimistisch, dass vor allem Kraftwerke in Österreich dann einspringen können. Notfalls muss der Stromhandel Deutschlands mit dem Ausland für einen begrenzten Zeitraum beschränkt werden. Aber das wäre nur das letzte Mittel. Denn der europäische Binnenmarkt hilft uns gemeinhin bei der Stabilisierung der Stromversorgung.

          Was sind das für Kraftwerke in Österreich, die dann womöglich die Stromversorgung im Ballungsraum Frankfurt sichern?

          Sowohl Kohle- als auch Gaskraftwerke, eventuell sogar ein relativ altes Kraftwerk, das mit Öl betrieben wird.

          Eine Verlängerung der Laufzeit von Grafenrheinfeld schließen Sie aus.

          Wir orientieren uns am Atomgesetz, und danach endet die Laufzeit des Atomkraftwerks Ende 2015.

          Wie lange wird es denn im Süden Deutschlands und damit im Rhein-Main-Gebiet noch Versorgungsengpässe geben, weil halt der Strom vor allem im Norden produziert wird und viele Verbraucher im Süden sitzen?

          Das hängt vom Fortschritt des Netzausbaus ab. Wir haben insgesamt in Deutschland genügend Kapazität zur Stromerzeugung. Die Energie muss nur zu den Verbrauchsschwerpunkten im Süden transportiert werden.

          Welche Leitungen fehlen denn im Rhein-Main-Gebiet noch?

          Es fehlen in Deutschland vor allem die großen Nord-Süd-Korridore, aber das Rhein-Main-Gebiet hat dabei vor allem Transitfunktion. Die wichtige Höchstspannungsleitung für diesen Ballungsraum ist tatsächlich die durch den Thüringer Wald.

          Im Ballungsraum Frankfurt stehen bisher sehr wenige Windräder. Könnten denn solche Anlagen in dieser Region zur Sicherheit der Stromversorgung beitragen?

          Insbesondere die Einspeisung von Strom aus Windrädern ist ja nicht gleichmäßig, sondern volatil. Auf jeden Fall braucht man auch konventionelle Stromerzeugung, die verlässlich ist.

          In dieser Region wären also Gaskraftwerke grundsätzlich dringender als Windräder, auch wenn sich Gaskraftwerke gegenwärtig nicht rechnen?

          In Süddeutschland benötigen wir Gaskraftwerke, weil sie den Vorteil haben, jederzeit produzieren können, also auch, wenn der Wind nicht weht. Aber die Frage, wie viel Zubau von Windenergie man dort haben will, muss die Politik beantworten.

          Die Fragen stellte Manfred Köhler.

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