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Im Gespräch: Peter Feldmann : „Die sozialdemokratische Wählerschaft ist aufgewacht“

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Mann mit neuer Aufgabe: Peter Feldmann wird Oberbürgermeister von Frankfurt. Bild: Eilmes, Wolfgang

Mit deutlichem Vorsprung hat der Frankfurter SPD-Politiker Peter Feldmann den CDU-Innenminister Boris Rhein in einer Stichwahl um das Amt des Oberbürgermeisters geschlagen.

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          Gut geträumt nach diesem Wahlsieg?

          Ich habe traumlos geschlafen, bin aber in bester Stimmung aufgewacht.

          Sie sitzen im Café. Seit wann konnten Sie sich diesen Luxus nicht mehr gönnen?

          Auch während meines Wahlkampfs habe ich mir Zeit für ein Mittagessen in diesem Café genommen. Heute habe ich einfach alle meine Termine hierher gelegt.

          Wie großist Ihre Erschöpfung?

          Eigentlich geht es mir jetzt wieder richtig gut. Meine Stimme kommt zurück, das tut gut.

          Haben Sie zu viel geredet?

          Meine Stimmbänder waren angegriffen.Im Wahlkampf muss ein Kandidat nun mal viel sprechen.

          Nach der ersten Wahl lagen sie sechs Prozentpunkte hinter Boris Rhein. Was hat am Ende den Ausschlag gegeben?

          Mehrere Faktoren. Die Wähler mögen es, wenn jemand festhält an den klassischen sozialen Themen wie Kampf gegen Kinderarmut, ein würdiges Leben für die Älteren, mehr Wohnungsbau. Honoriert haben sie auch mein Eintreten gegen Fluglärm und für die Betonung von Frankfurts Internationalität als Wirtschaftsfaktor.

          Wie wichtig waren für Ihren Sieg die Stimmen der kleineren Parteien?

          Sehr wichtig. Aber noch wichtiger war, dass Leute aus dem sozialdemokratischen Milieu, die seit Jahrzehnten nicht mehr SPD gewählt haben, wieder zur Urne gegangen sind. Zum Beispiel Bewohner von Siedlungen, die sich vor einem Verkauf ihrer Häuser fürchten. Kurzum, das klassische sozialdemokratische Klientel ist aufgewacht.

          Wäre dieses Ergebnis ohne Hilfe aus der Wählerschaft der Piraten, der Linken oder der Grünen zu erzielen gewesen?

          Es hat mir natürlich nicht geschadet, dass etwa der Oberbürgermeister-Kandidat der Piraten sagte, er werde mich wählen. Auch die Stimmen aus dem Lager der Flughafen-Ausbau-Gegener oder der Linken haben mir gut getan. Die wissen, dass ich nicht die neue Landebahn schließen möchte, aber dass ich ihnen zuhöre und den Fluglärm ernsthaft eindämmen will.

          Hat der grüne Europaabgeordnete Daniel Cohn-Bendit Sie jetzt gewählt?

          Er hat mich jedenfalls angerufen und mir sehr herzlich gratuliert.

          War Cohn-Bendits Aufruf an die Grünen, nicht Boris Rhein zu wählen, ein wichtiger Baustein für Ihren Sieg?

          Grüne wie der Bundestagsabgeordnete Tom Koenigs, wie der früher Justizminister Rupert von Plottnitz oder eben Cohn-Bendit scheinen ihr Ohr sehr nahe an der grünen Basis zu haben.

          Im Gegensatz zu den Grünen im Magistrat und in der Römerfraktion?

          Das haben Sie jetzt gesagt. Jedenfalls haben Cohn-Bendit oder Koenigs ihren Leuten klargemacht: „Der Feldmann ist kein Grünen-Fresser.“ Ich habe tatsächlich im Wahlkampf nie auf die Grünen eingeschlagen, deshalb wäreein wenig mehr Vertrauen in mich angebracht.

          Ist die Frankfurter SPD jetzt wieder da?

          Sie war schon nach dem Mitgliederentscheid über ihren Oberbürgermeister-Kandidaten wieder da. Nun ist sie wieder ein ernstzunehmender Faktor in der Frankfurter Politik. Aber auch die kleineren Parteien und andere Unterstützer, die mir zum Sieg mit verhalfen, konnten an Gewicht gewinnen.

          Was werden Sie als Erstes unternehmen?

          In der zweiten Hälfte der Woche werde ich informelle Gespräche mit den Mitgliedern des Magistrats beginnen. Denn eine Reihe von Dezernenten kenne ich noch nicht so gut. Schließlich werden die Stadträte und ich zusammenarbeiten müssen. Offizielle Gespräche kann ich aber erst im Juli aufnehmen, wenn ich mein Amt angetreten habe.

          Stellen Sie Forderungen?

          Ich will jetzt keine Pflöcke einschlagen. Die anderen kennen mein Programm. Jeder der mitarbeiten will, ist willkommen.

          Geht‘s jetzt ab in den Osterurlaub?

          Jetzt hole ich erst einmal meine Tochter von der Kita ab.

          Die Fragen stellte Hans Riebsamen.

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