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Im Gespräch: Olaf Cunitz : „Meine Vision ist die grüne Region“

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„Bemerkenswertes Arbeitspensum“: Der Historiker Olaf Cunitz arbeitet sich in die Welt der Stadtplanung ein. Bild: Eilmes, Wolfgang

Seit 100 Tagen ist Olaf Cunitz als Dezernent für Planen und Bauen zuständig. Er spricht über Wohnungsbau, den Rechnungshof, den Campus und seine Vision für Frankfurt.

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          Nach hundert Tagen im Amt: Kennen Sie schon jeden Mitarbeiter mit Namen?

          Das ist bei mehr als 600 Mitarbeitern schwer. Aber ich bin zu Anfang einmal durch alle Abteilungen gegangen, um mich vorzustellen und die Mitarbeiter kennenzulernen. Das war natürlich zeitaufwendig, aber auch sehr interessant. Zuletzt war ich am Dienstag in einer Abteilung des Stadtvermessungsamtes.

          Wie haben die Mitarbeiter reagiert?

          Wir haben eine unglaubliche Bandbreite von Fachleuten in den Ämtern. Viele waren davon angetan, dass sich der Dezernent persönlich interessiert. Einige haben gesagt, sie hätten zum ersten Mal mit einem Dezernenten geredet.

          Sind Sie schnell per Du?

          Tendenziell bin ich eher ein Siezer. Mit den Referenten duze ich mich aber.

          Und im Magistrat?

          Mit einigen Kollegen auch. Aber Markus Frank und ich siezen uns zum Beispiel immer noch, obwohl wir uns sehr gut verstehen.

          Wie anstrengend ist das neue Amt?

          Das Arbeitspensum ist bemerkenswert. Als Fraktionsvorsitzender gab es Tage, da hatte ich keinen Termin und konnte den ganzen Tag Dinge abarbeiten. Das ist heute nicht mehr der Fall. Wenn ich Glück habe, komme ich einmal die Woche nach Hause, und mein Sohn ist noch wach. Das familiäre Leben konzentriert sich sehr auf die Wochenenden.

          Sie sind Historiker. Ist das ein Manko?

          Ich hatte anfangs etwas Sorgen, weil ich nicht vom Fach bin. Ich bin weder Ingenieur noch Architekt oder Stadtplaner. Aber ich gehe offen damit um. Die Ämter nehmen es positiv auf, dass ich mich einarbeiten will, und geben mir einen immensen Rückhalt. Meine Sorgen, dass es da irgendwelche Vorbehalte gibt, waren völlig unbegründet. Die Fachleute sitzen in den Ämtern. Es schadet auch nicht, wenn man das Baugesetzbuch nicht von vorne bis hinten auswendig kennt und nicht auf Anhieb den goldenen Schnitt bei einer Hausfassade erkennt. Auf manche Dinge einen anderen Blickwinkel zu haben ist sicher auch kein Nachteil.

          Man hat den Eindruck, dass sich die politische Debatte fast nur noch um den Wohnungsmarkt dreht.

          Unsere Probleme unterscheiden sich nicht wesentlich von denen in den meisten westdeutschen Großstädten. Wohnraum verknappt sich. Wir haben einzelne Stadtviertel, in denen der Druck sehr hoch ist. Deshalb brauchen wir eine dezernatsübergreifende Stadtteilinitiative, um auch andere Viertel in ihrer Attraktivität zu steigern. Daneben sind wir mit verschiedenen Instrumenten dabei, auf den Wohnungsmarkt einzuwirken. Aber man wird aus unseren Großstädten nie Niedrigmiete-Paradiese schaffen.

          Ein Weg, um Druck vom Wohnungsmarkt zu nehmen, ist Neubau. Außer den Stadtgrenzen beschränkt die Finanzlage den Spielraum für Großprojekte wie die Deckelung der A661. Mit solch begrenzten Gestaltungsmöglichkeiten: Macht es überhaupt Spaß, Dezernent zu sein?

          Es ist eine unglaubliche Herausforderung, Planungsdezernent zu sein. Ich empfinde es als das spannendste Ressort, das man in der Großstadt innehaben kann. Es ist für mich auch eine große Ehre, Bürgermeister zu sein. Wenn man sagt, es macht nur Spaß, wenn die Kassen voll sind, ist man in der Politik falsch. Man muss den Willen haben, Frankfurt zu gestalten. In guten wie in schlechten Zeiten.

          Aber es fehlt auch Geld für andere Projekte der Stadtgestaltung.

          Als Planungsdezernent hat man viel mit dem Geld anderer Leute zu tun. Das Gros des Wohnungsbaus wird nicht durch öffentliche Gelder finanziert. Wir haben zwar in diesem Jahr Fördermittel von 100 Millionen Euro, aber das ist nur ein Teil der Investitionen. Viel geschieht über Private. Jede fünfte neue Wohnung in Frankfurt entsteht durch Umwandlung von Büro- in Wohnraum. Da gibt es noch Potentiale.

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