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Im Gespräch: Michael Boddenberg : „Verspreche nicht, dass Landebahn geschlossen wird“

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Fluglärmbelastet: Staatsminister Michael Boddenberg will den Wahlkreis 37 im Frankfurter Süden verteidigen. Bild: Eilmes, Wolfgang

Michael Boddenberg (CDU) möchte bei der Landtagswahl wieder den Wahlkreis 37 im Frankfurter Süden gewinnen. Doch seit die Landebahn Nordwest des Flughafens neuen Fluglärm über die Stadt bringt, verliert Ausbaubeführworter Boddenberg an Boden.

          Die CDU im Frankfurter Süden will sich stärker um das Thema Fluglärm kümmern. Heißt das, dass sie das bisher zu wenig getan hat?

          Nein, das tun wir schon die ganze Zeit, nicht erst seit Inbetriebnahme der neuen Landebahn. Aber natürlich haben wir seitdem konkrete Betroffenheiten. Deshalb stand und steht das Thema zu recht von morgens bis abends auf der Tagesordnung.

          Lärm ist ein Thema, das Wahlen beeinflussen oder sogar entscheiden kann. Werden Sie den Wahlkreis 37, in dem auch Niederrad und Sachsenhausen liegen, verteidigen können?

          Ich glaube, dass es dafür gute Gründe gibt. Wir haben mit der Landesregierung unter Ministerpräsident Volker Bouffier in der Allianz für Lärmschutz vor knapp einem Jahr ein 19-Punkte-Papier vorgelegt, das wir konsequent Schritt für Schritt umsetzen. Erreicht haben wir beispielsweise die mit der Lufthansa vereinbarte Nachrüstung der Boeing-737-Flotte. Als nächstes wird der Airbus 320 nachgerüstet und damit leiser. Im Frankfurter Süden wirkt sich auch aus, dass wir die Überflughöhen leicht erhöhen konnten. Darüber hinaus habe ich eine Reihe konkreter Vorstellungen, wie wir die Situation weiter verbessern können, aber manches braucht eben einfach Zeit.

          Den Bürgerinitiativen ist das zu wenig.

          Ich will seriös bleiben. Ich werde sicher nicht versprechen, dass die neue Landebahn geschlossen wird oder dass die Zahl der Flugbewegungen auf 380.000 beschränkt wird, wie es die Bürgerinitiativen fordern.

          Eine Ausweitung des Nachtflugverbots schließen Sie aus?

          Wir haben einen Planfeststellungsbeschluss, der eins-zu-eins das Mediationsergebnis abbildet. Ergebnisse sind ein sechsstündiges Nachtflugverbot und ein erheblich reduzierter Flugbetrieb in den Randstunden. Da finden nur halb so viele Starts und Landungen statt, wie es technisch möglich wäre.

          Welche weiteren konkreten Verbesserungen sind denkbar?

          Bei der Verteilung des Verkehrs auf die unterschiedlichen Bahnen müssen wir noch besser werden. Nach meiner Auffassung ist es bei Westwetterlage möglich, morgens zwischen 5 und 6 Uhr die Center-Bahn stärker zu nutzen und die Nordwestbahn zu entlasten und damit mehr über Waldgebiet zu fliegen, ohne dass dadurch andere Anwohner neu betroffen werden.

          Mehr nicht?

          Es wurde schon eine ganze Menge erreicht. Darüber hinaus wird die Installation eines neuen GPS gestützten Landesystems - des so genannten Ground Based Augmentation System oder GBAS - langfristig die Spielräume erhöhen, dass Flugzeuge von dem „kerzengeraden“ Anflug abweichen und besiedelte Gebiete umfliegen. In diesem Zusammenhang werden im Expertengremium „Aktiver Schallschutz“ auch Entlastungspotenziale für den Frankfurter Süden geprüft. Wenn es technische Möglichkeiten gibt, den Frankfurter Süden zumindest bei günstigen Verkehrs- und Wetterbedingungen zu umfliegen, werden wir alles daran setzen, dies auch umzusetzen.

          Aber auch künftig werden die Jets fünf Meilen vor der Landung in den Endanflug geführt werden. Es wären auch drei Meilen möglich, das ist aber zu gefährlich wegen des großen Verkehrsaufkommens in Frankfurt. Der Süden der Stadt wird also auch künftig überflogen.

          Bis auf weiteres ja. Der Blick auf andere internationale Flughäfen zeigt allerdings deutlich, dass es auch Abweichungen gibt. Deswegen bleibe ich dabei, dass es hier noch Potential zur Lärmreduzierung gibt, auch weil ich die Bereitschaft aller Beteiligten sehe, das sehr ernsthaft zu prüfen.

          Ist dabei die Flugsicherung eher eine Hilfe oder eher ein Hindernis?

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