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Im Gespräch: Maren Matthes : „Einzigartige Spielstätten in der Region“

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Der Kultursommer Nordhessen organisiert bis zu 90 Veranstaltungen an 50 Spielorten. In diesem Jahr übernahm er noch die Organisation des hessenweiten Festivals „Grimm 2013“.

          Frau Matthes, Sie sind Intendantin des Kultursommers Nordhessen. Schließen sich in dem Namen des Festivals nicht zumindest zwei Begriffe gegenseitig aus, wie zum Beispiel Nordhessen und Sommer?

          Der Sommer sei nichts anderes als „die wärmste der vier Jahreszeiten in der gemäßigten und arktischen Klimazone“ sagt Wikipedia. Und das schaffen wir auch in Nordhessen leicht nach dem Winter 2012/13. Im Übrigen ist es viel einfacher, der Pianistin einen Heizstrahler gegen die Kälte ins Kreuz zu stellen als dem Geiger die schwitzenden Hände zu kühlen. Ich sehe also dem Nordhessen-Sommer gelassen und ausgerüstet mit Wolldecken und Regencapes entgegen.

          Seit wann gibt es den Kultursommer?

          1989, in der Zeit des Festival-Gründungsbooms, saßen nordhessische Landräte, der Kasseler Regierungspräsident und Kulturinteressierte aus der Wirtschaft zusammen mit dem Ziel, Kultur auch aufs Land, in die Scheunen, auf die Burgen und in die Klöster zu bringen. Daraus wurde der Kulturförderkreis Nordhessen, der anfänglich ein bisschen wie ein Otto-Versand für Kultur funktionierte. Der Förderkreis erstellte einen Angebotskatalog mit Veranstaltungen und Förderangeboten, und Bürgermeister, Kulturvereine oder Kirchengemeinden kauften ein und kümmerten sich um Organisation und Co-Finanzierung.

          Wie hat sich der Kultursommer in all den Jahren entwickelt?

          Zu Beginn war der Kultursommer sehr breit aufgestellt. Gespielt wurde von Mai bis September mit bis zu 200 Veranstaltungen. Im Programm fanden sich vor allen Dingen Kleinkunst und Ausstellungen. In der Saison 1998 waren allerdings nur noch knapp 30 Veranstaltungen im Angebot. Inzwischen sind wir bei 75 bis 90 Vorstellungen an etwa 50 Spielorten. 13.000 Zuschauer haben wir 2006 gezählt. Heute sind wir bei etwa 17.000 pro Saison.

          Seit wann sind Sie Intendantin?

          Seit 1999.

          Ist das Amt erblich?

          Nein, aber man kann ein mittleres Lebenswerk daraus machen.

          Wie finanziert sich denn das wachsende Angebot?

          Etwa die Hälfte des Etats von etwa 800.000 Euro verdienen wir mit Sponsoring und Spenden aus der Wirtschaft. 25 Prozent der Finanzierung übernimmt die öffentliche Hand, hier vor allem das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst und die nordhessischen Landkreise, sowie die Stadt Kassel, und ein Viertel besteht aus eigenen Einnahmen wie dem Ticketing und dem Anzeigengeschäft.

          Ist das im Vergleich mit anderen Sommer-Events ein guter Eigenanteil?

          Da wir relativ niedrige Eintrittspreise - im Mittel sind es etwa siebzehn Euro - und häufig kleine Veranstaltungs-Räume haben, liegen wir bei den Eigeneinnahmen unter den großen Festivals wie zum Beispiel dem Rheingau-Festival. Ich hoffe sehr, dass wir diese Preispolitik beibehalten können. Unser gutes Renommee in der Region liegt sicher auch an dem niedrigschwelligen Preisangebot und an der intimen Atmosphäre vieler kleiner Spielorte, an denen man den Künstlern sehr nahe ist.

          Welche Genres finden sich im Programm?

          Das Herz des Kultursommers schlägt klassisch mit Kammermusik und Sinfonik. Drum herum rankt sich eine A-Cappella-Reihe, die von der Gregorianik bis zum Pop führt, ein Angebot mit Lesungen bekannter Mimen wie Hannelore Elsner, Friedrich von Thun oder Fritzi Haberlandt, Sommertheater, das sich vor allem den Klassikern widmet, Ausstellungen, ein großer Kinderkultursommer und punktuell auch Ausflüge in die Weltmusik und den Jazz.

          Wenn die Institution schon die Region im Namen trägt: Ist das Programm dann auch regional gestrickt?

          Für einen Teil der Produktionen suchen wir immer wieder die Zusammenarbeit mit der Region. Das kann ein zusätzliches Angebot sein, wie ein Mittelaltermarkt zu einem Konzert mit Alter Musik, mal ermöglichen wir regionalen Chören große Aufführungen durch die Finanzierung renommierter Solisten, oder wir bieten Ausstellungsmöglichkeiten für Künstler aus der Region. Den größten Bezug zur Region aber haben wir mit unseren einzigartigen Spielstätten: Das Refektorium des Zisterzienserklosters Altmorschen bei Melsungen, die ländliche Synagoge in Vöhl am Edersee, die mit mittelalterlichen Malereien geschmückte Kirche in Zierenberg oder der Park von Schloss Wilhelmsthal, einem der schönsten Rokokoschlösser Deutschlands.

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