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Im Gespräch: Günter Eisinger : „Ariane wird sowieso zerpflückt“

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Ein einziger Kampf: Dass sich Ariane Friedrich nach Kräften bemüht, wird keiner bestreiten – das ändert allerdings nichts an ihrem dauerhaften Misserfolg. Bild: dpa

Deutschlands beste Hochspringerin kommt nicht auf die Beine. Auch bei einem Test in Italien ist früh Schluss für die Athletin der Eintracht. Die Frage drängt sich auf: Ist ein Olympiastart sinnvoll?

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          Nur 1,84 Meter im letzten Testwettkampf vor den Olympischen Spielen in London - was ist los mit der deutschen Hochsprung-Rekordhalterin Ariane Friedrich?

          Wenn ich das jetzt erkläre, dann halten mir wieder alle vor, ich würde nach Ausreden suchen. Das geht ja schon seit Wochen so.

          Versuchen Sie es mal.

          Wir haben uns ganz bewusst für den Wettkampf im italienischen Pergine entschieden. Dort sollte seit zwei Monaten kein Tropfen Regen gefallen sein. Wir steigen aus dem Flugzeug, 33 Grad, und alles ist gut. 24 Stunden später regnete es, der Hochsprung begann um 20 Uhr mit 14 Teilnehmerinnen. Ariane musste zwei Stunden beziehungsweise 86 Sprünge der Konkurrenz warten, bis sie beginnen konnte. Da waren bereits Scheinwerfer eingeschaltet worden, um überhaupt noch etwas sehen zu können. Wir haben in diesem Sommer mit dem Wetter einfach unglaubliches Pech. Unabhängig von anderen Dingen.

          Die da wären?

          Natürlich in erster Linie der Achillessehnenriss, später ein Katzenbiss, dann die Stalking-Affäre und nicht zuletzt ein Twitter-Account, den ein Unbekannter in ihrem Namen eröffnet hat und dort täglich erfundene Meldungen streute.

          Wie haben Sie reagiert?

          Den Account haben wir mit viel Aufwand wieder schließen lassen. Ich bekomme auch E-Mails mit der Aufforderung an Ariane, lieber hoch zu springen, als sich die Haare färben zu lassen. Dabei macht sie das nur, um sich zu pushen. Seit der Stalking-Affäre ist die Stimmung umgeschlagen, und dieser Kreislauf ist eine Katastrophe. Ich habe fast das Gefühl, es wird an allen Ecken gegen Ariane gedreht. Dazu passt, dass Interna an die Öffentlichkeit kommen. Um es ganz klar zu sagen: Wir wollen kein Mitleid, aber auch keine Jagd auf Ariane.

          Es hieß, die Zwei-Meter-Springerin Ariane Friedrich werde durchgereicht.

          Ich habe schon vor Wochen gesagt: Ariane braucht und will keinen Medienrummel, sondern Ruhe. Viel Ruhe. Trotzdem steht sie gefühlt jeden zweiten Tag ohne unser Zutun in der „Bild“-Zeitung. Da bekomme ich die Krise. Ich bin eines Sonntags elf Mal von einer Journalistin kontaktiert worden - das kann alles nicht wahr sein und verschiebt Grenzen. Und das Zitat mit dem angeblichen Olympia-Verzicht von Ariane ist mir mehr oder weniger in den Mund gelegt worden.

          Es gibt also keinen Verzicht?

          Ich gebe zu: Den Gedanken hatte ich persönlich ganz kurz. In dem Sinn: Sollte die Gesundheit nicht mitspielen, wird Ariane nicht dabei sein. Aber wir kämpfen weiter bis zum letzten Moment. Ein Sportler, der verzichtet, hat schon verloren. Aber eines ist mir natürlich klar: Ariane wird in der Öffentlichkeit sowieso zerpflückt - außer sie springt in London richtig hoch. Das ist ihre einzige Chance. Sie muss die Qualifikation überstehen und damit beweisen, dass ihre Härtefallnominierung gerechtfertigt war.

          Wie kann das noch gelingen?

          Sie muss das Gefühl entwickeln: Ich zeige es euch allen! Und dafür tut sie alles. Sie arbeitet derzeit in Heidelberg mit dem Mentaltrainer und Psychologen Professor Wolfgang Knörzer zusammen. Zur optimalen Vorbereitung fährt sie im Wochenverlauf in die Klinik Sendenhorst zum Physiotherapie-Check und zum Trainieren. Als Abschluss steht vom 27. Juli bis 30. Juli in Kienbaum eine Teambuilding-Maßnahme des Deutschen Leichtathletik-Verbandes an. Sie tut alles, damit Olympia ein richtig rundes Ding wird. Aber Verzicht? Dafür hat Ariane in den letzten eineinhalb Jahren zu hart gearbeitet. Das ging teilweise an die körperlichen und geistigen Grenzen. Oder sogar darüber hinaus. Darüber könnte ich ein Buch schreiben.

          Das Gespräch führte Uwe Martin.

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