https://www.faz.net/-gzg-6y5w3

Im Gespräch: Geraldine Chaplin : „Der Tramp ist mein Held“

  • Aktualisiert am

Schnurrbart und Melone samt seiner Schwarz-Weiß-Filme als Markenzeichen - noch bis zum 13. Mai können Interessierte in Charlie Chaplins Welt eintauchen, die bis dahin im Filmmuseum zu sehen ist. Bild: Fricke, Helmut

Die Schauspielerin Geraldine Chapolin spricht über ihren Vater Charles, ihre Rolle als Tochter und Charlie, der allen gehört.

          4 Min.

          Frau Chaplin, in Ihrem aktuellen Film „Und wenn wir alle zusammenziehen?“ spielen Sie eine Frau, die zusammen mit Freunden eine Alters-WG gründet.

          Es hat fünf Jahre gedauert, um diesen Film zu machen, obwohl Jane Fonda und Daniel Brühl mitspielen. Niemand wollte ihn produzieren, alle sagten: „Es geht doch bloß um alte Leute!“ Bis sie realisierten, dass es dafür sehr wohl ein Publikum gibt.

          Als Ihr Vater in genau diesem Alter war, waren Sie, die Älteste, erst ein Teenager. Kam Ihnen Ihr Vater eigentlich alt vor?

          Nein, überhaupt nicht. Als ich meinen Vater bewusst wahrnahm, im Alter von sechs, sieben Jahren, war er in seinen Sechzigern. Aber er war unglaublich jugendlich und energiegeladen. Er hetzte seine Partner über den Tennisplatz, er war sehr athletisch, nie matt. Seine Ausbildung war ein besseres Training als jedes Fitness-Studio: Er war Schauspieler, Sänger, Clown, Akrobat und Tänzer.

          Das klingt nach einer großen Disziplin. War ein strenger Vater?

          Ja, das war er.

          Beide Eltern waren sehr talentiert. Haben sie großen Wert auf Ihre musische Erziehung gelegt?

          Nein. Sie wollten für uns Mädchen eine sehr strenge Erziehung. Papa schickte uns in ein Nonnenkloster, weil dort die größte Disziplin herrschte. Mein Vater gab auch nie Unterricht - man lernte, indem man ihm zusah und ihn imitierte. Wir hatte aber immer viele Musiker im Haus, die Pianistin Clara Haskil spielte bei uns zu Weihnachten, Pablo Casals kam, Strawinsky - wir Kinder hörten zu.

          Viele Ihrer Geschwister versuchten sich in der Kunst, aber nur Sie haben eine Karriere gemacht wie Ihr Vater. Wie kam es dazu?

          Ich hatte großes Glück! Ich war ja die Älteste und Chaplins Tochter. Danach und heute, mit all den Enkelkindern, sagt man wohl eher: Oh, davon gibt es ja so viele! Mir lag die Welt zu Füßen.

          War es je eine Bürde, Chaplins Tochter zu sein?

          Nie, absolut nicht!

          Sie wollten ursprünglich Tänzerin werden.

          Ja, und ich habe auch kurz den Beruf ausgeübt.

          Sie wurden aber doch Schauspielerin. War das eine schwere Entscheidung?

          Ich wusste, dass es nicht zu schwierig werden würde: Ich hatte diesen Namen. Ich hatte sofort einen Agenten und einen Film, und dann hatte ich großes Glück: Schon die zweite Rolle war Tonya in „Doktor Schiwago“.

          Hat Ihr Vater sich gefreut?

          Nein, überhaupt nicht. Er wollte anständige Berufe für seine Kinder: Anwalt, Arzt, Architekt... Aber ich war unter 21 Jahre alt, also muss er meine Verträge unterschrieben haben, zumindest jenen ersten Film mit Belmondo. Oder meine Mutter hat den Job übernommen, ihn zu überzeugen.

          Hat er Ihre Filme gesehen? „Doktor Schiwago“ etwa?

          Ja, das war auch ein großer Moment des Friedens zwischen uns. Wir hatten zuvor lange gestritten. Er war so süß. Ich wollte gerne konstruktive Kritik von ihm, dem großen Künstler. Aber das habe ich nie bekommen. Er war ganz Daddy und sagte: „Du bist das Beste an diesem Film!“ Das war wundervoll, aber ich wollte hören: „Wie ist das Timing? Was war falsch?“ Das kam nie.

          Er war also sehr stolz. War es ein Privileg, Vaters Älteste zu sein?

          Meine Eltern waren unglaublich gute Eltern: Als sie beide tot waren, glaubte nicht nur ich, ich sei immer das Lieblingskind gewesen. Vicky, Josie, alle dachten dasselbe!

          Wann sahen Sie zum ersten Mal einen Film Ihres Vaters?

          Sicher, bevor ich laufen konnte. Sie wurden bei uns zuhause gezeigt. Ich kann mich besser daran erinnern, als ich das erste Mal einen Film sah, der nicht von meinem Vater war! Wir kannten ja nur seine. Als ich das erste Mal mit der Schule im Kino war, sah ich „Quo vadis“ und dachte, die Filme meines Vaters sind Müll. Es war in Farbe! Mit Löwen! Mit Römern! Ich dachte: Papa, wach auf, da gibt es Dinge in der Welt, von denen weißt du gar nicht! Ich erinnere mich bis heute daran. Ich dachte: Das also ist Kino!

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Boris Johnsons Chefberater Dominic Cummings verlässt am Montag sein Haus in London.

          Trotz Corona-Affäre : Der Mann, auf den Boris Johnson nicht verzichten will

          Politische Berater werden dafür bezahlt, dass sie der Regierung zuarbeiten. Bei Boris Johnsons Chefberater Dominic Cummings müssen die Minister für den Berater schuften. Damit hat er sich viele Feinde gemacht, aber für Johnson ist er unersetzbar.

          Milliardenhilfe : Gegenwind für die Lufthansa-Rettung

          Nach langen Verhandlungen einigen sich Bundesregierung und Lufthansa auf ein Rettungspaket aus Steuergeldern. Brüssel sagen die Pläne aber nicht zu. Kanzlerin Merkel will kämpfen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.