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Im Gespräch: Fraport-Chef Schulte : „Wollen Lärmpausen schon 2014“

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Ausbau: „Aus heutiger Sicht sehen wir nicht, dass die beiden anderen Terminals höhere Passagierzahlen verkraften würden“, sagt Fraport-Chef Schulte Bild: Röth, Frank

Schwarz-Grün will mehr Ruhe am Frankfurter Flughafen - Fraport will „Lärmpausen“ schon nächstes Jahr, wie Vorstandschef Schulte sagt. Das Terminal 3 werde Fraport voraussichtlich brauchen.

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          Der Koalitionsvertrag zwischen CDU und Grünen in Hessen fordert vom Frankfurter Flughafen mehr Anstrengungen gegen den Fluglärm. Haben Sie schon mit dem wohl künftigen Wirtschafts- und Verkehrsminister Tarek Al-Wazir von den Grünen darüber gesprochen?

          Zunächst einmal gilt für uns: Der Souverän hat gewählt, die beiden Parteien haben sich zu einer regierungsfähigen Mehrheit zusammengefunden und darüber einen Koalitionsvertrag geschlossen. Das akzeptieren wir natürlich. Auf der anderen Seite gilt aber auch, dass die Fraport AG schon seit Jahren alle Anstrengungen unternimmt, den Fluglärm zu mindern. Wir werden das mit voller Kraft fortsetzen.

          Und haben Sie das Tarek Al-Wazir in den vergangenen Tagen sagen können?

          Wir pflegen seit vielen Jahren regelmäßig den Meinungsaustausch zu Verantwortlichen der Parteien und selbstverständlich auch zu Tarek Al-Wazir. Wir sprechen darüber, wie sich die Luftfahrt weltweit und bei uns entwickelt, was möglich ist, um Belastungen zu reduzieren, und was nicht.

          Empfinden Sie die Formulierung im Koalitionsvertrag, der von dem Flughafenbetreiber und der Flugsicherung längere Lärmpausen für die Anwohner verlangt, andernfalls werde die Landesregierung die Betriebsgenehmigung ändern, als sanften Druck oder gar als Drohung, von der zum Beispiel die FDP spricht?

          Wir haben bei den Starts ja bereits Lärmpausen eingeführt. Wir werden uns diesem Thema auch bei den Landungen nicht verschließen, allerdings wird das deutlich komplizierter. Wir alle zusammen, das heißt der Flughafen, die Flugsicherung, die Fluggesellschaften, das Ministerium und die Kommunen über das Forum Flughafen und die Region müssen hier viele offene Fragen gemeinsam klären. Wir haben doch ein eigenes Interesse daran, die Bürger so weit wie möglich zu entlasten. Wir wissen nicht nur um die herausragende Bedeutung des Airports, sondern auch um die damit verbundene Belastung für die Anlieger.

          „So weit wie möglich“ heißt?

          Es muss betrieblich gehen, muss technisch hinzukriegen sein. Ich bin durchaus zuversichtlich, dass wir weitere Lärmpausen für die Anwohner schaffen können. Aber alle Beteiligten müssen jetzt erst einmal ihre Hausaufgaben machen.

          Noch einmal: Den Hinweis im Koalitionsvertrag, das Land könne notfalls auch die Betriebsgenehmigung ändern, empfinden Sie nicht als belastend?

          Ich weise auf den Planfeststellungsbeschluss hin, der die Betriebsabläufe ja schon sehr stark einschränkt. Ein so striktes Nachtflugverbot zwischen 23 und 5 Uhr wie in Frankfurt gibt es an keinem Großflughafen weltweit. Bis zur Inbetriebnahme der Landebahn Nordwest gab es in dieser Zeit immerhin etwa 50 Flugbewegungen, da ist jetzt nachts Ruhe. Die Restriktionen in Frankfurt und in Deutschland sind jetzt schon vergleichsweise sehr stark, Stichwort Luftverkehrsabgabe. Ich bin davon überzeugt, dass die Politik weiß, welche Bedeutung eine wettbewerbsfähige Luftfahrtindustrie am Standort Rhein-Main mit ihren rund 80.000 Flughafen-Arbeitsplätzen hat. Und die Wettbewerbssituation verschärft sich derzeit global enorm.

          In „angemessener Zeit“ soll laut Koalitionsvertrag die Lärmentlastung wirksam werden. Was verstehen Sie darunter? Heißt das, spätestens in einem Jahr?

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