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Im Gespräch: Finanzdezernent des Bistums Limburg : „Damit hatte der Bischöfliche Stuhl liquide Mittel“

  • Aktualisiert am

Gordon Sobbeck, der Finanzdezernent des Bistums Limburg. Bild: Rainer Wohlfahrt

Die Diskussion über das Georgswerk im Zusammenhang mit dem Limburger Bischofssitz hat Wellen geschlagen. Finanzdezernent Gordon Sobbeck spricht im Interview über das Geld des Werks, das Kirchenrecht und die Moral.

          3 Min.

          In den vergangenen Tagen ist viel vom St.Georgswerk des Bistums Limburg die Rede gewesen, mit dessen Geld der Bischofssitz in Limburg offenbar mitfinanziert worden ist. Wie geht das? Eigentlich war das Werk 1948 gegründet worden, um Kirchen wieder aufzubauen und kinderreichen Familien ein Heim zu schaffen.

          Ob aus dem Vermögen des Georgswerks dafür Mittel verwendet worden sind, möchte ich zunächst noch nicht sagen. Das Bistum hat die Vorgänge aber geprüft und sie unter rechtlichen, finanziellen und moralischen Maßstäben bewertet.

          Aber das Georgswerk wurde doch aufgelöst.

          Ja. Es war seit 1948 ein eigenes Sondervermögen des Bischöflichen Stuhls. Es bestand aus sieben Millionen Euro an Darlehensforderungen sowie aus Wertpapieren und einer Immobilie. 2011 wurde das Werk aufgelöst, so dass dem Bischöflichen Stuhl insgesamt 13 Millionen Euro als Vermögensmasse zufielen. Aber nach dem Kirchenrecht hat dieses Vermögen seine ursprüngliche Zweckbindung erhalten, die vor allem darin bestand, den Bau von Sozialwohnungen zu unterstützen. Dieser Zweck wurde beispielsweise dadurch verfolgt, dass das Georgswerk dem Gemeinnützigen Siedlungswerk der Diözesen Limburg, Mainz, Fulda und Erfurt Darlehen zu Verfügung gestellt hat. Das war bis in die Mitte der neunziger Jahre der Fall.

          Sollte der Bischof Geld aus dem Georgswerk für seinen Sitz verwendet haben, wäre das also eine Zweckentfremdung?

          Inwieweit hierdurch eine zweckwidrige Verwendung des Geldes begründet sein könnte, muss nach Maßstäben des Kirchenrechts bewertet werden. Die Mittel des Georgswerks standen grundsätzlich dem Bischöflichen Stuhl zur Verfügung, um mit anderen Quellen zusammen eine Gesamtfinanzierung des Bischofssitzes zu sichern. In welcher Größenordnung Geld aus dem Georgswerk dafür verwendet wurde, ist auch Gegenstand der internen Aufarbeitung.

          Aber dass Geld aus dem Georgswerk verwendet wurde, steht fest?

          2011 wurden die sieben Millionen Euro an Darlehensforderungen vom Bischöflichen Stuhl ans Bistum veräußert. Damit standen dem Bischöflichen Stuhl liquide Mittel in dieser Größenordnung zur Verfügung.

          Die der Bischof offenbar gebraucht hat.

          Ich möchte darüber nicht spekulieren.

          Das Geld des Georgswerks war auch nach dessen Auflösung zweckgebunden, so ähnlich wie bei einer Stiftung?

          Ja. Das Georgswerk war bis zu seiner Auflösung aber keine Stiftung, sondern ein unselbständiges Sondervermögen des Bischöflichen Stuhls. Diese Unterscheidung ist jedoch für die Frage der Zweckbindung des Geldes irrelevant. Gewidmete Mittel verlieren ihre Widmung grundsätzlich nicht.

          Von einer „Stiftung St. Georgswerk“ hatte das Bistum noch am Montag gesprochen, was diese Zeitung am Dienstag auch so wiedergab.

          Hier bedurfte es schlicht einer begrifflichen Klarstellung. Daran war mir gelegen, denn ich möchte nicht, dass kirchliche Stiftungen unter einen Generalverdacht gestellt werden.

          War die Auflösung des Georgswerks zustimmungspflichtig?

          Nein.

          In einem Gespräch mit der „Zeit“ haben Sie gesagt, es sei dem Bistum wichtig, „dass dafür Sorge getragen wird, dass die Mittel des St. Georgswerks ungeschmälert ausschließlich gemäß ihrer ursprünglichen Zweckbindung Verwendung finden“. Wie soll das gehen, wo Geld eventuell schon ausgegeben wurde?

          Die Zweckbindung der Mittel ist kirchenrechtlich verbrieft, und dafür wird das Bistum auch geradestehen.

          Könnten Rechtsgeschäfte rückgängig gemacht werden?

          Das ist nicht ausgeschlossen.

          Sie wurden 2012 Finanzdezernent. Wann haben Sie von dem Vorgang erfahren?

          Generalvikar Wolfgang Rösch hat mir kurz nach seinem Amtsantritt den Auftrag gegeben, alle Finanz- und Vermögensangelegenheiten des Bischöflichen Stuhls im Dezernat Finanzen, Verwaltung und Bau zu bearbeiten. Das war Ende 2013. Zu Untersuchung aller Finanz- und Vermögensangelegenheiten des Bischöflichen Stuhls gehört auch das Thema St. Georgswerk.

          Hätten Sie bei Ihrem Amtsantritt gedacht, sich jemals mit einem solchen Fall befassen zu müssen?

          Nein. Das ist schon eine Ausnahmesituation. Aber sie frustriert mich nicht, sondern ist eine Herausforderung. Es ist sinnvoll, dass mein Dezernat seine Kompetenzen im Erstellen und Verwalten des Bistumshaushalts und in Bauangelegenheiten auch für den Bischöflichen Stuhl einbringt. Wichtig ist jetzt vor allem, dass wir unsere interne Prüfung und Aufarbeitung abschließen.

          Bald soll ja auch der Bericht der Prüfkommission des Vorsitzenden der Bischofskonferenz vorliegen. Sehnen Sie diesen Tag herbei?

          Ja, so wie sicherlich alle Mitarbeiter, Gremien und Katholiken im Bistum.

          Die Fragen stellte Stefan Toepfer.

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