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Im Gespräch: Ernst Schmid : „Frauen achten mehr auf die Ästhetik“

  • Aktualisiert am

Wahlhelfer: Ernst Schmid, Chef der Hifi-Profis in Frankfurt. Bild: Wohlfahrt, Rainer

Unzählige Modellvarianten und Fachchinesisch erschweren die Auswahl des richtigen Fernsehers. Verkäufer Ernst Schmid gibt Hilfestellung. Er weiß, was Frauen wollen, und was ein 4-Port DiSEqC ist.

          3 Min.

          Wie viele Fernseher haben Sie hier in Ihrem Geschäft?

          Ungefähr 180 verschiedene Geräte.

          Und wie viele Modelle gibt es derzeit auf dem ganzen deutschen Markt?

          Puh, das kann ich nicht einmal schätzen.

          Wie soll der Kunde bei der Vielzahl die richtige Auswahl treffen?

          Das ist heute eigentlich einfacher als früher, weil zumindest die Geräte der guten Marken schon alle wichtigen Eigenschaften an Bord haben. Wenn man sich erst einmal für eine Größe und Ausstattungsdetails entschieden hat, ist die Auswahl auch gleich kleiner.

          Wissen Sie gleich, wenn ein Kunde hereinkommt, mit was für einem Fernseher er nach Hause gehen wird?

          Nein, das kann man heute nicht mehr so leicht sagen, da gibt es immer wieder Überraschungen. Aber nach 15 Minuten sind eigentlich die Kernfragen gestellt.

          Welche sind das?

          Wichtig ist vor allem, was der Kunde mit dem Gerät vorhat. Welche Größe möchte er haben, wie viele Anschlüsse braucht er für Blu-Ray-Spieler und so? Will er mit dem Fernseher ins Internet?

          Wie lange braucht denn der Kunde für seine Entscheidung, wenn er bei Ihnen im Laden ist?

          Spontankäufe sind selten. Bei den meisten vergehen sechs bis acht Wochen, bis sie sich entscheiden. Wenn sie hier in den Laden kommen, haben sich die meisten schon einmal umgeschaut in Elektromärkten und im Internet. Ältere Kunden haben sich oft bei Stiftung Warentest informiert. Nicht zu unterschätzen sind auch Empfehlungen von Freunden.

          Wenn ein Kunde schon mit klaren Vorstellungen kommt, können Sie ihn dann noch umstimmen?

          Wir respektieren natürlich die Vorstellungen der Kunden. Aber manchmal sagen wir: Brauchen Sie nicht zum Beispiel einen HDMI-Eingang mehr? Wir empfehlen auch immer eine Größe größer, als die Kunden sich vorstellen.

          Entscheidet ein Ehepaar anders als ein junge Single?

          Das Wahlverhalten ist sehr unterschiedlich. Bei einem Ehepaar, das ein Gerät für das gemeinsame Wohnzimmer sucht, entscheidet eigentlich die Frau über Größe und Design. Da ist es ja heute auch leichter, etwas Schickes oder Dezenteres zu finden. Bei jungen Männern gilt immer: gerne groß, guter Sound, viele Anschlussmöglichkeiten. Da stimmt das Klischee.

          Gehen Frauen die Sache anders an?

          Frauen sind oftmals zurückhaltender, obwohl sie gar nicht weniger Ahnung von der Technik haben. Sie lassen sich lieber beraten und achten darauf, dass das Gerät gut in die Einrichtung passt. Die haben mehr ästhetische Kompetenz. Wenn Frauen und Männer zusammen hier sind, sagt er schnell: Integrierte Festplatte brauchen wir nicht. Wenn man dann aber nach den Kindern fragt, ob es nicht Theater gibt, wenn Pipi Langstrumpf läuft und es Essen gibt, und sagt, wie praktisch es ist, das mit einem Knopfdruck aufzunehmen und später weiterzugucken, dann sagt die Frau: Klar, machen wir.

          Achten Frauen mehr auf den Preis?

          Nein. Frauen sind eher für gute Gesamtlösungen zu begeistern. Zum Beispiel für eine Kombination aus Fernsehgerät, angeschlossener Stereo-Anlage und Montage.

          Ihr teuerstes Gerät kostet 79000 Euro. Verkauft sich das auch? Oder steht das eher im Laden, damit der Kunde denkt: Das Gerät für 10000 Euro ist ja gar nicht so teuer?

          Unser teuerstes Gerät verkaufen wir schon auch. Aber es ist natürlich auch ein Technologieträger, der zeigen soll, was alles möglich ist. Wenn wir die ganze Bandbreite zeigen, wird der Kunde offener für die einzelnen Qualitätsstufen und dafür überhaupt erst einmal sensibilisiert.

          Wenn man sich die Modellbeschreibungen anguckt, meint man, einen Fernseher zu kaufen sei Raketenwissenschaft, so seltsame Abkürzungen werden dort verwendet. Was zum Beispiel ist denn ein 4-Port DiSEqC?

          Was?

          Steht in Ihrem aktuellen Werbekatalog.

          Ach so. Das ist eine Antennensteuerung. Es heißt, dass man den Fernseher praktisch an jede Satellitenantennenanlage anschließen kann.

          Wollen die Hersteller, dass der Kunde da den Überblick verliert? Je vielfältiger die Details, desto schwieriger fällt schließlich der Preisvergleich im Internet.

          Es ist leider so, dass die Produktvielfalt etwas unübersichtlich ist. Das liegt sicher auch daran, dass die Hersteller für jeden Vertriebskanal ein möglichst individuelles Produkt anbieten wollen. Wir versuchen in unseren Katalogen, die Beschreibungen verständlich zu halten. Aber wenn wir die Fachbegriffe nicht dazuschreiben, beschweren sich diejenigen, die sich damit auskennen.

          Irgendwie hat man ja immer das Gefühl, zum falschen Zeitpunkt zu kaufen: Entweder das Gerät ist in zwei Jahren viel billiger oder schon veraltet.

          Wenn Sie heute ein gutes Gerät kaufen, haben sie viele Jahre Freude daran. Ich habe zu Hause ein zehn Jahre altes Gerät und bin auch heute noch zufrieden.

          Die Fragen stellte Tim Kanning.

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