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Im Gespräch: ECE-Chef Alexander Otto : „Shopping-Center werden weiterhin erfolgreich sein“

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Alexander Otto: Das Europaviertel von Frankfurt soll auch ein Herz bekommen, einen lebendigen Platz, an dem man einkaufen kann Bild: Unternehmen

Der Einkaufszentrum-Betreiber ECE hat in Frankfurt sein Skyline Plaza eröffnet. ECE-Chef Alexander Otto äußert sich im Interview über das Projekt und Konkurrenz von Online-Händlern.

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          Ihr Unternehmen ECE betreibt schon drei Einkaufszentren in und um Frankfurt - das Hessen-Center, das Isenburg- und das Main-Taunus-Zentrum. Warum noch eins?

          Das Europaviertel hat sich dynamisch entwickelt. Es sind Wohnungen, Büros und Hotels entstanden. Dieser Teil der Stadt soll auch ein Herz bekommen, einen lebendigen Platz, an dem man einkaufen kann, an dem man am Mittag etwas essen kann. Wir schaffen einen spektakulären Dachgarten und das große Meridian Spa, das neu in Frankfurt ist. Wir sehen schon eine große Chance. Glücklicherweise sind wir nicht allein in dieser Einschätzung - das Skyline Plaza ist voll vermietet.

          Aber die Einkaufszentren werden sich doch gegenseitig kannibalisieren.

          Ich denke, dass sich die Kundengruppen unterscheiden. Das Main-Taunus-Zentrum etwa zielt auf den Taunus ab. Das Skyline Plaza wird Besucher aus den Büros anziehen, Besucher der Messe, sicherlich auch der Innenstadt. Natürlich wird es auch Überschneidungen geben, aber wir sehen einfach ein gutes Potential für dieses Center.

          Aber die Menschen können jeden Euro nur einmal ausgeben. In Frankfurt herrscht die Sorge, dass vor allem die Innenstadt leidet.

          Die Umsätze an der Zeil sind extrem hoch, sie ist eine der erfolgreichsten Einkaufsstraßen Deutschlands und hochbegehrt. Ich glaube nicht, dass es dem Skyline Plaza gelingen wird, daran zu knabbern. Es wird Menschen aus dem gesamten Großraum Frankfurt anlocken, von weiter her.

          Sie selbst sagen immer wieder, ECE wolle in den Innenstädten investieren. Warum dann diese Immobilie in einer solchen Randlage des Frankfurter Stadtkerns?

          Ich sehe keinen Widerspruch. Investitionen in Innenstädten geschehen vor allem in kleineren und mittelgroßen Städten. Großstädte haben alle mehrere Einkaufszentren an mehreren Orten, die das Zentrum entlasten. Es ist auch gut, wenn ein Stadtteil nicht bloß aus Büros besteht.

          Ein bisschen entsteht beim Blick auf die Liste der Mieter im Skyline Plaza der Eindruck, es sei die Wiederholung des immergleichen.

          Wir haben eine Menge neuer Konzepte, die zum Teil erstmals in Deutschland vertreten sind. Aber wir haben im Handel einen Konzentrationsprozess, an dem auch wir nicht vorbeikommen. Die moderne Architektur, der Dachgarten, der Foodcourt sind echte Besonderheiten. Insofern setzen wir uns auch von der Zeil ab.

          Ist mit dem Skyline Plaza Ihr Investitionsbedarf im Ballungsraum Frankfurt gedeckt?

          Grundsätzlich finden wir den Ballungsraum hochattraktiv und sind immer an neuen Entwicklungen interessiert. Wir planen in Mainz die Entwicklung eines Einkaufszentrums auf dem Karstadt-Areal. Auch dort wollen wir ein lebendiges Quartier entwickeln, das sehr individuell auf diese Stadt ausgerichtet ist.

          Vielleicht kommt der Bauboom zu einem Ende, weil die Kunden immer mehr im Internet bestellen.

          Wir haben keinen Rückgang der Frequenz und der Umsätze in unseren Einkaufszentren, auch wenn es einzelne Branchen mit Schwierigkeiten gibt wie den Buchhandel. Andererseits sehen wir auch, dass es den Online-Händlern schwerfällt, dieses Geschäft rentabel zu betreiben. Es gibt eine immer größere Vernetzung zwischen online und offline. Der Kunde bestellt die Ware im Internet und holt sie im Geschäft ab, dort kann er sich dann auch noch einmal umentscheiden. Es gibt auch nach wie vor große Kundengruppen, die grundsätzlich weiterhin lieber in einem Geschäft kaufen, auch junge Menschen, selbst wenn sie sich zuvor im Internet informieren. Wir werden in Zukunft eine sehr viel buntere Welt haben. Online wird wachsen, aber Shopping-Center werden weiterhin erfolgreich sein, wenn sie sich der Zeit anpassen.

          Aber sie werden sich verändern.

          Natürlich werden wir Veränderungen im Branchenmix sehen. Gastronomie wird wachsen, andere Branchen werden kleiner werden. Der Buchhandel zum Beispiel wird nicht verschwinden, aber er wird sich verkleinern und noch mehr auf Bestseller konzentrieren. Wir sehen aber viele interessante Konzepte aus dem Ausland, die zu uns kommen. Mono-Label-Stores etwa werden wachsen, im Moment sehen wir eine Expansion etwa von Strellson, Sergent Major mit Kindermode aus Spanien oder neue Marken der Inditex-Gruppe wie Bershka oder Pull & Bear.

          Das sind aber alles eher kleine Geschäfte.

          Das muss nicht sein. Nehmen Sie ein Konzept wie Primark, das zusätzliche Flächen benötigt. Marken wie Zara haben ihren Flächenbedarf innerhalb von wenigen Jahren verdoppelt und mieten heute gern 3000 Quadratmeter. Auch Konzepte wie Forever 21 oder Urban Outfitters starten erst bei 1500 Quadratmetern.

          Müssen Einkaufszentren noch mehr Erlebnisse bieten, um die Menschen davon abzuhalten, nur im Internet zu bestellen?

          Absolut. Das ist entscheidend für uns. Serviceeinrichtungen wie Kinderbetreuung sind wichtig, auch temporäre Shops in den Ladenstraßen oder auch eine Weihnachtsdekoration, die beeindruckt. Manchmal auch kleinere Aktionen. Riesige Achterbahnen oder Großkinos sehen wir in Einkaufszentren weniger.

          Zur Investitionsstrategie von ECE zählt aber nicht, dass man die Einkaufszentren selbst besitzen muss. Sie managen sie, aber den Anteil an dem Gebäude reduzieren Sie jetzt deutlich, von 50 auf zehn Prozent.

          Wir streben an, auch langfristig beteiligt zu bleiben. Aber bei einem solch kapitalintensiven Geschäft ist es nicht möglich, alle Objekte voll im Eigentum zu behalten. Dann könnten wir nur wenige Projekte verwirklichen. Dafür suchen wir uns dann Partner, die aber auch ein langfristiges Interesse haben.

          Sie betreiben nahezu 200 Einkaufszentren in Europa. Ist es für Sie überhaupt noch etwas Besonderes, wenn eines eröffnet?

          Doch, schon. Vielleicht hat nicht jedes Objekt die gleiche Bedeutung. Das Skyline Plaza haben wir nun über zehn Jahre begleitet, ich habe viele Gespräche mit der Stadt geführt. In diesem Projekt steckt schon viel Herzblut. Und es ist eines der wenigen Vorhaben in den deutschen Top-Städten in einer solch zentralen Lage, denn wir sind in Deutschland doch schon recht gut bestückt.

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