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Im Gespräch: Celia Sasic und Colin Bell : „Trainer zu sein ist eigentlich ein blöder Job“

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Hoch über Frankfurt: Trainer Colin Bell und Nationalspielerin Celia Sasic sorgen für einen Aufschwung beim FFC Bild: Röth, Frank

Torjägerin Celia Sasic und Trainer Colin Bell sind die prägenden Figuren beim Frauenfußball-Bundesligaklub FFC Frankfurt. Im Interview sprechen sie über Besonderheiten ihres Sports und den schweren Weg in die Weltspitze.

          5 Min.

          Warum ist der FFC noch nicht auf das Motto gekommen „C&C – mit Colin und Celia zurück an die Spitze im Frauenfußball“?

          Colin Bell: Weil wir nicht der einzige Grund für den Aufschwung sind, sondern nur unseren Teil beitragen. Das ist jetzt nicht Tiefstapelei, sondern wird der Sache gerecht. Unser Credo ist: Jeder bringt das ein, was er einbringen kann. Es sind freilich nicht alle gleich. Der Trainer bleibt der Trainer und steht über der Mannschaft, hilft und dient ihr.

          Celia Sasic: Es ist unsinnig, den derzeitigen Erfolg auf uns beide zu beschränken.

          Aber es ist ja offensichtlich, dass es seit der Ankunft des neuen Trainers und der neuen Torjägerin in vielerlei Hinsicht besser läuft.

          Sasic: Augenscheinlich ist, dass der FFC erfolgreicher spielt als in der vergangenen Saison. Ich weiß nur, dass das Klima in der Mannschaft aktuell sehr gut ist und wir klare Ziele haben. Alles andere kann ich als neue Spielerin nicht beurteilen.

          Haben Sie beide, vom kleinen SC 07 Bad Neuenahr kommend, eine neue, besondere Lust am Siegen mit nach Frankfurt gebracht?

          Sasic: Die Lust auf Siege habe ich vorher auch gehabt, nur hat es nicht so oft geklappt. Das ist beim FFC mit seiner großen Qualität im Kader natürlich jetzt anders. Wenn wir gut spielen, gewinnen wir und haben mehr Spaß – das ist eine einfache Rechnung.

          Bell: Ich spiele, um zu gewinnen. Die vielen guten Spielerinnen erhöhen die Chancen, etwas zu gewinnen – sind aber keine Garantie. Man hat beim FFC in den vergangenen Jahren lernen müssen, dass es kein Selbstläufer ist. Als FFC Frankfurt schenkt dir niemand auch nur einen Punkt. Man muss sie sich hart erarbeiten.

          „Der Trainer redet viel“: Aber Colin Bell hört gut zu, wenn Celia Sasic spricht.
          „Der Trainer redet viel“: Aber Colin Bell hört gut zu, wenn Celia Sasic spricht. : Bild: Frank Röth

          An diesem Sonntag nehmen Sie beide erstmals an der Partie Turbine Potsdam gegen den FFC Frankfurt teil, dem Schlagerspiel im deutschen Frauenfußball schlechthin . . .

          Bell: . . . das wir gewinnen wollen. Das wird eine schwere Aufgabe, wir erwarten eine ganz heiße Nummer dort. Potsdam ist, wie wir auch, noch ungeschlagen in dieser Saison. Sie haben es wieder mal geschafft, eine sehr schlagkräftige Mannschaft aufzubauen. Man muss einfach anerkennen, was Trainer Bernd Schröder dort leistet. Das sehr emotionale Spiel in der vergangenen Saison wird das Potsdamer Publikum auch nicht vergessen haben. Da können wir uns auf einiges gefasst machen.

          Wie hat der Bad Neuenahrer Trainer Bell seine Spielerinnen heiß gemacht auf die Spiele gegen den FFC? In etwa so: Heute zeigen wir es den arroganten Mädels aus der Bankenstadt mit ihren zig Nationalspielerinnen mal richtig.

          Sasic: Das sollte er lieber selbst sagen, wie er uns motiviert hat (lacht).

          Bell: Das ist nicht druckreif (lacht). Natürlich habe ich versucht, es auf diese Schiene zu bringen. Aber es war nie abwertend gegen den Klub gemeint. Es ging darum, sich an einer fast unmöglichen Aufgabe hochzuziehen und die kleine Chance gegen den FFC zu suchen. Jetzt stehen Celia und ich auf der anderen Seite und wissen, dass die anderen nun über uns so reden. Wir haben beim FFC versucht, die Dinge zu drehen, dass jedes einzelne Spiel für uns ein Highlight ist – und nicht nur für die anderen.

          Colin Bell ist ein Trainer, dem Gegentore geradezu körperliche Pein bereiten. Wie sehr hat Sie das als Stürmerin gebremst oder geprägt?

          Sasic: Hinten gut zu stehen ist die Grundlage für jedes Spiel. Kassiere ich kein Tor, verliere ich das Spiel nicht. Auch wenn man als Offensivspielerin manchmal mehr nach vorne will und denkt: Tore, Tore, Tore – alles andere ist nicht so wichtig. Jeder Trainer, mit dem man arbeitet, prägt einen. Und ich habe in der Zeit mit Colin sicher viel mitnehmen können.

          Herr Bell, ist Celia Sasic eine Weltklasseangreiferin?

          Bell: Sie wird eine. Sie ist auf dem Weg dorthin. Es ist eine Weisheit, dass die Verteidigung schon vorne anfängt. Celia ist eine Stürmerin, die natürlich gerne Tore schießt, aber auch viel gegen den Ball arbeitet. Sie hat in der vergangenen Saison zehn Tore für Bad Neuenahr erzielt, obwohl ich sie häufig ins Mittelfeld zurückgezogen habe. Ihre Einstellung, für das Team immer 100 Prozent zu geben und sich zu verausgaben, ist eine hohe Qualität. Sie hat sich in Frankfurt in dieser Saison weiterentwickelt. Und das sieht man nicht nur daran, dass sie an sehr vielen Toren direkt beteiligt ist.

          Was bedeutet für Sie Weltklasse, und wie streben Sie danach?

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