https://www.faz.net/-gzg-708vx

Im Gespräch: Boris Rhein : „Islamisten den Nährboden entziehen“

  • Aktualisiert am

Wachsam: Innenminister Boris Rhein sieht Hessen „im Fokus der Salafisten“, die zum Beispiel im April in Offenbach Exemplare des Koran verteilt haben. Bild: Röth, Frank

Im Kampf gegen Salafisten fordert Innenminister Boris Rhein (CDU) einen stärkeren Dialog mit Muslimen und bessere Aufklärung.

          Messerattacken auf Polizisten, Drohungen gegen Politiker und Journalisten, Hetze gegen Andersgläubige - wie ernst ist die Bedrohung, die von den Salafisten ausgeht?

          Wir müssen die Bedrohung, die von radikalen Islamisten ausgeht, sehr ernst nehmen. Die jüngsten Ereignisse bestätigen, was wir immer prognostiziert haben. Im Zusammenhang mit der Koranverteilungsaktion haben wir von vornherein gesagt, eine große Gefahr besteht darin, dass sich Extreme aufschaukeln. Und genau das ist passiert. Pro NRW-Aktivisten haben provoziert, was nicht akzeptabel ist. Und entsprechend haben Salafisten darauf reagiert, und zwar mit Gewalt, was ebenfalls völlig inakzeptabel ist. Das zeigt uns, wie gefährlich diese Gruppierung ist.

          Die Erkenntnisse darüber, was Salafisten wollen, sind ja nicht neu, wohl aber die Mobilisierung und straffere Organisation.

          Die Fähigkeit zur bundesweiten Mobilisierung und die Bereitschaft zur offenen Gewaltausübung, wie es sie während einer Demonstration in Bonn gab, bei der ein mutmaßlicher Salafist aus Hessen zwei Polizisten durch Messerstiche schwer verletzt haben soll, ist neu und bereitet mir Sorge. Und auch mit ihren Einschüchterungsversuchen und Mordaufrufen gegen Journalisten haben die Salafisten eindeutig eine Grenze überschritten, was wir so nicht akzeptieren können.

          Wie erklären Sie sich, dass Hessen zu einem der Zentren für Salafisten geworden ist?

          Das mag mit der zentralen Lage des Bundeslandes zusammenhängen. Dass es aber so geworden ist, beweist etwa der Zuzug von exponierten Salafisten, auch desjenigen, den wir jetzt ausgewiesen haben. Ebenso haben die Auftritte von Pierre Vogel nicht umsonst in Frankfurt vor der Kulisse der Bankentürme im Finanzzentrum Europas stattgefunden. Und darüber hinaus ist eines der bundesweit bedeutendsten Missionierungsnetzwerke in Frankfurt beheimatet, ich spreche von „Dawa Ffm“. Das alles macht deutlich: Wir stehen im Fokus der Salafisten.

          Der Islamist, der in Bonn die beiden Polizisten mit einem Messer angegriffen hat, lebte in Nordhessen. Was weiß man über ihn? In welchem Umfeld hat er sich bewegt?

          Der Tatverdächtige ist mehrfach polizeilich aufgefallen. Die Ermittlungen führt die Staatsanwaltschaft Bonn.

          Aber er hatte ja offensichtlich ein Gewaltproblem. Würden Sie sagen, das ist typisch für Salafisten, dass sie einen Hang zur Gewalt haben und sich auch sonst nicht gut in die Gesellschaft einfügen?

          Nicht jeder Salafist ist gewaltbereit, aber jeder, der im Zusammenhang mit dem Dschihad aufgefallen ist, ist irgendwann mit der salafistischen Lehre in Kontakt gekommen. Der Salafismus ist ein Nährboden des islamistischen Terrors. Das haben wir im Kreise der Innenminister frühzeitig beraten. Wir haben von Anfang an festgestellt, der Salafismus ist die in Deutschland am schnellsten wachsende islamistische Bewegung. Das liegt unter anderem daran, dass er seine Breitenwirkung über das Internet entfaltet.

          Wie wollen Sie dagegen vorgehen?

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Die aufgewendete Energie ist enorm, der Ertrag mager: Geförderte Humboldt-Universität in Berlin.

          Exzellenz-Förderung : Noch so ein Sieg

          Ein Wettbewerb, in dem es nur Sieger gibt, ist eigentlich keiner: Welche Universitäten über die Exzellenzinitiative gefördert werden und welche nicht, sagt so gut wie nichts aus.

          Persischer Golf : Vermisst irgendjemand eine Drohne?

          Ein weiterer Zwischenfall im Golf schafft Verwirrung. Iran dementiert amerikanische Angaben über einen Drohnenabschuss. Zugleich macht Teheran ein neues Gesprächsangebot.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.