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Im Gespräch: Bernd Loebe : „Ich sage das ohne Eitelkeit“

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Mal heiter, mal skeptisch: Bernd Loebe, der Intendant der Oper Frankfurt. Bild: Röth, Frank

Seit Bernd Loebe die Frankfurter Oper leitet, steht sie glänzend da. Man sollte meinen, der Intendant sei glücklich. Aber er fürchtet sich vor Sparzwängen. Sonst genießt er den Erfolg. Leute bedanken sich bei ihm.

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          Seit 1968 tippen Sie auf einer Reiseschreibmaschine alle Besetzungslisten der Aufführungen ab, die Sie besucht haben. Was machen Sie damit?

          Ich habe damit in der Tat 1968 nach einem Besuch der „Zauberflöte“ mit Christoph von Dohnanyi am Pult damit angefangen, weil ich wohl schnell spürte: Diese Welt der Oper ist wichtig für mich. Ich konnte dann nicht mehr damit aufhören, und so ist es bis heute geblieben. Inzwischen ist meine zweite und dritte Schreibmaschine kaputtgegangen und ich musste mir bei Manufactum die letzte gusseiserne besorgen. Bei etwa 220 Aufführungen im Jahr, die ich besuche - Oper, Konzert, Schauspiel -, bin ich auf mich auch manchmal sauer, dass ich vor so vielen Jahren auf diese Idee gekommen bin. Aber wenn ich die Aktenordner so sehe und manchmal darin blättere, dann blättere ich ja auch im eigenen Leben und denke, das Ganze hat schon seinen Sinn.

          Nach welchem Schema haben Sie die Besetzungslisten geordnet?

          Alphabetisch nach Komponisten. Auf diese Weise konnte ich feststellen, dass ich jeweils etwa anderthalb Jahre meines Lebens abends mit Mozart und Verdi verbracht habe.

          Was machen Sie an Abenden, die Sie nicht in Opernhäusern verbringen?

          Fußball gucken über Sky, auch mal essen gehen. Sonst schaue ich nur sehr gezielt Fernsehen, Talkshows kann ich nicht ausstehen. Aber ich höre daheim natürlich Musik, weil ich nach wie vor ja die Besetzungen mache. Und ich unternehme auch mal gern einen kurzen Trip, war gerade in Belgien, wo ich ja elf Jahre lang gearbeitet habe. Ich habe zwei Tage am Théâtre de la Monnaie in Brüssel Oper aufgesogen, dann drei Tage an der Küste verbracht.

          Muscheln mit Fritten?

          Das auch, aber vor allem haben wir ein Zwei-Sterne-Restaurant besucht, „Le Fox“ in De Panne, sehr zu empfehlen.

          Noch einmal zum Erweckungserlebnis „Zauberflöte“. Wie alt sind Sie da?

          Sechzehn.

          Können Sie uns schildern, was da genau in Ihnen vorgeht?

          Ich saß mit meinem damaligen Nachhilfelehrer im Dritten Rang. Mir hat imponiert, dass man über eine solche Distanz hinweg die Sänger verstand, ohne Mikrofon. Aber das Wichtigste, glaube ich, das war das Verständnis dafür, wie viele Dinge zueinanderpassen, ineinandergreifen müssen, damit ein solches Gesamterlebnis entstehen kann: Orchester, Licht, Bühnenbild, Sänger. Diese Gemeinschaftsleistung hat mir suggeriert: Das ist was ganz Wichtiges, dass sich so viele Menschen einer gemeinsamen künstlerischen Idee unterwerfen. Von da an war ich für die Oper gewonnen.

          Die Opernbesuche waren auch ein Stück Pubertätsbewältigung?

          Ich hatte eine sehr problematische Jugend. Mein Vater war manisch-depressiv, er hat sich nach wiederholten Versuchen das Leben genommen. Da bin ich ins Theater auch deshalb gegangen, weil es eine Flucht vor der Realität war und weil ich dort Probleme - auf ästhetisierte Weise - bearbeitet sah, die mich auch privat beschäftigten. Die Kunst war essentiell für mich, weil sie half, eine schwierige Phase meines Lebens ohne große Beschädigung zu überstehen.

          Die Oper als Bewältigungsanstalt?

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