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Im Gespräch: Benno Möhlmann : „Wir müssen an die Köpfe der Spieler ran“

  • Aktualisiert am

Gegen den Abrutsch am Bornheimer Hang: Benno Möhlmann. Bild: dpa

Mit seinem Vorgänger hat der neue Trainer des FSV schon telefoniert. Das Angebot, die schwere Aufgabe in Frankfurt anzugehen, habe den Routinier überrascht.

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          Bei Ihrer Präsentation am Mittwoch wurde auf dem Vereinsgelände fleißig umgeräumt, weil die Haupttribüne kurz vor dem Abriss steht. Welches Bild hat sich Ihnen bei Ihrer Ankunft in Frankfurt vermittelt?

          Wenn Baustellen da sind, habe ich immer das Gefühl, dass es weitergeht. Aber wir werden in der Rückserie nicht die beste Atmosphäre im Stadion haben. Doch damit müssen und können wir leben, weil wir uns auf uns konzentrieren müssen. Ich bin ein Pragmatiker, der die Gegebenheiten akzeptiert.

          In der Vorsaison haben Sie mit Ingolstadt 2:1 in Frankfurt gewonnen.

          Ja, ich war gut zufrieden.

          Dachten Sie damals, die Unterstützung der FSV-Mannschaft durch ihre Anhängerschaft könnte größer sein?

          Ich kenne das lange Jahre aus Fürth. Auch dort sind die Dinge gewachsen und besser geworden. Es geht nur über Kontinuität und sportlichen Erfolg. In Frankfurt werden wohl noch einige Jahre nötig sein, um das Stadion regelmäßig zu füllen.

          Waren Sie überrascht, als sich Uwe Stöver, der Geschäftsführer Sport, am vergangenen Samstagabend bei Ihnen gemeldet hat?

          Eine spannende Frage. In diesem Moment war ich tatsächlich überrascht. Denn ich wusste nicht, dass sich der FSV nach der Heimniederlage gegen Bochum von Hans-Jürgen Boysen getrennt hatte.

          Sie wurden am 9. November in Ingolstadt entlassen. Brauchten Sie danach Abstand?

          Ich hätte nicht einen Tag später etwas Neues anfangen können. Schließlich habe ich mich mit meiner Arbeit in Ingolstadt sehr identifiziert. Aber nach zwei bis drei Wochen beginnt man zu überlegen, wie es weitergehen könnte.

          Wie schnell können Sie sich mit einer neuen Herausforderung identifizieren? Friedhelm Funkel zum Beispiel wechselte von einem Tag auf den anderen von Bochum nach Aachen.

          Ich hätte es mir nicht zugetraut, mich direkt am anderen Tag wieder hoch motiviert und gedanklich frei für den neuen Arbeitgeber engagieren zu können. Aber das ist von Person zu Person unterschiedlich. Grundsätzlich gehört das zu unserem Geschäft.

          Schätzen Sie Kontinuität? Ober brauchen Sie Abwechslung?

          Ich kann mit beidem leben. Ich habe mir gewünscht, bei dem einen oder anderen Verein länger zu bleiben, wie zum Beispiel in Ingolstadt. Denn auf Dauer gibt es dort gute Voraussetzungen. Im Fußball muss man aber flexibel sein.

          Warum sind Sie nie ins Ausland gegangen?

          Zu meinem Verständnis als Trainer gehören die Sprache und Kommunikation. Dementsprechend kann ich mir vorstellen, auch im deutschsprachigen Ausland zu arbeiten. In den vergangenen sechs Wochen hatte ich über Vermittler Anfragen aus dem osteuropäischen Raum. Doch das hat mich nicht gereizt.

          Der FSV kämpft wie Ingolstadt gegen den Abstieg. Sehen Sie sich als Feuerwehrmann?

          Nein. Ich habe noch nie eine Mannschaft wenige Spieltage vor dem Saisonende übernommen, um sie dann doch noch zu retten, obwohl keiner daran glaubt. Ein solcher Trainer, der nur über die Motivation kommt, bin ich nicht. Beim FSV habe ich die Vorbereitung im Januar und anschließend 15 Spiele, um die Mannschaft fachmännisch wieder in Fahrt zu bringen.

          Wie haben Sie sich Informationen über den FSV besorgt?

          Im Internet habe ich etwas zur Vereinsgeschichte gelesen, ich kannte das Datum der Vereinsgründung nicht. Außerdem habe ich mit Scouts, die die Mannschaft öfters als ich gesehen haben, über sportliche Dinge gesprochen.

          Was ist das größte Problem beim FSV?

          Wenn man ein ganzes Jahr lang nicht so erfolgreich ist, wie man es gerne wäre, setzt sich das in den Köpfen fest. Wir müssen also an die Köpfe der Spieler ran und ihnen neues Selbstbewusstsein vermitteln. Sie müssen ihr Potential wieder ausschöpfen. Wir haben zwar keine Weltmeistermannschaft. Aber wir haben viele Spieler im Team, die über gutes Zweitligaformat verfügen.

          Haben Sie mit Ihrem Vorgänger Hans-Jürgen Boysen telefoniert?

          Ja, kurz am Mittwoch. Im neuen Jahr werde ich mich dann mit ihm treffen. Wenn wir am 4. Januar mit dem Training beginnen, will ich jedem Spieler das Gefühl geben, sich neu zeigen zu können. Für alle ist es ein gewisser Neuanfang.

          Sie waren Profi in Bremen und Hamburg. Haben Sie sich als Trainer verändert?

          Ich bin konsequenter geworden. Dafür habe ich jetzt mehr Verantwortung.

          Hätten Sie als Spieler mehr erreichen können?

          Ja, davon bin ich überzeugt. Ich war ja nicht schlecht. Ich hätte zwar nie Rekordnationalspieler werden können. Aber ein oder zwei Länderspiele hätten es schon werden können.

          Die Fragen stellte Jörg Daniels.

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