https://www.faz.net/-gzg-70oml

Im Gespräch: Benno Möhlmann : „Es reicht nicht, mit Fähigkeiten geboren zu werden“

  • Aktualisiert am

Er versteht sein Handwerk: FSV-Trainer Benno Möhlmann würde gerne noch einmal erstklassig arbeiten. Bild: Wonge Bergmann

Begabung ist im Sport fast unverzichtbar für jeden, der es weit bringen will. Wie erkennt man sie? Wie wichtig ist sie? Welche Talente brauchen Trainer?

          7 Min.

          Wenn Sie auf irgendeinem Fußballplatz einen jungen Menschen sehen, ihm einen Ball zuwerfen und ihn danach beobachten: Wie lange brauchen Sie, um zu wissen, ob es ein außergewöhnliches Talent ist oder nicht?

          Ich kann sehen, ob einer geschmeidig und beweglich ist, aber das sind viele andere Leute auch. Und ich kann sehen, wie oft er den Ball hochhalten kann, aber das beherrscht auch ein Jongleur. Ich werde nicht sehen, wie gut er Fußball spielen kann, wie er sich im Zweikampf verhält, wie er in einer Mannschaft funktioniert und ob er mit der psychischen Belastung auf dem Platz zurecht kommt. Ich habe viele Fußballer erlebt, die im Training die tollsten Dinge vollbracht haben, die hatten eine perfekte Ballannahme und eine wunderbare Schusstechnik. Als es aber ins Stadion ging, sind sie oft gescheitert.

          Wenn Vereine zehn oder zwölf Jahre alte Jungen verpflichten - ist das dann nicht einfach nur Zockerei?

          Ja, das ist eine Zockerei. Aber bei jeder Zockerei gibt es eine Wahrscheinlichkeit, und das richtige Talent zu verpflichten, ist wahrscheinlich wahrscheinlicher, als in der Lotterie zu gewinnen. Ich bin in Lohne, einer kleinen Stadt in Niedersachsen, groß geworden. Bei mir im Verein war damals ein Mittelstürmer, der talentierter war als jeder andere, der öfter getroffen hat als jeder andere. Da habe ich oft nur geguckt, was der alles konnte. Aber er hat es nur in die Bezirksliga geschafft. Das hat damals keiner für möglich gehalten.

          Waren Sie als Spieler talentierter - oder sind es nun als Trainer?

          Technisch war ich als Fußballer nicht sehr talentiert. Aber ich hatte sehr viel Willen und sehr viel Ehrgeiz, damit konnte ich vieles kompensieren. Es war nie mein Ziel Profi zu werden. Ich habe einfach den Fußball gemocht, und wenn ich Lehrer geworden wäre, hätte ich sicher lange in irgendeiner Oberliga-Mannschaft gespielt. Als Trainer habe ich ein gewisses Talent, aber ich war nicht von Beginn an ein Supertrainer. Egal, was ich gemacht habe, ich habe immer versucht aus meiner Persönlichkeit das Beste zu machen und immer alles zu geben. Und ich habe immer dazugelernt, das tue ich auch heute noch. Das ist mindestens genauso wichtig wie Talent.

          Was mussten Sie erst lernen?

          Ich bin jetzt alt genug, deshalb kann ich das auch sagen: Ich bin ein bisschen launisch. Manchmal bin ich sehr nachsichtig, und manchmal eben nicht. Ich habe lernen müssen, Menschen zu loben für Dinge, die für mich selbstverständlich sind. Anfangs war es für mich einfach nur okay, wenn einer eine gute Szene hatte. Wenn er die jedoch nicht hatte, habe ich ihn kritisiert. Aber jeder Mensch, jeder Spieler braucht Bestätigung und Lob für das, was er gut macht. Das habe ich in den letzten Jahren öfter ausgesprochen als früher. Ich bin noch nicht perfekt, aber ich habe mich in dieser Hinsicht verbessert.

          Erkennen Sie in jedem Spieler des FSV Frankfurt ein Talent?

          Ja, sonst hätte es keiner von ihnen so weit gebracht. Jeder von ihnen weiß, es ist auch ein Geschenk Gottes, dass sie mit dem Fußball ihr Geld verdienen können. Einige von ihnen können sich so entwickeln, dass sie auch eine Klasse höher zurecht kommen.

          Dabei dachten wir immer, dass „Talent“ und „zweite Liga“ Begriffe sind, die sich eigentlich ausschließen.

          Wenn man vom Talent für das Optimale spricht, dann schließt es sich auch aus. Das ist ja nichts Schlimmes. Die Menschen sind eben unterschiedlich, und nicht jeder kann der Beste und Erste sein. Ich habe auch schon Spielern gesagt, dass sie von der zweiten lieber wieder in die dritte Liga gehen sollen, weil sie dort glücklicher und zufriedener sind. Aber Talent ist für mich auch nicht das Entscheidende. Ich will wissen, wie sich einer auf seiner Position verhält, wie er von dort Einfluss auf das Spiel nimmt. Natürlich gehört eine Grundbegabung dazu, er muss mit dem Ball umgehen können, das ist sein Handwerkszeug. Aber wir sind ja kein Zirkus, deshalb muss jeder in der Mannschaft funktionieren.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Impeachment-Zeugen : Joe Biden lehnt Tauschgeschäft ab

          Im Amtsenthebungsverfahren gegen Donald Trump wollen die Demokraten hohe Mitarbeiter Trumps als Zeugen vorladen. Sie wehren sich aber gegen eine Vorladung von Hunter Biden.
          Sandra Maischberger begrüßte in ihrer Sendung am 22. Januar 2020 den Cicero-Chefredakteur Christoph Schwennicke, die ARD-Moderatorin Anna Planken und den Kabarettisten Florian Schroeder (von links).

          TV-Kritik: „Maischberger“ : Ein Ende mit Schrecken

          Ist unser Essen zu billig? Ist Greta Thunberg schlimmer als Donald Trump? Sandra Maischberger lässt unaufgeregt die Woche Revue passieren. Doch dann kommt Gloria von Thurn und Taxis – und sorgt für ein dickes Ende.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.