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Im Gespräch: Barbara Wieland : „Es sind nicht alle gegen den Bischof“

  • Aktualisiert am

Ausdruck des Ärgers: der offene Brief an den Limburger Bischof. Bild: dpa

Für die Krise im Bistum Limburg macht Barbara Wieland viele verantwortlich. Franz Peter Tebartz-van Elst sei ein aufmerksamer Gesprächspartner. Ihm werde vieles unterstellt, was nicht stimme.

          Die Situation im Bistum Limburg eskaliert. Welchen Ausweg sehen Sie?

          Der Bischof muss sich offen an die Gläubigen wenden, eine vollständige Offenlegung der Sachverhalte zusichern und ihnen einen Vertrauensvorschuss gewähren und um Vertrauen bitten. Wir müssen im Bistum wieder zu einem „Wir“ kommen, Parteiungen helfen nicht dabei, den derzeitigen Konflikt zu beenden, und sie schaden der Kirche immens. Nur Verwaltungsabläufe zu ändern, reicht nicht aus. Es ist gleichzeitig ein geistlicher Prozess nötig, um Brücken zu bauen.

          Wer trägt die Hauptverantwortung für die Vertrauenskrise?

          Formell ist für alles, was in einer Diözese geschieht, der Bischof verantwortlich. De facto aber haben im Bistum Limburg viele zur gegenwärtigen Krise beigetragen, etwa dadurch, dass gezielt Informationen aus vertraulichen Sitzungen weitergegeben wurden. Ich bin nicht dafür, Dinge zu vertuschen, aber wenn jemand aus Sitzungen berichten will, soll er dies offen sagen. Eine weitere Frage ist aber auch, ob der Bischof sein Vertrauen im engsten Führungszirkel immer den richtigen Personen geschenkt hat und schenkt.

          Sehen Sie eine Zukunft für Bischof Tebartz-van Elst als Limburger Oberhirte?

          Wenn der Befreiungsschlag gelingt, ja. Es sind ja nicht alle gegen ihn, nur die, die für ihn sind, reden nicht darüber.

          Warum nicht?

          Weil sie das Gefühl haben, dass ihnen alles, was sie sagen, im Munde herumgedreht wird. Persönliche, gute Erfahrungen mit dem Bischof werden kleingeredet. Ich weiß: Der Bischof ist ein aufmerksamer Gesprächspartner, begegnet anderen wertschätzend und nimmt sich Zeit. Im Bistum ist nicht alles gelöst, wenn der Bischof ginge. Außerdem ist es keine christliche Haltung, jemanden im Falle eines Streits einfach davonzujagen. Nicht nur in Limburg, auch im Zentralkomitee der deutschen Katholiken, in dem ich tätig bin, wird dem Bischof vieles unterstellt, was nicht stimmt. Zum Beispiel ist die Bildung von Großpfarreien im Bistum Limburg, verglichen mit anderen Diözesen, ein gut organisierter Prozess. Der Bischof war für synodal beratene Änderungen gegenüber seinen Plänen immer offen.

          Aber woher kommen dann die Probleme?

          Im Bistum gibt es - quer durch alle Ebenen - eine unterschiedliche Vorstellung von Kirche, ohne dass darüber offen gesprochen wird. Außerdem führt die Bistumsverwaltung ein Eigenleben, öffnet sich viel zu wenig. Sie ist offensichtlich nicht fähig, Strategien zur Lösung des gegenwärtigen Konflikts zu erarbeiten. Die Idee des Bischofs, die Verwaltung möge sich als Dienstleister für die Gemeinden begreifen, ist nur sehr partiell verwirklicht worden. Daran dürfte sich auch mit einem anderen Bischof nicht viel ändern.

          Wie wird sich die Diözesanversammlung positionieren?

          Die nächste Sitzung ist erst im November. In Kürze werden die Präsidentin der Versammlung und die beiden Vizepräsidenten das Gespräch mit dem Bischof suchen: Wir reden miteinander, nicht übereinander.

          Sie haben den offenen Brief an den Bischof nicht unterschrieben. Warum?

          Ich möchte mich in den Konflikt zwischen dem Frankfurter Stadtdekan Johannes zu Eltz und dem Bischof nicht einmischen. Ich habe von meiner Tätigkeit auf Diözesanebene noch einen anderen Blick auf diesen Konflikt als „nur“ die Frankfurter Perspektive. Ich kann die Strategie des Stadtdekans nicht nachvollziehen und wollte mich an der Solidaritätskundgebung in dieser Form nicht beteiligen. Die Sorgen, die in dem Brief formuliert sind, teile ich aber ausdrücklich.

          Welche Bedeutung messen Sie dem Ausgang des Ermittlungsverfahrens in Hamburg für die berufliche Zukunft des Bischofs bei?

          Das hängt ganz entscheidend davon ab, wie er selbst sich dazu verhält - vor allem dann, wenn es schlecht für ihn ausgehen sollte. Wenn er es schaffen sollte, zu sagen, dass er sich in dieser scheinbar ausweglosen Situation verrannt hat und um Vertrauen bittet, sehe ich keinen Grund, warum er nicht Limburger Bischof bleiben können sollte.

          Die Fragen stellte Stefan Toepfer.

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