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Im Gespräch: Autorin Terézia Mora : „Es gibt bessere Lösungen als den Tod“

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Verabschiedet sich als Poetikdozentin in Frankfurt: Terézia Mora Bild: Jens Gyarmaty

„Mein Problem ist, dass ich Frankfurt wegen der Buchmesse überhaupt nicht kenne“, sagt Terézia Mora. Frankfurt als Poetikdozentin besser kennenzulernen hat sie nicht geschafft. Aber was soll man machen, wenn man immer so viel zu tun hat?

          Sind Sie zufrieden mit Ihrer Vorlesung?

          Sagen wir es so: Ich bin froh. Ich hatte gedacht, die ganze Veranstaltung sei sehr hochnäsig. Und es kam nicht in Frage, mich aufzuplustern. Also dachte ich mir, du kannst es nur so einfach machen, wie du selbst es dir gerne anhören würdest. Das ist komplizierter, als man denkt. Ich bin Romanautorin, was bedeutet, dass ich immer versuche, alles zu machen. Und in Vorträgen macht man nicht alles. Man macht einen Aspekt.

          Was spricht denn dagegen, sich ein wenig aufzuplustern?

          Wenn ich etwas gefragt werde, antworte ich offen und ehrlich. Meist reicht die Zeit nicht, um sich eine Lüge auszudenken. Das wäre auch viel komplizierter und anstrengender, und man müsste sich das nächste Mal daran erinnern. Es ist einfacher, zu sagen, wie es ist.

          Und wenn man das nicht weiß?

          Wir hatten mal eine junge Familienministerin, zu deren Amtsführung jemand sagte, man könne nicht immer „Ich weiß nicht“ sagen. Ein Schriftsteller kann das. Viele der Sachen, die ich mache, sind so, dass ich vieles darüber nicht weiß. Was bleibt mir dann anderes übrig, als das zu sagen?

          Über Literatur sprechen Sie gerne. Sehen Sie nicht die Gefahr, dass das Kunstwerk im Geplauder zu kurz kommt?

          Nein. Ich finde, wir sollten uns alle darüber unterhalten. Jeden Tag. Ich finde, es ist ein lohnendes Thema.

          Sie haben daher bestimmt auch nicht darüber nachgedacht, die Frankfurter Poetikdozentur abzulehnen. Ihre Vorgängerin Juli Zeh hingegen hat ihre fünf Vorträge auf dem Hinweis aufgebaut, das Sprechen über das Schreiben sei für Autoren eigentlich Zeitverschwendung.

          Im Grunde war es für mich tatsächlich Juli Zeh, die das Ganze aufgelockert hat. Ich dachte, endlich mal eine Frau, die sieht das alles viel pragmatischer. Das hat der Sache das Überkandidelte genommen und ihr sehr gut getan. Ich weiß nicht, ob meine Nachfolger so schlau sein werden, sich das auch zu Gemüte zu führen. Auf eine ganz andere Weise hat mir auch geholfen, was Ernst Jandl gemacht hat. Sich hinzustellen und zu sagen: Das ist das Gedicht. Und in diesem Gedicht passiert das und das und das. Bumm. Das ist wunderbar. Darum sollte es gehen.

          Klar und präzise.

          Was nicht ganz einfach ist. Mein Ideal wäre ein Poetikhandbuch, das Schreibstudenten in die Hand nehmen können, um Lösungen darin zu finden. Aber man muss so viel lösen für jeden einzelnen Text, den man schreibt, dass das unmöglich ist. Katja Lange-Müller hat zu mir gesagt, wir sind alle Autodidakten. Am Ende musst du es selbst herausfinden.

          Sie sind der erste Autor, der die Frankfurter Poetikvorlesung als Gewinner des Deutschen Buchpreises hält. Was ist besser - Buchpreis oder Dozentur?

          Das kann man nicht vergleichen. Ich war froh, dass die Buchpreisjury den Eindruck machte, mit ihrer Entscheidung zufrieden zu sein. Das Problem ist, dass die Kriterien der Jury und die öffentliche Wahrnehmung des Preises zwei so verschiedene Sachen sind. Die Jury, in der ich selbst mal war, das sind diese Idioten, die tatsächlich versuchen, das beste deutschsprachige Buch des Jahres herauszufinden, während ein Teil der Branche und die Leserschaft darauf warten, dass ihnen gesagt wird, was sie lesen sollen. Und das soll ihnen dann auch gefallen.

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