https://www.faz.net/-gzg-7h082

Im Gespräch: Alf Mintzel : „Wir waren nur gnadenlos effektiv“

  • Aktualisiert am

Wehen am Ball: Alf Mintzel glaubt an seine Mannschaft. Bild: Wonge Bergmann

Der 31 Jahre alte Profi hat mit zwei Toren und vier Vorlagen in den ersten fünf Spielen viel zum Wehener Erfolg beigetragen. Nun kommt am Samstag RB Leipzig.

          3 Min.

          Vervollständigen Sie bitte folgenden Satz: Der SV Wehen Wiesbaden steigt auf, weil ...

          Das kann ich nicht sagen, weil es noch viel zu früh ist. Man muss klipp und klar sagen: Das ist zu diesem Zeitpunkt utopisch. Wir haben in den vergangenen beiden Spielen schon nicht mehr so gut gespielt, waren nur gnadenlos effektiv. Diese Frage möchte ich gerne tauschen.

          Okay, wie ist der starke Drittliga-Saisonstart mit 13 Punkten aus fünf Spielen zu erklären?

          Wir stehen zunächst mal in der Defensive sehr gut. Auch in Phasen, in denen der Gegner mehr Spielanteile hat, lassen wir kaum Torchancen zu. Und vorne nutzen wir die Chancen, die wir haben. In Burghausen hatten wir am vergangenen Wochenende dreieinhalb Chancen und machten daraus drei Tore.

          Die bisherigen Auftritte und die Bilanz (neun Treffer) von Joe Vunguidica, Tobias Jänicke und Ihnen rückt Sie in die Nähe eines „magischen Dreiecks“ der dritten Liga.

          Unsere Offensivabteilung funktioniert im Moment sehr gut. Wenn man den Joe von heute mit dem von vor einem Jahr vergleicht, als er bei uns angefangen hat, ist das eine Steigerung von 300 Prozent. Der arbeitet als Stürmer unglaublich gut mit. Tobi hat in seinen Aktionen eine unfassbare Geschwindigkeit, und ich bin zwar mit 31 Jahren nicht mehr der Allerschnellste, aber ein gewisses Tempo habe ich auch. Zusammen sind wir schwer ausrechenbar und brandgefährlich.

          Demnach passt der Begriff „magisches Dreieck vom Wehener Halberg“?

          Wenn ich an magische Dreiecke denke, habe ich Spieler wie Elber, Bobic und Balakow vor Augen. Joe und ich haben derzeit viele Gelegenheiten, uns gegenseitig hochzuziehen: In den letzten Spielen hat er mir oder ich ihm immer einen Treffer aufgelegt. Wenn wir hinten fünf Dinger reinkriegen würden, könnten wir vorne die dollsten Dinger machen und würden trotzdem kein Spiel gewinnen.

          Wie hoch ist der Wehener Aufschwung zu bewerten vor dem Hintergrund von bis zu zehn Profis im Krankenstand?

          Das spricht besonders für uns. Vor zwei Wochen kommt ein Adam Straith nach wenigen Trainingseinheiten neu in die Mannschaft und macht sofort zwei gute Spiele. In Burghausen kommt ein Jovan Vidovic praktisch ohne gemeinsame Trainingseinheiten, ohne Deutsch zu sprechen neu in die Innenverteidigung und strahlt sofort eine große Sicherheit aus.

          Welche Rolle spielt der Abgang des besten Torjägers Zlatko Janjic, dem divenhaftes Verhalten nachgesagt wurde?

          Vielleicht haben sich zuletzt einige hinter der Figur Zlatko Janjic versteckt, nach dem Motto: Der macht schon noch sein Tor. Ein Thema ist dies bei uns aber nicht. Wir haben genug gestandene Spieler im Team, die Verantwortung tragen sollen, müssen und auch können.

          In Ihrem vierten Wehener Jahr sind Sie der dienstälteste Spieler im Team, haben schon dutzende Profis kommen und gehen sehen. Nachhaltig konnte beim SV zuletzt nie gearbeitet werden, oder?

          In meinem ersten Jahr, in dem wir am Ende Vierter geworden sind, hat es vom Gefüge und vom Zusammenhalt sehr gut gepasst. Warum danach ein Umbruch gemacht wurde, hat sich niemandem erschlossen. Das musste der damalige Trainer Lettieri dann auch einsehen. Mit dem neuen Trainer Vollmann kamen natürlich neue Spieler, die zu dessen Philosophie passen. In diesem Jahr passt es wieder sehr gut. Die jungen Spieler machen richtig Druck. Das beste Beispiel war das Heimspiel gegen die Stuttgarter Kickers: Da haben wir bei gefühlten 50 Grad auf dem Platz 90 Minuten durchgezogen und wollten immer noch mehr Tore erzielen. Das war zuvor bei uns nicht so.

          Die Mannschaft ist in den vergangenen zwei Jahren weit hinter den Erwartungen geblieben. Wie frustrierend war das für Sie als Spieler, der besonders für Kampfgeist und Arbeitsethos steht?

          Das war frustrierend, weil wir qualitativ immer gute Mannschaften hatten. Wir hatten mitunter vielleicht zu viele Persönlichkeiten - zu viele Köche verderben halt den Brei. Wir hatten 18 Spieler mit Startelf-Niveau, die mit einem Platz auf der Bank nur schwer umgehen konnten. Das hat auf die Stimmung geschlagen. In diesem Jahr ist die Mannschaft qualitativ genauso gut und auch charakterlich überragend. Wer nicht dabei ist, brennt auf seine Chance und überzeugt bei seinen Einsätzen.

          Der Verein tut sich immer schon schwer, als regionale Marke wahrgenommen zu werden und Sponsoren für sich zu interessieren. Wofür steht der SV Wehen Wiesbaden?

          Der Verein steht für richtig gute, hochprofessionelle Arbeit und gutes Wirtschaften. Unser Trainingsgelände sucht seinesgleichen in der Liga. Natürlich ist es für einen neuen Verein schwer, sich in Wiesbaden zu etablieren. Die Fanszene muss sich erst entwickeln. In Mainz war zu Anfang auch nichts los. Irgendwann waren sie dann eine große Nummer. Vieles ist abhängig vom Erfolg der Profimannschaft.

          Der Zuschauerschnitt war in den letzten Monaten rückläufig. Was erhoffen Sie sich vom Spitzenspiel am Samstag gegen RB Leipzig?

          So viele Fans wie möglich in der Arena. Wir hatten uns nach drei Startsiegen schon gegen den Aufstiegsfavoriten Münster mehr als 4000 Zuschauer erhofft. Wenn wir weiter Einsatz und Leidenschaft verkörpern und damit Erfolg haben, dann schwappt das auch auf die Leute über.

          Die Fragen stellte Alex Westhoff.

          Weitere Themen

          Das Gesicht der Grizzlys

          Sebastian Furchner : Das Gesicht der Grizzlys

          Seit 13 Jahren spielt Eishockey-Arbeiter Sebastian Furchner in Wolfsburg. Er brachte zuverlässig Leistung, im sportlichen Fokus waren aber meistens andere. Jetzt steht er vor der Krönung seiner Karriere.

          Topmeldungen

          Geht es bergauf für die SPD? Olaf Scholz bei einer Veranstaltung des DGB zum Tag der Arbeit in Cottbus

          Parteitag vor Bundestagswahl : Was der SPD noch Hoffnung macht

          Seit Olaf Scholz zum Kanzlerkandidaten ausgerufen wurde, bleibt die Zustimmung für die Sozialdemokraten mau. Mit dem virtuellen Parteitag am Sonntag soll sich das ändern.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.