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Im Gespräch: Ahmed Araychi über das Opferfest : „Schöne Feiertagsstimmung“

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Hoffnung: betende Muslime. Bild: Sick, Cornelia

In diesen Tagen begehen Muslime ihre höchsten Feiertage, das Opferfest. Auskunft darüber gibt Ahmed Araychi. Der 43 Jahre alte Industriemeister ist Vorsitzender der Tarik-Ben-Ziyad-Gemeinde im Gallus.

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          Wie beginnt am Opferfest Ihr Tag?

          Ich werde am Montag mit meiner Familie in den Urlaub nach Marokko geflogen sein. Die Feiertage sind diesmal während der Herbstferien, so dass wir, meine Frau, unsere vier Kinder und ich, das Opferfest mit meinem Vater feiern können. Er ist inzwischen über 80 Jahre alt, in die Heimat zurückgekehrt und lebt wieder seinem im Dorf. Uns war es wichtig, diesmal das Fest mit ihn zusammen zu begehen. Am Dienstagmorgen treffen sich alle – auch die Frauen – zum Gottesdienst in der Moschee; danach beglückwünschen sich alle zum Fest. Später kommt die Familie daheim zum gemeinsamen Mahl zusammen.

          Wann erfolgt das Tieropfer?

          Das Feiertage dauern vier Tage, geopfert wird während dieser Zeit, meistens nach dem Gang in der Moschee, das muss aber nicht unbedingt am ersten Tag des Opferfestes erfolgen.

          Lassen Sie ein Opfertier schlachten?

          Nicht immer. Manchmal spende ich nur Geld an bedürftige Familien aus dem Dorf meiner Eltern. Manchmal spende ich an eine Wohltätigkeitsorganisation wie Islamic Relief, die Projekte in unterschiedlichen Ländern betreibt. Eigentlich soll dem religiösen Gebot nach jeder, der es sich finanziell leisten kann, ein Tier opfern. Das aber hat sich hier mit der Zeit aufgelockert. So wie ich halten es auch andere aus unserem Moscheeverein; viele schicken, wenn sie in Frankfurt kein Opfertier schlachten lassen wollen, das Geld an Privatpersonen im Herkunftsland oder beauftragen dort Familienangehörige oder Verwandte, ein Tier zu opfern.

          Wie läuft das Opfern genau ab?

          Es gibt hier muslimische Schlachter, die beauftragt werden. Man bestellt ein paar Tage vor dem Opferfest ein Tier – Lamm, Schaf oder einen Hammel –, und der Metzger macht das im Schlachthof. Manche Auftraggeber sind während der rituellen Schlachtung dabei, andere holen nur das Fleisch ab. Ein Drittel des Fleisches darf man behalten, ein Drittel wird an Nachbarn und Bekannte und ein Drittel an Bedürftige verteilt.

          Angenommen in einem Achtfamilienhaus wohnen sechs muslimische Familien, und alle haben ein Tier opfern lassen und verteilen Fleisch an ihre Nachbarn im Haus – da kommt doch bei den Familien eine Menge Fleisch zusammen.

          Es geht nicht um Fleisch an sich, der Sinn des Opferfestes hat nichts mit Fleischessen an sich zu tun. Es geht ums Opfern als Ritual, das es auch im Alten Testament gibt: Der Prophet Abraham, den Gott einer Prüfung ausgesetzt. Übrigens: Man muss das Fleisch nicht nur unter Muslimen aufteilen, sondern kann auch nicht-muslimische Nachbarn berücksichtigen. Unsere Moscheegemeinde hat in den vergangenen Jahren immer wieder mit dem Fleisch, das Gemeindemitglieder spendeten, ein Grillfest für Arme, Bedürftige und Obdachlose ausgerichtet.

          Sie leben seit ihrer Kindheit in Frankfurt, haben muslimische Feste in ihrem Herkunftsland und hier erlebt. Was unterscheidet die Feiern dort und hier?

          Das lässt sich gar nicht vergleichen. Es kommt aber meines Erachtens auf einen selbst an, wie man muslimische Feste hier zelebriert: Unser Prophet sagt, dass man sich am Festtag freuen und andere an seiner Freude teilhaben lassen sollte. Anders als früher lassen Muslime hierzulande ihre Kollegen und Freunde, die keine Muslime sind, mehr an ihrem religiösen Leben und an ihren Feiertagen teilnehmen. Ich kenne inzwischen viele Muslime, die während der Feiertage auch ihre nicht-muslimischen Nachbarn zum Essen einladen. Mittlerweile kommt auch hier schöne Feiertagsstimmung auf. Die Frankfurter Muslime kommen am Festtag morgens in ihren Moscheen zusammen, sie gratulieren sich gegenseitig und bekommen inzwischen auch Glückwünsche und Grüße von christlichen Nachbarn. Auch auf institutioneller Ebene hat sich etwas getan: Die Moschegemeinden bekommen Grußkarten von christlichen Gemeinden, von Institutionen und Vereinen. Es hat sich – etwa über den interreligiösen Dialog, an dem unsere Moscheegemeinde sich beteiligt – in den vergangenen Jahren vieles zum Guten verändert.

          Die Fragen stellte Canan Topcu.

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