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IHK-Wahl 2014 : Die Kammern werden noch gebraucht

Bündeln den wirtschaftlichen Sachverstand: die Industrie- und Handelskammern. Bild: dpa

Die Industrie- und Handelskammern wirken, als seien sie aus dem 19. Jahrhundert übrig geblieben. Dabei sind die Organisationen, deren Parlamente gerade gewählt werden, weiterhin wichtig. Wenn auch aus anderen Gründen, als es zunächst scheint.

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          Ein Montagmittag in der Industrie- und Handelskammer Frankfurt. In Raum 4.15 werden gerade angehende Luftfahrttechniker geprüft. Auf dem Flur vor Raum 4.19 vertreten sich die Teilnehmer des Grundkurses für Sicherheitsleute die Beine. Im Konferenzsaal wird das Seminar „Xing richtig nutzen“ am Nachmittag vorbereitet. Es ist ein Kommen und Gehen. Es kommen und gehen vor allem junge Menschen.

          Manfred Köhler
          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

          Der Kontrast könnte nicht größer sein. Der Nachwuchs bevölkert einen Bau aus Kaisers Zeiten, überladen mit all dem Zierrat, wie er in jenen fernen Tagen modern war. Huldvoll grüßen Skulpturen, die Hochmodernes symbolisieren wie die Eisenbahn oder die Telegraphie. Und wenn in diesen Tagen in Frankfurt wie überall in Hessen die Vollversammlungen der Kammern nach fünf Jahren wieder neu gewählt werden, so fällt ein Scheinwerferlicht auf eigentümliche Konstruktionen, die ebenso vom 19.Jahrhundert übrig geblieben scheinen.

          Parlament ohne Opposition

          Feierlich ist von der Selbstverwaltung der Wirtschaft die Rede, die etwas hochtrabend als Parlamente bezeichneten Vollversammlungen, in Frankfurt mit 89 Angehörigen so groß wie die Stadtverordnetenversammlung, werden mit einer Art Ständewahlrecht bestimmt, bei dem Banker nur Banker und Händler nur Händler wählen. Wie viele Vertreter jede Branche entsendet, steht vorher fest. Überflüssig zu erwähnen, dass es sich weiterhin um eine von Männern geprägte Welt handelt.

          Man wird dort später den IHK-Präsidenten wählen, über den Haushalt der Organisation abstimmen und über die Grundzüge der politischen Haltung der Kammern. Doch Fraktionen werden sich dort nicht finden, eine Opposition wohl auch nicht, bestenfalls ein paar Unzufriedene. Es ist, als stecke das Gremium in der Frühzeit des Parlamentarismus fest.

          Existenzberatung auch woanders möglich

          Dass die Kammern von Zwangsbeiträgen leben wie ARD und ZDF, macht sie reich und manchmal behäbig. Allein elf Geschäftsführer hat die IHK Frankfurt – Geschäftsführer, deren Gehälter die Mitgliedsbetriebe nur an äußerst entlegener Stelle im Internet als Summe aufgelistet finden, während jeder Großkonzern, der die Kammern ungefragt finanziert, dies beim eigenen Führungspersonal längst für jede Person offenlegt, und zwar dort, wo es hingehört, im Geschäftsbericht. Doch alle Vorstöße, die Pflichtmitgliedschaft abzuschaffen und die Kammern zu gewöhnlichen Wirtschaftsverbänden zu machen wie etwa den Verband der Automobilindustrie, sind gescheitert. Denn die Kammern sind mächtig. Und sie sagen: Wir kümmern uns um die Fortbildung, um die Ausbildung. Wir nehmen im Auftrag des Staates die Prüfungen ab. Wer, wenn nicht wir?

          Das ist natürlich übertrieben. Man benötigt keine riesigen halbstaatlichen Apparate für Abschlussprüfungen. Fortbildungsangebote finden sich wie Sand am Meer. Existenzgründer könnten sich auch anderswo beraten lassen. Die Kammern machen das zwar routiniert. Aber die Welt bräche ohne sie nicht zusammen.

          Kaum Wahlbeteiligung wenige Kandidaten

          Gebraucht werden die Kammern trotzdem, aber aus einem ganz anderen Grund. Weil sie wirtschaftlichen Sachverstand bündeln. Weil sie in ihren besten Momenten Orte sind, an denen über die Zukunft des Wirtschaftens verhandelt wird. Weil sie in Zeiten, in denen es populär ist, Unternehmen zu gängeln, wie es nur geht, in Erinnerung rufen, dass erfolgreiches Wirtschaften die Basis allen Wohlstands ist.

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