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Bessere Verbindungen für Hanau : Halt nur alle zwei Stunden

Vorbeigerauscht: ein ICE auf der Strecke zwischen Hanau und Fulda Bild: Franziska Gilli

Ein Bündnis in Hanau fordert, dass mit dem „Deutschland-Takt“ von 2030 an mehr Fernzüge in Hanau halten sollen, statt die Stadt nur zu passieren. Das könnte auch den Frankfurter Hauptbahnhof entlasten.

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          Der Ausbau der Nordmainischen S-Bahn und neue Bahngleise zwischen Hanau und Gelnhausen sowie weiter in Richtung Fulda sind Vorhaben, die zwar auf den Weg gebracht, aber noch lange nicht vollendet sind. In der Verkehrsplanung muss jedoch langfristig gedacht werden. Das gilt auch für den „Deutschland-Takt“, der vom Jahr 2030 an gelten soll. Geplant ist, damit den Schienenverkehr besser aufeinander abzustimmen, so dass sich die Reisezeiten innerhalb Deutschlands auch bei Umsteigeverbindungen verkürzen. Damit der Hanauer Hauptbahnhof in den langwierigen Abstimmungsprozessen der künftigen Fahrpläne nicht zu kurz kommt, hat sich eine Allianz gebildet, die darauf drängt, den Verkehrsknotenpunkt zu berücksichtigen, und die Erwartungen der Region beschreibt.

          Luise Glaser-Lotz
          Korrespondentin der Rhein-Main-Zeitung für den Main-Kinzig-Kreis.

          Mit Blick auf den für Ende Mai geplanten Beschluss über den dritten und voraussichtlich letzten Gutachtenentwurf für den Deutschland-Takt meldeten sich die Stadt Hanau, der Main-Kinzig-Kreis sowie die Industrie- und Handelskammer (IHK) Hanau-Gelnhausen-Schlüchtern zu Wort. Erarbeitet wurde ein Gutachten, das für einen häufigeren Stopp von Fernverkehrszügen im Hanauer Hauptbahnhof spricht. Es wurde jetzt an das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur geschickt.

          Kein Träger der Verkehrswende

          Laut IHK Hanau könnten die Bewohner der Region mit einer besseren Anbindung des Hanauer Hauptbahnhofs an den Fernverkehr Ziele in Deutschland und im angrenzenden Ausland schneller erreichen. Bemängelt wird, dass den Plänen zufolge im Deutschland-Takt von zehn vorgesehenen Fernverkehrslinien, die den Hanauer Hauptbahnhof passieren, nur die Züge von drei Linien im Abstand von jeweils zwei Stunden halten sollen.

          Die kurzen Haltezeiten von zwei bis drei Minuten im Hanauer Hauptbahnhof rechtfertigten eine solche Einschränkung nicht. Sie werde der Bedeutung Hanaus für den Bahnverkehr im östlichen und südöstlichen Rhein-Main-Gebiet nicht gerecht. Das geplante Konzept werde nach seiner Realisierung die Kunden zu Umwegen zwingen. Auf diese Weise werde der Schienenfernverkehr dem Anspruch an einen komfortablen zukunftsfähigen Träger der Verkehrswende nicht gerecht.

          Keine Verbesserung mit „Deutschland-Takt“

          Nach den Worten von Winfried Ottmann (CDU), Kreisbeigeordneter des Main-Kinzig-Kreises, bringt der Deutschland-Takt in der vorliegenden Fassung für viele Bahnfahrer im Main-Kinzig-Kreis eher eine Verschlechterung. So werde die Direktverbindung über Mannheim in die Schweiz entfallen. Als Ersatz solle es ICE-Verbindungen geben, die deutlich weniger attraktiv seien, etwa in Richtung Ruhrgebiet.

          Wenn es aber von Hanau aus mehr attraktive Zugverbindungen gebe, werde der Hanauer Hauptbahnhof sein Einzugsgebiet bis ins Frankfurter Stadtgebiet hinein verlängern, sagt Hanaus Verkehrsdezernent Thomas Morlock (FDP). Für viele Fahrgäste aus dem Main-Kinzig-Kreis sowie den angrenzenden Landkreisen sei er dann der am besten erreichbare ICE-Bahnhof, um nach Norden und Osten weiterzufahren. Neben Reisezeitvorteilen durch die Vermeidung des Umweges über den Frankfurter Hauptbahnhof blieben umsteigenden Fahrgästen in Hanau auch längere Wege zu ihrem Anschlusszug erspart.

          Überarbeitung bisheriger Pläne gefordert

          IHK-Hauptgeschäftsführer Gunther Quidde bezeichnet den Deutschland-Takt als eine grundsätzlich gute Sache. Auf der Grundlage des gemeinsamen Gutachtens könne man jetzt fundiert Verbesserungen vorschlagen, die nicht nur für den Main-Kinzig-Kreis und die Region von Nutzen sein würden, sondern auch den Frankfurter Hauptbahnhof entlasten könnten. Insgesamt komme es jetzt darauf an, viele Schienenprojekte für den Kreis voranzutreiben, neben dem Deutschland-Takt, der Nordmainischen S-Bahn und der ICE-Schnellstrecke nach Fulda nennt Quidde auch die Ertüchtigung der Niddertalbahn sowie die Schaffung einer Osttangente um Frankfurt.

          Unterstützung bekommen Stadt, Kreis und IHK von den CDU-Abgeordneten Katja Leikert (Mitglied des Bundestages) sowie Heiko Kasseckert und Max Schad (beide Mitglieder des Landtags). In einem gemeinsamen Schreiben an das Bundesverkehrsministerium und die Deutsche Bahn weisen sie darauf hin, dass Hanau im Main-Kinzig-Kreis, dem größten Kreis Hessens, der einzige ICE-Haltepunkt sei. Dass mit dem Deutschland- Takt nur drei von zehn Fernverkehrslinien dort halten sollten, sei zu wenig. Die Abgeordneten fordern deshalb eine Überarbeitung der bisherigen Pläne.

          Bürger sollen von verbesserter Infrastruktur profitieren

          „Seit Jahren machen wir uns für den Bau der Nordmainischen S-Bahn sowie den Aus- und Neubau der Bahnstrecke Hanau–Gelnhausen/Fulda stark. Beide Projekte bringen langfristig Vorteile, aber – gerade während der Bauzeit – auch erhebliche Einschränkungen für die Menschen in der Region mit sich. Aus unserer Sicht muss es daher eine Selbstverständlichkeit sein, dass die Bürger des Main-Kinzig-Kreises in Zukunft von einer verbesserten Infrastruktur profitieren“, schreiben sie. Zudem erinnern sie an die Einschränkungen für Hanau im Zusammenhang mit der Neubaustrecke München–Berlin, von der Hanau als ICE-Haltepunkt abgekoppelt wurde. Dafür habe Hanau jetzt eine Kompensation verdient.

          Auf einen besseren Komfort im Hauptbahnhof sprechen die Politiker und die IHK ihre Adressaten nicht an. Im August soll ein Teilumbau beginnen. Vorgesehen ist die Sanierung der Fußgängerunterführung, der Bahnsteige und der Bau von Aufzügen, allerdings nur zu den Regionalzügen. Reisende bemängeln häufig veraltete Bahnhofsgebäude und die sanitären Anlagen.

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