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IG Metall : Metaller sehen Jobs bei Autobauern in Gefahr

Zukunftsmodell: Opel Ampera mit Elektromotor Bild: Opel

Der Wandel von der Verbrennungsmotoren-Technik zum E-Antrieb ist für die IG Metall auf lange Sicht unausweichlich. Darauf wollen die Gewerkschafter vorbereitet sein.

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          Die IG Metall sieht die Automobilindustrie in Deutschland vor großen Umwälzungen. Denn der schrittweise Wandel vom Verbrennungsmotor zum Elektroantrieb als dominierende Technologie wird auch die Produktion tiefgreifend verändern. Wie Jörg Köhlinger, Leiter des IG-Metall-Bezirks Mitte, am Montagabend im Gespräch sagte, stehen mittelfristig von den rund 815.000 Arbeitsplätzen der Automobil- und ihrer Zulieferindustrie in Deutschland zirka 250.000 Arbeitsplätze durch diese Transformation auf dem Spiel. Denn so viele Stellen sind derzeit Köhlinger zufolge der Produktion der Verbrennungsmotoren und den Getrieben zuzuordnen, die die Motorleistung über die Antriebswellen auf die Antriebsachse übertragen.

          Jochen Remmert

          Flughafenredakteur und Korrespondent Rhein-Main-Süd.

          Weil der Elektromotor sehr viel simpler aufgebaut ist als ein moderner Benzin- oder Dieselmotor und noch dazu kein Getriebe benötigt, ist für die Produktion des Antriebsstrangs von Elektroautos sehr viel weniger Personal nötig. Diesen Prozess, der zwar kein kurzfristiger, aber wohl unaufhaltsam sei, wolle die IG Metall maßgeblich mitbestimmen, sagte Köhlinger weiter. Allein der IG-Metall-Bezirk Mitte, der Hessen, Rheinland-Pfalz, das Saarland und Thüringen umfasst, zählt nach seinen Worten sieben Werke der Autohersteller Opel, Volkswagen, Mercedes-Benz und Ford. Hinzu kämen zahlreiche Zulieferer. Alles in allem sind rund 200 Betriebe im Bezirk den Autobauern und ihren Zulieferern zuzurechnen. Der Gewerkschafter geht davon aus, dass sein Bezirk in besonderer Weise von dieser Transformation tangiert sein wird.

          Dieselaggregate als Brückentechnologie

          Heikel könnte es auch im Bezirk Mitte vor allem für Firmen der unteren Ebenen der Zulieferpyramide werden. Denn dort ist eine Verlagerung der Produktion und ein Stellenabbau am leichtesten zu bewerkstelligen, wie Gewerkschafter wissen. Im Bezirk seien weniger die Entscheider angesiedelt, als vielmehr die verlängerten Werkbänke. Wie wichtig die IG Metall diese Entwicklung nimmt, lässt sich nicht zuletzt daran ablesen, dass sie am 4. und 5. Mai in Niedernhausen eine große Automobil- und Zuliefererkonferenz abhalten will, während der genau diese Aussichten intensiv erörtert werden sollen.

          Was die Technologie, vor allem die Energieversorgung der Elektroautos betrifft, sieht Köhlinger auch in Hessen Nachholbedarf. Weder gebe es eine ausreichende Lade-Infrastruktur, noch sei hier beispielsweise ein Entwickler und Produzent der modernen Akkutechnologie angesiedelt, die für die Elektromobilität von zentraler Bedeutung sei.

          Ungeachtet der absehbaren Trendwende in Richtung Elektromobilität sieht die IG Metall weiter die modernen Verbrennungsmotoren und dabei vor allem die Dieselaggregate als wichtige Brückentechnologie in den nächsten Jahren an. Denn der Diesel verbrauche in aller Regel weniger Treibstoff als der Benziner. Daher falle die CO2-Bilanz günstiger aus.

          Neue Erkenntnisse für die Planung

          Wegweisende Erkenntnisse darüber, wie die Arbeit und die Arbeitszeit künftig aus Sicht der Arbeitnehmer gestaltet sein sollte, erwarten sich die Metallgewerkschafter in diesem Jahr von einer Umfrage in 600 Betrieben mit mehr als 200.000 Beschäftigten. Die 42 Fragen sind nicht nur an Mitglieder gerichtet, sondern an alle Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie.

          An der Befragung können die Branchenbeschäftigten auch online teilnehmen. Wie Bezirksleiter Köhlinger weiter sagte, hat schon eine ähnliche Umfrage 2013 wertvolle Erkenntnisse darüber geliefert, was die Arbeitnehmer bewegt und was sie für besonders vordringlich halten. Auch die Erkenntnisse der neuen Runde solle möglichst unmittelbar in die Planung der IG Metall einfließen.

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