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Informationsabend zu Stadtteil : „Wie groß soll Frankfurt noch werden?“

Freifläche: Am nordwestlichen Stadtrand wäre Platz für Wohnhäuser. Bild: Victor Hedwig

Stadtplaner und Klimaexperten informieren Bürger zum geplanten Stadtteil an der A 5. Die pochen auf eine „ergebnisoffene Prüfung“.

          Der bei Niederursel und der Nordweststadt geplante Stadtteil wird keine graue Betonwüste. Eine Bebauung beidseitig der Autobahn 5 scheint möglich, und die durch das Baugebiet führende Stromtrasse kann integriert werden. Das ist das Ergebnis eines Informationsabends, zu dem der Verein „Brücke 71“ Stadtplaner und Klimaexperten eingeladen hatte. Der Verein kümmert sich um die Belange der Bewohner der Nordweststadt und sieht das Bauvorhaben kritisch.

          Bernd Günther

          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

          Fast ein Jahr sei es her, dass Planungsdezernent Mike Josef (SPD) die Idee für ein neues Quartier mit bis zu 12.000 Wohnungen vorgetragen habe, sagte Vereinsvorstand Jan Goßmann. Nun wollten die Bürger erfahren, wie weit die von Stadtverordneten veranlassten Voruntersuchungen für das Neubaugebiet gediehen seien. Goßmann erinnerte daran, dass der Standort „ergebnisoffen“ geprüft werden solle, also möglicherweise auch abzulehnen sei.

          Stadtteil für bis zu 25.000 Menschen

          Stadtplaner Marcus Gwechenberger wies auf zahlreiche Gutachten hin, die in Arbeit seien. Thematisiert würden etwa Auswirkungen auf Natur und Landschaft, der Trink- und Hochwasserschutz und der Verlauf von Leitungstrassen. Die zentrale Frage sei, „wie die Freiraumstruktur und die Bebauung zusammenzubringen sind“. Auf das Bevölkerungswachstum müsse reagiert werden, aber Natur und Wohnen seien aufeinander abzustimmen. Derzeit würden stadtweit 16.000 Wohneinheiten entwickelt. Doch das reiche nicht aus. Im Stadtteil an der A 5 könnten bis zu 25.000 Menschen wohnen, rechnete der Stadtplaner vor. Möglichst jede dritte Wohnung solle öffentlich gefördert sein, mit Kaltmieten von zehn Euro je Quadratmeter.

          Integration ist möglich: die durch das Baugebiet führende Stromtrasse

          Es sei aber noch zu klären, „wo im Gebiet gebaut werden kann“. Der Urselbach und der Steinbach seien als „Frischluftrinnen“ freizuhalten. Auch solle ein Grünkorridor das Quartier durchziehen, der den Taunus-Winden freie Bahn lasse. Von wichtigen „Klima-Adern“ sprach Hans-Georg Dannert vom Umweltamt. Über die Bäche und vor allem durch das Nidda-Tal strömten gewaltige Frisch- und Kaltluftmassen ein. Auch gebe es zwei Geländesenken, die für die Frischluftzufuhr wichtig seien. Der Klimaexperte warnte mit Verweis auf den Temperaturanstieg vor hochversiegelten Flächen. Derzeit seien die „kleinklimatischen Bedingungen“ in den nördlichen Stadtteilen entlang der Nidda im Vergleich zu den innerstädtischen Quartieren noch gut.

          „Das geht nur in Hochhäusern“

          Zweifel, ob ein neuer Stadtteil ausreichend an den Verkehr angebunden werden könne, teilt Stadtplaner Gwechenberger nicht. Die S-Bahn-Linie 6 sei leistungsfähig genug, vorausgesetzt die Regionaltangente-West werde rechtzeitig realisiert. Wichtig seien auch Ortsumfahrungen für Steinbach und Praunheim. Einen Abstand von 400 Metern zwischen Wohnbebauung und Stromtrassen, wie er im Landesentwicklungsplan empfohlen wird, hält Gwechenberger nicht unbedingt für nötig. Auf dem Riedberg sei dies auch nicht der Fall.

          Die Bürger reagierten skeptisch. „Wie groß soll Frankfurt noch werden?“, fragte eine Frau. Viele bezweifelten, ob angesichts der zahlreichen notwendigen Einschränkungen bei der Bebauung tatsächlich 12.000 Wohnungen entstehen könnten. „Das geht nur in Hochhäusern“, hieß es. Wolf-Rüdiger Hansen von „Brücke 71“ warnte vor einer „Trabantenstadt“ neben der Nordweststadt. Zwei derartige Großsiedlungen eng beieinander halte er für bedenklich.

          Gwechenberger kündigte an, dass bei der weiteren Planung Bürger beteiligt würden. Wie im Fall der Günthersburghöfe im Nordend sollten sie zu einem frühen Zeitpunkt gehört werden und ihre Anregungen in das städtebauliche Konzept einfließen. Dieses Konzept zu entwickeln werde wohl zwei Jahre beanspruchen. Bis der Stadtteil dann realisiert sei, könnten weitere 15 bis 20 Jahre vergehen. So lange habe die Entwicklung des Stadtteils am Riedberg gedauert.

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