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Identitätsdiebstahl? : Als „F.A.Z.-Redakteur“ bei Gucci und Macbeth

Zutritt erschwindelt: Der Angeklagte weist alle Vorwürfe von sich (Symbolbild). Bild: Wolfgang Eilmes

Ein 61 Jahre alter Mann ist wegen Betrugs vor Gericht. Er soll sich jahrelang als F.A.Z.-Redakteur ausgegeben und so den Zugang zu Veranstaltungen erschlichen haben.

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          Vor fast acht Jahren ist dem F.A.Z.-Redakteur zum ersten Mal aufgefallen, dass etwas nicht stimmte. Als Zeuge vor dem Amtsgericht erinnerte er sich am Dienstag an diesen Moment: Eine Kollegin aus dem Haus wies ihn damals darauf hin, dass sein Name auf den Listen der Pressevertreter bei verschiedenen Veranstaltungen aufgetaucht sei – fern des Ressorts, für das er üblicherweise schreibt. Wenig später, im Jahr 2013, berichteten ihm dann auch andere Journalisten, die nichts mit der F.A.Z. zu tun hatten, dass sie bei Events auf seinen Namen gestoßen seien, mit denen er nichts zu tun gehabt habe.

          Zehn solcher Veranstaltungen, zu denen Pressekarten vergeben wurden, listet die Staatsanwältin bei Verlesung der Anklageschrift auf. Dem Angeklagten, ein 61 Jahre alter Mann aus Hamburg, wird vorgeworfen, sich zu den Anlässen illegal Zutritt verschafft zu haben, in dem er eine E-Mail-Adresse verwendete, die auf den Namen des F.A.Z.-Redakteurs lautete. Unter den Veranstaltungen, zu denen er sich zwischen 2013 und 2018 auf diese Weise angemeldet haben soll, sind ein Gucci-Event, der GQ-Award 2013, die ARD-Party bei der Berlinale 2017, das Postfest von DHL und Deutscher Post im selben Jahr sowie die Macbeth-Premiere der Berliner Staatsoper im Juni 2018.

          „Ich bin doch selber Journalist“

          Der Angeklagte muss sich wegen Betrugs und der Fälschung beweiserheblicher Daten verantworten. Er bestreitet, etwas mit der besagten E-Mail-Adresse zu tun zu haben und weist alle Vorwürfe von sich. „Ich war auf diesen ganzen Events nicht, ich bin doch selber Journalist“, sagte der mutmaßliche Betrüger am ersten Verhandlungstag. Er habe sich zu allen genannten Veranstaltungen auch mit seinem richtigen Namen Zugang verschaffen können. So auch zu einem Konzert der Rolling Stones auf der Waldbühne in Berlin am 10. Juni 2014, Punkt vier der Anklage.

          Einer Zeugin, die damals am Eingang die Pressetickets ausgab, stellte sich der Angeklagte unter seinem Namen vor. Das berichteten sowohl er als auch die PR-Managerin, die aber hinzufügte, er habe angegeben, er solle die Karten für den F.A.Z.-Redakteur und dessen Fotografen abholen. Sie gab sie nicht heraus; ein angeblicher Fotograf, mutmaßlich der Angeklagte, hatte sich schon vorher telefonisch bei ihr gemeldet und behauptet, der Redakteur sei noch unterwegs. Die Version des Beschuldigten: Er sei mit seiner Freundin auf dem Konzert gewesen und habe die Karten dafür auf legalem Wege bekommen. Jemand habe ihn am Veranstaltungsort gebeten, Pressekarten abzuholen und sie ihm später zu geben, dies habe er aus reiner Gefälligkeit getan.

          Mit dem Angeklagten wird auch eine Handynummer in Verbindung gebracht, unter der er sich mehrfach für den F.A.Z.-Redakteur ausgegeben haben soll. Nur wegen dieser Nummer sei er nun vor Gericht, sagte der Einundsechzigjährige. Sie gehöre zu einer SIM-Karte, die bei einer Vodafone-Pressekonferenz zusammen mit Geräten ausgegeben worden sei. Eine PR-Managerin des Unternehmens habe ihn dann zu Unrecht verdächtigt.

          Der F.A.Z.-Redakteur berichtete schließlich, wie er am Tag nach dem Fußball-WM-Finale 2014 einen Anruf bekam – nach seiner Vermutung von dem Angeklagten, den er damals schon einmal angezeigt hatte. Er forderte den Mann, der sich als Bekannter des Beschuldigten ausgab, auf, sich zu stellen. Jetzt, da Deutschland Weltmeister sei, könne man doch die Strafanzeige fallen lassen, habe der geantwortet. Er, der F.A.Z.-Redakteur, habe daraufhin lachend aufgelegt. Der Prozess wird Anfang Oktober fortgesetzt.

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