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Frankfurter Paulskirche : Sanierung nach der Feier

Ableger: Das Demokratiezentrum in der Kämmerei wird durch Pavillons ergänzt Bild: Simulation Meixner Schlüter Wendt

Die Paulskirche in Frankfurt kann erst später als gedacht modernisiert werden. Für das ergänzende Demokratiezentrum gibt es jetzt Ideen.

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          Die gute Nachricht zuerst: Wenn sich 2023 zum 175. Mal die Zusammenkunft der Nationalversammlung in der Paulskirche jährt, wird das Jubiläumsfest nicht auf einer Baustelle gefeiert. Die Sanierung des Bau- und Demokratiedenkmals hat dann nämlich noch gar nicht angefangen. Eingedenk aller Fristen zur Planung, Ausschreibung und Vergabe der Bauleistungen könne die Sanierung frühestens Anfang 2023 beginnen, erläuterte Baudezernent Jan Schneider (CDU). Daher sollte die Stadt mit den Bauarbeiten lieber noch warten und die Jubiläumsfeier in einem würdigen Rahmen abhalten. „Ab Juni 2023 können die Bagger rollen.“

          Rainer Schulze
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Das Bild mit dem Bagger ist zwar etwas schief und scheint nicht zum sensiblen Umgang mit dem filigranen Baudenkmal zu passen, auf den sich die Römerkoalition verständigt hat. Aber die Botschaft, die Schneider vermitteln will, wird deutlich: Der große Zeitdruck, unter dem das Sanierungsvorhaben bisher stand, führt nicht zum gewünschten Ergebnis, weil eine Fertigstellung vor der Jubiläumsfeier 2023 ohnehin unmöglich ist.

          Verschiedene Szenarien möglich

          Schneider stellte am Mittwoch nicht nur den Zeitplan für die Ertüchtigung der denkmalgeschützten Paulskirche vor. Sein Dezernat hat auch das Frankfurter Architekturbüro Meixner Schlüter Wendt mit einer Machbarkeitsstudie beauftragt. Deren wesentliches Ergebnis ist, dass die Sanierung der Paulskirche, der Bau eines Demokratiezentrums, um das die Kirche ergänzt werden soll, und die Einrichtung einer seit Jahren geplanten Betriebskita für die städtischen Mitarbeiter einander räumlich nicht in die Quere kommen. Daher können die Sanierung der Kirche und das Demokratiezentrum getrennt voneinander realisiert werden. Das erscheint auch deshalb sinnvoll, weil die Diskussion über Inhalt, Lage und Form eines solchen Zentrums erst am Anfang steht.

          Die Mitarbeiter des beauftragten Büros haben die Umgebung untersucht und verschiedene Szenarien am Modell geprüft. Für den Bau der Kita empfehlen sie das Grundstück nördlich der Kämmerei beziehungsweise nordwestlich der Paulskirche an der Berliner Straße. Ein Demokratiezentrum wäre an dieser Stelle nicht gut aufgehoben, denn es läge dort zu versteckt, meinen die Architekten Claudia Meixner und Florian Schlüter. Stattdessen empfehlen sie, dort ein gemischt genutztes, viergeschossiges Gebäude zu errichten, mit einer viergruppigen Kita für 80 bis 100 Kinder in den ersten beiden Geschossen und Wohnungen darüber. Im Untergeschoss dieses Gebäudes könnte die Haustechnik der Paulskirche untergebracht werden.

          Zwei Standorte für Demokratiezentrum

          Für das rund 2000 Quadratmeter große Demokratiezentrum kommen aus Sicht des Architekturbüros zwei Standorte in Frage. Einerseits könnte das Erdgeschoss der Kämmerei dafür genutzt werden. Schlüter meint jedoch, dass das Demokratiezentrum auch auf den angrenzenden Paulsplatz ausstrahlen sollte, und empfiehlt an dieser Stelle pavillonartige Bauten, die als Café oder Bibliothek genutzt werden könnten. Als Assoziation nennt er den „Apple Store“ in New York: Der Glaswürfel dient als Eingang, der eigentliche Verkaufsraum liegt unter der Erde. In einer zweiten Variante könnte das Demokratiezentrum auf dem Paulsplatz entlang der Neuen Kräme entstehen. Um den Freiraum zu erhalten, empfiehlt das Büro, das Zentrum auf Stützen zu stellen und über dem öffentlichen Raum „schweben“ zu lassen. „Man sollte immer im Blick haben, dass es ein zukunftsträchtiges Gebäude ist“, sagte Schlüter.

          Höhergelegt: Das Demokratiezentrum „schwebt“ über dem Paulsplatz.
          Höhergelegt: Das Demokratiezentrum „schwebt“ über dem Paulsplatz. : Bild: Simulationen Meixner Schlüter Wendt

          Doch die Form des Demokratiezentrums wird wohl erst in einem Architekturwettbewerb gefunden. „Messen Sie den Entwürfen keine übertriebene Bedeutung bei“, sagte Schneider, der am Mittwoch auch die Stabstelle vorstellte, die sich um die Sanierung der Paulskirche kümmern soll. Unter der Leitung von Andrea Lotz-Bauscher soll das Gebäude behutsam saniert und technisch modernisiert werden. Das Podium soll auch für Rollstuhlfahrer erreichbar sein. Nur beiläufig ging Schneider auf den Vorschlag des Oberbürgermeisters ein, die Stadtverordnetenversammlung in die Paulskirche zu verlegen. Der Erhalt des Mobiliars schränke andere Ideen ein: „Ob die Bestuhlung fest oder variabel ist, entscheiden nicht wir allein, sondern die Denkmalpfleger.“

          Bei der Präsentation der Pläne war auch der Sprecher des Oberbürgermeisters zugegen. Peter Feldmann (SPD) sei über den späteren Baubeginn nicht erfreut, sagte er. Der Sprecher erinnerte daran, dass die Stabstelle auch die protokollarischen Abläufe bei Veranstaltungen in der Paulskirche berücksichtigen müsse. Weil oft innerhalb kurzer Zeit mehrere hundert Gäste empfangen würden, müsse es ausreichend Platz für Sicherheitsvorkehrungen und Garderobe geben.

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