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Transformation der IAA : Automesse wird zum Diskussionskongress

Was mag wohl unter der Plane sein? IAA-Aufbauarbeiten im Jahr 2017 Bild: Frank Röth

Die IAA will sich verändern. Statt lediglich einer Produktschau sollen mehrere Debattenbühnen die Frankfurter Automesse digitaler und interaktiver machen.

          Der Hashtag darf heutzutage nicht fehlen: Mit „#CreateTheNew“ ist die Internetseite überschrieben, mit der Mercedes-Benz zur Internationalen Automesse IAA einlädt. Man wolle über „vielversprechende Ideen für Gesellschaft, Wirtschaft, Wissenschaft und den Planeten sprechen“, ist auf der Seite zu lesen. Eingeladen seien Kreative, Studenten, Start-ups und „Intrapreneurs“, womit offenbar kluge Angestellte gemeint sind. Dass es um Autos gehen wird, steht auf der Seite nicht.

          Falk Heunemann

          Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Mercedes ist keine Ausnahme. Auch die Automobilmesse selbst will nicht länger nur eine Produktschau sein, sondern „Zentrum eines Zukunftsdialogs“, wie ein Sprecher gestern mitteilte. Auf vier Bühnen werde es Debatten und Diskussionen geben, doppelt so viele bei der Messe vor zwei Jahren. Inhaltlich unterteilt der Veranstalter, der Autobranchenverband VDA, die Messe in die Bereiche „Conference“, „Experience“, „Exhibition“ und „Career“. Die Ausstellung ist demnach also nur noch ein Teil der Schau. „Die IAA transformiert sich, so wie die Branche auch“, begründete dies gestern Verbandspräsident Bernhard Mattes. Die Messe vom 12. bis 22. September in Frankfurt werde interaktiver und digitaler.

          In der Krise

          Der Wandel ist anscheinend auch nötig. Denn die für die Branche so wichtigen Automessen stecken weltweit in der Krise. Auf dem Genfer Autosalon waren weder Ford noch Opel, Volvo oder Jaguar zu finden, in Detroit fehlten im Januar vor allem die deutschen Hersteller. Reihenweise kassierte auch die IAA in Frankfurt zuletzt Absagen, zum Beispiel von vielen asiatischen Produzenten, darunter dem Marktriesen Toyota, aber auch von Rolls Royce, Aston Martin, Renault, Peugeot und Citroen. Suzuki schwankt noch. Damit wird die IAA beinahe zur DAA, zur Deutschen Automobilmesse. Und selbst die einheimischen Aussteller sparen: BMW zum Beispiel plant nach Medienberichten nur noch mit einem Fünftel der Ausstellungsfläche.

          An einer Absatzkrise der Branche liegt das nicht. Zwar verunsichern die Debatten um Diesel-Fahrverbote und um E-Mobilität viele Käufer. Dennoch wurden in Deutschland im vergangenen Jahr 3,4 Millionen Personenkraftwagen verkauft, nahezu genauso viele wie im Jahr zuvor – nur eben deutlich mehr Benziner als früher. Vor allem die großen, spritschluckenden und höherpreisigen SUV-Modelle, die für die Hersteller lukrativ sind, waren häufiger gefragt.

          Weniger Messen, mehr Roadshows

          Die Unternehmen denken jedoch stärker darüber nach, wie sie ihre potentiellen Kunden mit geringeren Streuverlusten erreichen. Die Messe-Absage sei zwar keine Grundsatzentscheidung, heißt es von einer Toyota-Sprecherin, das Unternehmen wolle jedoch das Marketingbudget anderweitig und gezielter einsetzen. Denn preiswert ist eine Teilnahme nicht. Angeblich kosten die Auftritte der großen Hersteller zwischen 20 und 30 Millionen Euro. Volvo setzt darum zunehmend weniger auf Messen, sondern auf Roadshows bei Händlern, um Kunden direkt ansprechen zu können.

          Mercedes dagegen experimentiert mit neuen Formaten. Die Stuttgarter beziehen abermals die Festhalle und bauen ihr Konferenzangebot aus, zudem soll es mehr Möglichkeiten zum Ausprobieren geben. „Wir rücken die Marke stärker in den Vordergrund“, sagt eine Sprecherin. „Wir verkaufen ja nicht nur Autos.“ Der Auftritt solle die Transformation vom Hersteller zum Mobilitätsdienstleister demonstrieren, der unter anderem Eigner der App Mytaxi und an Car2Go beteiligt ist. Auch den Frankfurtern wolle man mehr als bisher bieten. Was genau, wird aber bisher nicht verraten.

          Die IAA-Veranstalter sprechen davon, dass die Messe eine „Schaubühne, Diskussions- und Demonstrationsfläche“ für alle sei, die die Mobiltität der Zukunft gestalteten. Sie haben darum deutlich mehr IT-Unternehmen und Start-ups eingeladen, sich zu präsentieren, darunter Samsung, Siemens und Vodafone. Erwartet werden zudem Microsoft-Cloud-Chef Scott Guthrie und IBM-Vorstandschefin Virginia Rometty.

          Die Messegesellschaft ist zwar nur Vermieter und Dienstleister für die IAA. Für das Unternehmen, das der Stadt Frankfurt und dem Land Hessen gehört, ist die Veranstaltung ein Aushängeschild. Gut ein Vierteljahr lang belegt die IAA die Messehallen, wenn man die Aufbau- und Abbauzeit einrechnet. Der Millionenvertrag mit dem Veranstalter VDA läuft überdies in diesem Jahr aus, und ein neuer ist noch nicht unterzeichnet. Dass der Verband auf geringere Mieten drängen wird, scheint sicher.

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