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IAA Frankfurt : Die Auto-Kirmes

  • -Aktualisiert am

Aufnahmebereit: Besucher und Besucher, hier in Halle acht. Bild: Niklas Grapatin

Süßigkeiten, Attraktionen und ein bisschen Freakshow. Das erste Besucherwochenende der IAA präsentiert sich als riesiger Rummel. Ein Rundgang.

          Der Schwertschlucker

          200 Meter von der Quelle entfernt fängt es an auf den Ohren zu drücken. Als würde einem jemand im Zwei-Sekunden-Takt etwas in den Gehörgang pressen und wieder herausholen. Das Wummern kommt aus einem weißen VW Caddy. Dessen von zwölf Autobatterien gespeistes Soundsystem erzeugt so viel Bass, dass die Fahrer- und Beifahrertüren beben.

          Eine fahrbare Disco, regulär zu kaufen, wer braucht so etwas? Am Stand ist es ein bisschen wie beim Schwertschlucken. Die Menge staunt und fragt sich, wie der Vorführende das Ganze unbeschadet übersteht. Plötzliche Bewegungen können fatal enden. Wer während der Sound-Demonstration die Frontscheibe berührt hätte, der hätte riskiert, dass sie springe, erzählt einer, der sich während der Dröhnens auf den Beifahrersitz des Autos gewagt hatte.

          Das Karussell

          Orange, Rot, Grün und Blau drehen sich im Kreis. Oder besser: Simon, Patrick, Vincent und Walter fahren im Kreis. Auf einer riesigen Carrerra-Bahn, die in keinem Kinderzimmer Platz finden würde, geht es um alles. Also vielleicht um eine Tüte Gummibärchen. Passenderweise fliegen die Autos ausgerechnet in der Haribo-Kehre regelmäßig aus der Kurve. Ein Junge, der keinen Regler abbekommen hat, stellt die Wagen immer wieder auf die Schienen, bis der Kommentator in bester Formel-1-Manier verkündet: „Schluss, Aus, Mercedes kommt vor BMW ins Ziel, und das in nur 5,6 Sekunden Rundenzeit.“

          Die Klofrau

          Anders als auf sonstigen Volksfesten ist die Schlange vor der Männertoilette länger als die bei den Damen. Außerdem steht niemand mit Putzlappen und Mopp davor, der um 50 Cent Wertschätzung bittet. Farblich auf die jeweiligen Firmenlogos abgestimmte Wischtücher, Staubwedel und Sprühflaschen finden sich dafür zwischen den Lamborghinis, Porsches und VWs in Halle drei. Jedes Staubkorn, jeder Fingerabdruck wird sofort entfernt. Während einer der zahllosen Entstauber gerade die Heckscheibe eines Golf Estate abwedelt, reißt eine Hostess den Tankdeckel ab. Ein Griff ins Klo.

          Der Autoskooter

          Die IAA ist ein Erlebnis für Jungs und für Alt. Kleine Mädchen sieht man eher selten. Dafür umso mehr sechs bis 14 Jahre alte Buben hinter den Lenkrädern von Autos im dreistelligen PS-Bereich. Davor dann aufgeregte Väter mit Smartphones in der Hand. Ob sie immer nur den großen Moment ihrer Kinder festhalten wollen oder insgeheim nach einer Möglichkeit suchen, den neuen Porsche Boxter GTS ins Familienalbum kleben zu können, ist nicht zu erkennen. Noch kleinere Jungs, und sogar ein paar Mädchen, findet man hinter den Steuern von Lego-Hyundais. In denen können die jüngsten Besucher unter den strengen Augen eines übergroßen bayerischen Legomännchens mit Lodenhut einen Kinderführerschein machen. „Nicht den anderen hintendrauf fahren“, sagt ein Vater zu seinem Sohn bevor es losgeht. „Aber ich weiß doch gar nicht, wo die Bremse ist“, antwortet leicht verzweifelt der Junge.

          Der Promi

          Auf der Wiesn in München gibt es ein ganzes Zelt voll Promis, auf der IAA in Frankfurt gibt es an diesem Wochenende eigentlich nur einen. Den früheren Dortmund Trainer Jürgen Klopp, der den neuen Opel vorstellt. Vor der Absperrung, hinter der man Autogramme von und Fotos mit Klopp bekommen kann, ist fast so viel los wie 50 Meter weiter an einem anderen Opel-Stand. Es gibt etwas umsonst. Was genau? „Eigentlich nichts“, sagt einer, der sich gerade mit einer der umkämpften Geschenktüten wieder aus der Menschentraube geschoben hat. Ein graues T-Shirt ist darin. Aber die Tüte ist immerhin schick, gelb und schwarz, passend zu Klopp.

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