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Neue Altstadt Frankfurt : Zapfstelle auf dem Hühnermarkt

„Schön ist das nicht“: Kleiner und großer Wasserspender Bild: Helmut Fricke

Mitten auf dem zentralen Platz in der neuen Altstadt steht ein Hydrant. Die Feuerwehr wollte das so, heißt es.

          Der Bursche wirkt irgendwie aus der Zeit gefallen. Der Deckel erinnert an eine Pickelhaube, die beiden Wasseranschlüsse links und rechts an Armstümpfe. Der „Altstadthydrant Modell 1905/95“ sieht alt aus, ist technisch aber auf dem Stand von heute. Dank Kugelabsperrung, Flanschanschluss, zwei oberen Abgängen mit B-Festkupplung und zusätzlich einem unteren Abgang mit A-Festkupplung, wie der Katalog der Keulahütte verrät. Aus dieser Eisengießerei an Sachsens Grenze zu Polen stammt der Hydrant, der sich wohl auf so manches Urlaubsfoto mogeln wird. Denn er steht an exponierter Stelle: mitten auf dem Hühnermarkt, direkt neben dem Stoltze-Brunnen.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          In der Altstadt wurde wenig dem Zufall überlassen. Ein Gestaltungsbeirat hat sich mit den architektonischen Details befasst. Monatelang diskutierten die Stadtverordneten über die richtige Höhe der Bordsteinkanten. Und dann das. Dass die Feuerwehr im Brandfall schlecht eine Eimerkette bis zum Stoltze-Brunnen bilden kann, leuchtet ja ein. Aber hätte sich für das Gerät nicht auch ein anderer Ort gefunden, wo er weniger auffällt?

          Unfreiwillig komisch

          Die Dom-Römer GmbH macht äußere Zwänge für das Kuriosum verantwortlich: Die Feuerwehr habe einen Standort auf dem Hühnermarkt gefordert, mit Abstand zu den Fassaden. Wegen der Wege der Feuerwehrwagen und deren Aufstellflächen sei nur noch der jetzige Standort übrig geblieben. Bei der exakten Lage hatte man dann wegen der Tiefgarage und der unterirdischen Leitungen kaum noch Spielraum. Glücklich ist Geschäftsführer Michael Guntersdorf damit nicht. „Er steht total bescheuert dort“, meint er und ärgert sich, dass er zu spät von der Sache erfahren habe. „Vielleicht kann man das später noch einmal angehen.“

          Immerhin wurde der Hydrant hellgrau angestrichen, damit er sich nicht noch stärker vom Pflaster abhebt. Dennoch wirkt das Ding mehr als kurios, nämlich unfreiwillig komisch. Was wohl der Gestaltungsbeirat dazu sagt? Christoph Mäckler, der Vorsitzende, ist noch im Urlaub. Doch der Stadthistoriker Björn Wissenbach geht ans Telefon. Das Problem sei dem Gestaltungsbeirat nie vorgestellt worden, sagt er. „Wir haben davon nie Kenntnis bekommen.“

          Das gelte übrigens auch für die chinesisch anmutenden Drachenköpfe an der Goldenen Waage. In der Spätphase großer Projekte rutschten solche Dinge wohl einfach durch. Wissenbach ärgert sich darüber, nimmt die Sache aber mit Humor. „Als Frankfurter ist man gewohnt, mit Brüchen zu leben. Ich gucke dann halt in die andere Richtung“, sagt er und lacht. Doch er fügt hinzu: „Aber schön aussehen tut es nicht.“ Auch Passanten wundern sich. Der Hydrant sei eine Kuriosität und wirke fehl am Platz, meint einer. Die Altstadt sei aber trotzdem gelungen: „Wenn das alles ist, geschenkt!“

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