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Hybridbus in Bad Homburg : Plötzliche Stille im fließenden Verkehr

Fährt mit einem Verbrennungs- und einem Elektromotor: Hybridbus in Bad Homburg Bild: Kaufhold, Marcus

Die Stadt Bad Homburg testet einen Hybridbus, der den Dieselverbrauch deutlich senken soll. Anlass ist die hohe Feinstaubbelastung im Kurbezirk.

          Im Prinzip fährt er sich wie ein normaler Stadtbus. Aber ganz ohne Schulung, die etwa vier Stunden dauert, geht es dann doch nicht. Denn die Besonderheiten eines Hybridantriebs haben unvorbereitete Fahrer schon veranlasst, die Werkstatt anzurufen. Als sie sich einer Haltestelle näherten, ging plötzlich der Dieselmotor aus. Tatsächlich hat der sonst nur Verbrennungsmotoren gewohnte Autofahrer auch als Passagier das Gefühl, jemand hätte das Fahrzeug abgewürgt.

          Bernhard Biener

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Hochtaunuskreis.

          Hektische Startversuche auf belebter Straße sind jedoch nicht nötig. Der Elektromotor lässt den Bus an die Haltestelle gleiten. Vor allem aber übernimmt er das Anfahren, das bei den Fahrzeugen mit traditionellem Antrieb für besonders viel Abgase und Lärm sorgt. Erst bei 15 Kilometern in der Stunde schaltet sich der 210 PS starke Dieselmotor wieder zu.

          Verbrennungs- und Elektromotor kombiniert

          Die Stadt Bad Homburg testet in den nächsten zwei Wochen den Einsatz eines Hybridfahrzeugs im Stadtbusverkehr. In dem Bus eines schwedischen Herstellers sind ein Verbrennungs- und ein Elektromotor kombiniert. "Es handelt sich um ein Parallelsystem", erläuterte gestern Frank Denfeld, im Rathaus für den Nahverkehr zuständig. Die beiden Motoren könnten jeder einzeln, aber auch gemeinsam für den Antrieb sorgen.

          Die Batterie sitzt in einem von außen erkennbaren Wulst über der Fahrerkabine und wird während der Fahrt aufgeladen. Dazu nutzt die Technik überwiegend die beim Bremsen freiwerdende Energie. 820 Kilometer hat der Hybridbus seit vergangenem Freitag auf Bad Homburgs Straßen absolviert. Er soll vor allem auf der Linie 6 zwischen dem Sportzentrum Nordwest und dem Amtsgericht erprobt werden, weil die durch den Kurpark führt.

          Oberbürgermeister Michael Korwisi (Die Grünen) erhofft sich Erkenntnisse über die Alltagstauglichkeit der Technik. Fahrer und Fahrgäste müssten damit zurechtkommen, und auch die Wartung müsse ohne Komplikationen möglich sein. Die Vorteile der Elektro-Unterstützung liegen für ihn auf der Hand: weniger Lärm, weniger Kohlendioxidausstoß und vor allem aber weniger Ruß. Allein schon der vom Hersteller versprochene um 35 Prozent geringere Dieselverbrauch soll 10 000 Liter im Jahr je Fahrzeug einsparen, inklusive der Reduzierung der Abfallprodukte.

          Das Problem mit dem „Bad“

          Die Luftqualität im Kurbezirk macht Verwaltung und Kommunalpolitikern Sorge, seit die Messungen bei der Überprüfung des Prädikats "Bad" zum Teil bedenkliche Werte gezeigt haben. Deshalb sollen weitere Tests mit Fahrzeugen anderer Hersteller folgen. Für das Jahr 2013 habe die Stadt ohnehin eine Option für sechs neue Stadtbusse vereinbart, sagte Denfeld. Hybrid- oder Elektrofahrzeuge seien allerdings bis zu 150 000 Euro teurer als ein herkömmlicher Bus. Vermutlich werde man eher leasen als kaufen. 850 000 Euro hat der Magistrat nach Worten Korwisis für die Anschaffung von Bussen mit alternativem Antrieb für 2013 bereitgestellt. Sie sollten später auch im Regelbetrieb vor allem auf den Linien durch den Kurpark eingesetzt werden.

          Bisher kann der Elektroantrieb nur bis zu einer Geschwindigkeit von 25 Stundenkilometern genutzt werden. Denfeld sähe es gerne, wenn diese Grenze ausgeweitet würde, damit die Busse nahezu lautlos durch eine Tempo-30-Zone rollen könnten. Die Stadt hat schon eine Reihe von Fahrzeugen mit alternativem Antrieb im Einsatz. So fährt der Betriebshof für seine Arbeiten im Kurpark nur elektrisch. Und die Dezernenten einschließlich des Oberbürgermeisters können sich im Hybrid-Personenwagen chauffieren lassen.

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