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Eintracht Frankfurt : „Ich bin erfahren und billig“

  • -Aktualisiert am

Vom ersten Moment an ein gesuchter Anspielpartner: Eintracht-Neuzugang Szabolcs Huszti Bild: Heiko Rhode

Der Ungar Szabolcs Huszti überzeugt in den ersten Einheiten im Trainingslager. Er selbst glaubt noch an sich, Trainer Veh macht es auch. Aber wo soll er spielen?

          3 Min.

          Vier Tage haben Szabolcs Huszti genügt, um bei der Frankfurter Eintracht richtig anzukommen. Akklimatisierungsschwierigkeiten? Nein. Umstellungsschwierigkeiten? Integrationsschwierigkeiten? Nein. Der 32 Jahre alte Ungar wirkt in Abu Dhabi auf und neben dem Trainingsplatz, als spielte er seit Jahren für die Eintracht. Nach acht Trainingseinheiten sagte Armin Veh am Donnerstag, dass er von Huszti erwarte, eine Führungsrolle innerhalb der Mannschaft einzunehmen. Dazu passend: In jedem Übungsmatch gehörte der Ungar zur ersten Elf, oft hatte er die meisten Ballkontakte. Das war fast immer so: bei Hannover 96, in der ungarischen Nationalmannschaft und zuletzt beim chinesischen Klub Changchun Yatai. Doch die Millionenstadt Changchun gehört nicht zu den besten Fußballadressen auf diesem Planeten und das Team von Yatai noch nicht mal zu den besseren in der international drittklassigen chinesischen Super League.

          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Deshalb war es nicht zu erwarten gewesen, dass der Eintracht-Trainer dem offensiven Mittelfeldspieler so schnell so viel Verantwortung überträgt. So manche stolze Karriere klang in einem exotischen Fußballland traurig aus. Und der Versuch, in der Heimat noch einmal an glanzvolle sportliche Zeiten anzuknüpfen, scheiterte. Huszti ist so ehrlich, zu sagen, dass er keine Versprechungen darüber abliefern kann, ob er noch mal das Niveau erreicht, das ihn bei Hannover 96 jahrelang zu einem der wichtigsten Profis machte. 36 Tore und 39 Assists lieferte er seinem Arbeitgeber in 132 Bundesligaspielen. „Ob ich noch mein höchstes Level erreichen kann, sage ich Ihnen im Mai oder Juni“, erzählt der Ungar, verspricht aber, dafür alles zu geben.

          Keine Pause, trotz Schmerzen

          Wieso sollte einen Profi noch mal der sportliche Ehrgeiz packen, der vor anderthalb Jahren Hannover wegen des vielen Geldes verließ, das es in China zu verdienen gab und dafür unter sein fußballerisches Niveau abstieg? „Weil es seiner Persönlichkeit entspricht“, lautet die Antwort von Trainer Veh. Bis jetzt bestätigt Huszti den Eindruck seines Vorgesetzten - im Gespräch und auf dem Platz. Der Mittelfeldspieler absolviert jede Übung mit ganzem Einsatz und gehört in jedem Trainingsspiel zu den aktivsten Spielern. Die Mitspieler und Beobachter erhielten einen Eindruck von Husztis Härte, als er in einer Szene in hohem Tempo mit Verteidiger David Kinsombi zusammenprallte. Es war viele Meter weit zu hören, als die Füße der beiden mit voller Wucht aufeinandertrafen - es klang, als hätte sich jemand etwas gebrochen. Huszti schüttelte sich nur kurz und machte einfach weiter. Kein Jammern über Schmerzen, kein Klagen oder gar Vorwürfe über Kinsombis Einsatz. Ein klein wenig Stolz schwingt in den Worten des Ungarn mit, als er betont, dass er bis jetzt noch keine Trainingseinheit verpasst hat. „Drei Tage lang haben wir jetzt dreimal täglich trainiert. Ein paar von den Jüngeren brauchten eine Pause, ich nicht, trotz der Schmerzen.“

          Er meint den Belastungsschmerz, keine Verletzung. Nach seiner Erläuterung der Umstände kann man glauben, dass er sich nicht auf den Weg nach China machte, um es bequemer zu haben: „Ich war enttäuscht, als mich Hannover 96 einfach ziehen ließ.“ Hätten die Niedersachsen ihr Gehaltsangebot an ihn wohl nur etwas erhöht, wäre er gerne geblieben: „Ich liebe Hannover 96, das war so und wird auch so bleiben.“ Wie es seine Art ist, setzte sich Huszti auch für seinen neuen Arbeitgeber voll ein, bestritt alle Begegnungen über die vollen 90 Minuten. Der dankte es ihm, indem er ihn nach anderthalb Jahren umstandslos wieder ziehen ließ: „Als meine Frau im Sommer zum zweiten Mal schwanger wurde, wollte ich unbedingt weg. Der Klub sagte, wir brauchen dich noch, um die Klasse zu halten. Aber dann darfst du im Winter weg. Sie haben netterweise Wort gehalten.“

          „Ich glaube noch immer an mich“

          Huszti erklärt die Rückkehr allein mit familiären Gründen. In Changchun spreche niemand Englisch, wenn er nicht zu Hause war, sei seine Frau isoliert gewesen: „Wegen der weiten Distanzen dauerten die Reisen zu den Auswärtsspielen meistens vier Tage. Ich könnte meine Frau nicht jedes Mal so lange allein mit zwei kleinen Kindern zu Hause sitzen lassen.“ Sie könne im Krankheitsfall zwar in ein Krankenhaus: „Aber dort versteht sie niemand.“ Huszti war über das Angebot der Eintracht froh - „obwohl ich hier natürlich weniger Geld verdiene“. Aber auch für einen hartgesottenen Profi wie ihn ist Geld nicht alles: „Die Familie ist das Wichtigste.“ Für die Eintracht sei seine Verpflichtung kein Risiko: „Ich bin erfahren und billig.“ Zudem zählt Huszti nicht zu den verletzungsanfälligen Spielern: „Ich bin 32 und wurde noch nie an den Knien oder Knöcheln operiert.“

          Der Ungar vergleicht seine Situation mit der vor dreieinhalb Jahren. Damals kehrte er aus St. Petersburg zu Hannover 96 zurück: „Viele sagten, ich würde es nicht noch mal schaffen, weil ich in Russland zuletzt nur noch mit 16- und 17-Jährigen in der zweiten Mannschaft gespielt hatte. Doch ich habe es geschafft.“ Jetzt sei er zwar älter, aber dafür habe er in China durchgespielt: „Ich war da nicht im Urlaub. Ich glaube noch immer an mich.“ Bestimmte Vorstellungen, an welcher Stelle er der Eintracht am besten helfen könne, äußert er nicht. „Die Trainer haben unterschiedliche Vorstellungen, die befolge ich. Ich habe in der 4-2-3-1-Formation alle Positionen hinter der Spitze gespielt“, sagt er. Und welche von ihnen ist seine Lieblingsposition? „Unter den ersten elf.“

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