https://www.faz.net/-gzg-7mnyr

Hundekot in Frankfurter Parks : Tretminen, Gift und Reißzwecken

Klar geregelt: Seit 2001 müssen Hunde in Frankfurter Parks jenseits der ausgewiesenen Flächen an der Leine geführt werden. Bild: dpa

In Frankfurt gibt es immer mehr Hunde. Gegen den Kot auf Wiesen und Wegen können die Behörden wenig tun. Dafür üben Hundehasser Selbstjustiz.

          „Danke!“, ruft der Jogger den Spaziergängern im Stadtwald zu, die ihren Hund heran gepfiffen haben und ihn festhalten, bis der Läufer vorbei ist. Es klingt erleichtert und ein wenig erstaunt. Die Fronten zwischen Hundebesitzern und jenen, die sich immer wieder durch Hunde belästigt fühlen, sind verhärtet. Da, wo Hunde frei laufen dürfen, wie auf den Waldwegen rund um den Goetheturm, sehen sich die Sportler in der Defensive. Immer müssen sie damit rechnen, dass ihnen ein Vierbeiner in die Quere kommt. Schon mancher ist so gestrauchelt. Ein ärgerliches „Nehmen Sie doch Ihren Köter an die Leine!“ wird schnell einmal mit „Laufen Sie doch im Park!“ quittiert. Denn dort herrscht schließlich Leinenpflicht – im einigen, wie dem Günthersburgpark, sogar absolutes Hundeverbot.

          Patricia Andreae

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Uneinsichtigkeit auf beiden Seiten führt zum Teil zu radikalen Maßnahmen, die sich in der Regel gegen die Tiere richten. Auf Zetteln an Bäumen und über Facebook wird seit geraumer Zeit vor ausgelegten Giftködern rund um den Goetheturm gewarnt. Mindestens ein Hund soll schon verendet sein. Der Polizei ist allerdings nichts davon bekannt. Der Sachsenhäuser Tierarzt Otto Doermer kennt den Fall auch nur vom Hörensagen. „Ich würde dort aber derzeit keinen Hund frei laufen lassen“, sagt er. Denn er weiß, dass es immer mal wieder Vergiftungen gibt. Dass es selten zu Anzeigen komme oder ein Fall aufgeklärt werde, liege wohl daran, dass der Tierhalter zunächst einmal auf eigene Kosten das Gefressene analysieren lassen müsste, um Gift nachzuweisen.

          Nicht jeder hält die Tüte bereit

          Dass hier womöglich ein Hundehasser am Werk war, bemerkt auch das Mädchen, das mit seinem Fahrrad auf den Rasenstreifen in der Mitte der Holbeinstraße gerät und kurz darauf einen Platten hat. Zwei Reißzwecken stecken im Reifen. „Die sind für meine gedacht“, meint der Mann, der mit Bierflasche und Zigarette in der Hand am Wasserhäuschen lehnt – zu seinen Füßen zwei Schäferhundmischlinge. Der Verbindungsweg zwischen Hedderichstraße und Otto-Hahn-Platz ist eine beliebte Gassi-Strecke – und das liegt wohl kaum an dem mit 15Schritten zu durchmessenden „Hundeauslauf“ auf der Verkehrsinsel neben der Straßenbahnhaltestelle. Vielmehr hat der Weg das, was städtische Hundebesitzer mögen: einen Grünstreifen. Für den Spaziergang zwischendurch gerade lang genug, dass der Vierbeiner die nötigsten Geschäfte erledigen kann. Denn schließlich muss ein Hund am Tag ja mindestens dreimal raus.

           Damit die Häufchen sich nicht häufen: In Frankfurt herrscht überall „Tütenpflicht“.

          Und dann heißt es Tüten bereithalten. Doch das tut längst nicht jeder. Darauf angesprochen, warum sie die Hinterlassenschaften ihrer Hunde nicht entsorgen, finden Halter viele Antworten – vom verschämten „Tüten sind mir gerade ausgegangen“ über das arglose „Das wäscht der Regen doch weg“ bis zum renitenten „Ich zahle doch schließlich Hundesteuer!“ Dabei wird die Steuer keineswegs eingesetzt, um Straßen und Parks vom Kot zu befreien. Die Einnahmen fließen in den allgemeinen städtischen Haushalt. Die Abgabe hat nach Angaben aus dem Finanzdezernat eine „Lenkungsfunktion“. Sie soll verhindern, dass es zu viele Hunde in der Stadt gibt. Darum kostet ein Hund 90Euro Steuer im Jahr, der zweite und jeder weitere 180Euro. Trotz der Steuer sind Halter also verpflichtet, die Tretminen ihrer Hunde aufzusammeln – und zwar mit einem Beutel, der ordentlich zugeknotet in einen Mülleimer geworfen werden sollte und nicht ins nächste Beet.

          Derzeit 15500 Hunde gemeldet

          Wird ein Halter dabei beobachtet, wie er seinen Gefährten einen Haufen auf den Gehweg oder ins Gras der Grünanlage setzen lässt, ohne ihn dann zu beseitigen, kann das teuer werden. 75Euro muss in Frankfurt zahlen, wer auf frischer Tat ertappt wird. Doch das ist nur selten der Fall. „Es reicht nicht, den Haufen zu sehen und den Hund zwei Meter daneben“, sagt ein Mitarbeiter des Ordnungsamts. Er müsse schon den gesamten Vorgang mitbekommen haben. Und unter den Augen der Stadtpolizisten passiere halt meist nichts.

          15500 Hunde sind aktuell in Frankfurt angemeldet, vor zehn Jahren waren es noch 3000 weniger. Im Ordnungsamt hält man die Zahl der Hunde ohne Steuermarke für gering. Allerdings gibt es auch nur sporadische Kontrollen. 2590 waren es im vergangen Jahr. Ordnungswidrigkeitsverfahren gab es in 185Fällen. Manche Hundehalter wissen das zu vermeiden: Sie behaupten einfach, das Tier gehöre Freunden aus Eschborn, und dort gibt es keine Hundesteuer.

          Gegenbeispiel: Gemeinde Lorsch

          Dass die Zahl der Hunde in der Stadt steigt, ist nicht nur an den Statistiken der Behörden abzulesen. Es gibt eine wachsende Infrastruktur von speziellen Futtermärkten, Fellpflege- und Fahrdiensten, Physiotherapie und Tages- oder Urlaubsbetreuung. Derzeit sei es eben in Mode, einen Hund zu haben, egal ob als Kinder-Ersatz oder als Spielgefährten für die Kinder, wird gemutmaßt. Aber Hunde wollen nicht nur spielen, sie brauchen viel Auslauf, auch um ihre Geschäfte zu erledigen. Parks und Grünflächen sollen aber vor allem als Liege- oder Spielwiesen für die Menschen dienen und nicht mit stinkenden Haufen übersät sein.

          Das Verschmutzungsproblem scheint man in Frankfurt bisher nicht sonderlich wichtig zu nehmen. In der südhessischen Gemeinde Lorsch ist das anders. Da haben die Mitarbeiter des Gartenamtes Alarm geschlagen: Sie wollen nicht länger in verdreckten Anlagen arbeiten. Darum gibt es jetzt eine Hunde-Streife des Ordnungsamts. Das ist vermutlich wirksamer als die Initiative in einem Berliner Viertel, in dem Fähnchen mit frechen Sprüchen in die Haufen gesteckt werden. Helfen könnte aber auch Lob für vorbildliches Verhalten. Eine ältere Dame geht mit gutem Beispiel voran. Als der Zwölfjährige die Hinterlassenschaft seines Hundes in eine Tüte packt, sagt sie: „Wie nett von dir!“

          Weitere Themen

          Wie unter Napoleon

          FAZ Plus Artikel: Fusionen von Pfarreien : Wie unter Napoleon

          Die Gemeinden des Bistums Trier sollen künftig zu „Pfarreien der Zukunft“ zusammengelegt werden. Doch der Widerstand gegen die Reformpläne wächst. Kritiker sorgen sich um die Gemeinschaft – und um das Vermögen.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.